Grüß euch! - und eine echt schwierige Frage | Vegane Gesellschaft Österreich

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Stichal
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Grüß euch! - und eine echt schwierige Frage
Hallo und Grüß euch! Ich freue mich dieses Forum gefunden zu haben und hoffe, eine Gemeinschaft zu finden, mit der ich mich austauschen kann. Eine kleine Vorstellung folgt: Männlich, 36 Jahre, sportlich, berufstätig (dzt). Ich war schon einige Zeit vegetarisch unterwegs, mit der Zeit wurde ich aber wieder nachlässig. Vor kurzem habe ich ein Buch über Buddhismus gelesen (da gehts ja viel um Karma, Achtung vor allem Lebenden, Wiedergeburt usw.), und da dachte ich mir schon, es ist nicht richtig so wie ich es grad mache. Da ich ab Jänner in Karenz bei meinem Sohn bin, dachte ich mir, da probier ich vegan einfach mal aus für ein paar Wochen, mal schaun wies läuft. Ich wollte aber nicht unvorbereitet sein, hab also Rezepte gesucht. Und dabei sah ich neben den gesundheitlichem Aspekt auch das Tierleid (Lucent und Earthlings hab ich nicht bis zum Ende geschafft), wie die Umwelt betroffen ist und wie viele Ressourcen verwendet werden. Da ist mir dann klar geworden, was vegan wirklich bedeutet. Ich war dann von einem Tag auf den anderen vegan. Es fiel mir überhaupt nicht schwer, da es eine Herzensentscheidung war. Und wie ich irgendwo gehört habe, sind alle Menschen im Herzen vegan :-) Ich habe auch gleich eine schwierige Frage: Da ich über die vielen gesundheitlichen Vorteile gelesen habe, würde ich dieses Wissen gerne weitergeben. Ich habe in der Familie zB jemanden mit Übergewicht, Aneurisma, Osteoporose und noch einiges mehr. Die Leute wolln aber lieber bei ihren Gewohnheiten bleiben und wenn sie hören "vegan" is sowieso gleich alles vorbei. Ich nehe an, ihr kennt das eh genau. Zum einen denk ich mir halt, ich geh als leuchtendes Beispiel voran. Andererseits frisst es mich auf, weil ich nehm mich dann sehr zurück und sag nichts, weiß aber einen so simplen und nachhaltigen Weg um so viele Leiden zu verbessern. Ich weiß schon, ich muss auch geduldig sein, es sind ja erst zwei Wochen, seit ich vegan lebe. So ein gepflanzter Samen braucht Zeit. Aber es nagt in mir... Kennt ihr das? Wie komme ich selber wieder zu innerer Ruhe? Oh, was vielleicht noch dazukommt: Mein Sohn (10 Monate) braucht ja unbedingt Kuhmilch. Ohne der gehts ja nicht. Es geht also nicht nur um die Verwandten, sondern auch um mein Kind das nicht selbst entscheiden kann. Sry dass ihr jetzt so viel lesen musstet und danke dass ihr es getan habt :-) Viele Liebe Grüße Stichal (edit: Absätze mag das Forum anscheinend nicht, der Text ist ordentlich formatiert, wird aber nicht übernommen...)
Ipani
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Stress dich nicht so...steter Tropfen höhlt den Stein

Hallo, 
wie schön, dass du so überzeugt und motiviert bist :-)
So eine Überzeugung muss von innen kommen, man kann sie niemandem aufdrängen. Auch der Zeitpunkt muss stimmen.
Je mehr man drängt, desto größer der Widerstand der anderen.

