Vegan in Mexiko | Vegane Gesellschaft Österreich

Vegan in Mexiko

29.06.2017

von Stefanie Penz

Allgemeine Infos

Von 2012-2017 war ich in Mexiko City für meine Firma im Tourismusbereich tätig. Da ich schon seit 20 Jahren vegetarisch bzw. später vegan lebe, habe ich von Anfang an den Kontakt zur veganen Community in Mexiko gesucht.

Es tut sich für Veganer_innen unglaublich viel in diesem Land, das flächenmäßig fast so groß wie die EU ist und 130 Millionen Einwohner_innen hat – vor allem in Mexiko Stadt, Monterrey, Guadalajara, und der Region Cancun-Playa del Carmen-Tulum.

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Die größte Community Mexikos und Lateinamerikas findet man in Mexiko City, Ciudad de Mexico (als CDMX abgekürzt). Das Facebook-Forum Veganer und Vegetarier Mexiko Stadt hat etwa 22.000 registrierte User_innen, für österreichische Maßstäbe kaum vorstellbar. Wenn man sich vor Augen hält, dass der Großraum Mexiko Stadt