Ich habe vor ca 5 Jahren auf "so vegan wie möglich" umgestellt, auch von jetzt auf gleich. Nur mich. 
Habe dann zuhause nur noch vegan gekocht und nur noch vegetarisch eingekauft.
Wer Fleisch wollte, musste es sich selber kaufen und zubereiten.
Das war zumutbar, weil mein Mann schließlich auch schon groß ist, und meine Tochter konnte in der Schule essen, was sie wollte. 
Wenn ich wo eingeladen bin oder im Restaurant esse ich vegetarisch, wenn es nichts Veganes gibt.
Das nimmt GastgeberInnen den Druck, trotzdem bekomme ich fast immer Veganes.
Bei mir zuhause haben Freundinnen und Freunde schon oft festgestellt, dass veganes Essen eh ganz gut ist.
Anfangs habe ich erst nachher verraten, dass das jetzt vegan war.
Und ins Büro bringe ich auch manchmal vegane Kuchen und Kekse mit.
In diesem bescheidenen Rahmen bewirkt man mehr als man glaubt.
Mittlerweile ist meine Tochter seit 3 Jahren Vegetarierin, und mein Mann isst nur noch vegan/vegetarisch und Fisch. 
Seine Cholesterinwerte haben sich übrigens in ganz kurzer Zeit extrem verbessert.
Wenn ich da Druck gemacht hätte, hätte ich das Gegenteil erreicht.
Immer öfter erzählt mir jemand von meinen nicht-vegetarischen Freunden von tollen Gemüsegerichten, die sie probiert haben, von netten vegetarisch/veganen Lokalen, die sie mir weiterempfehlen und so weiter. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die jetzt auch öfter vegan oder vegetarisch essen als früher, und vielleicht bin ich daran nicht ganz unschuldig.

Man darf auch eines nicht vergessen: Viele Nicht-Vegetarier kriegen schnell ein schlechtes Gewissen, wenn sie es mit einem überzeugten Veganer zu tun haben. Da ist Drängen kontraproduktiv und führt zu Meideverhalten :-) Es ist besser, man zeigt ihnen, dass man auch ohne Fleisch, Milchprodukte und Eier das Leben genießen kann.

Zum Thema Baby vegan ernähren weiß ich zu wenig,
aber ich habe schon gelesen, dass das möglich ist, wenn  man sich gut auskennt. Da findest du sicher Informationen darüber, wenn du suchst.
Aber weil du schreibst, dein Sohn kann nicht selbst entscheiden:
Ja, kann er nicht. Aber er kann auch nicht entscheiden, ob er gesüßten oder ungesüßten Tee bekommt, oder später, ob es bei euch zuhause Cola gibt oder nicht, ob er schon als Kleinkind mit dem Löffel essen darf oder ob euch das zuviel Patzerei ist, ob er Zwieback bekommt, oder ob euch das zuviel bröselt. Und so weiter.

Aber mach dir und deiner Familie nicht zuviel Druck. 
Viel Freude weiterhin und alles Liebe!

 

Stichal
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Vielen Dank Ipani!

Hallo und vielen Dank für deine ausführliche Antwort!

 

ich bin tatsächlich die letzten Tage etwas ruhiger geworden und fühle mich durch das von dir geschriebene bestätigt.

Der Hinweis mit dem schlechten Gewissen hat mir sehr weitergeholfen. Ich habe versucht mich in die anderen hineinzuversetzen und habe mich erinntert, wie ich noch vor ein paar Monaten über vegan gedacht habe. War beides sehr wertvoll.

 

Also werde ich mit leuchtendem Beispiel vorangehen. Heut werd ich was selbstgekochtes zum Familientreffen mitnehmen. Mal schaun wies da drauf reagieren :-)

Was mir sicher schwer fallen wird, ist, öfter mal den Mund zu halten. Auch wenn man vielleicht mehr weiß, weil man zB. die Tierhaltung/Schlachtung gesehen hat, oder gesundheitliche Aspekte, darf man das nicht immer aussprechen. Sonst wirkt man belehrend.

 

Die letzten Tage waren eine interessante Erfahrung für mich, ich war sogar so aufgewühlt, dass ich nicht mehr meditieren konnte. Das klappt jetzt allerdings wieder, was mir sagt, dass ich auf dem richtigen Weg bin :-)

 

Ich danke dir nochmals von ganzem Herzen und wünsche auch dir viel Freude und alles Liebe!

Ipani
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Wie waren die Feiertage?

Und wie ist das Selbstgekochte beim Familientreffen angekommen?

Mund halten ist schwer, ja.
Aber manchmal fragen Leute ja auch, wie man so mit den einzelnen "Problemstellungen" zurecht kommt.
Auch da kann man einiges Wissen transportieren. Sei es mit einer Produktempfehlung, einem Rezept oder einer Erfahrung, die man weitergibt.

Ja, meditieren, da möchte ich auch mal einen Zugang finden. War da nie besonders "erfolgreich" und hab`s in den letzten Wochen ganz vernachlässigt.
Wird auch wieder werden.

Weiterhin alles Gute!

 


 

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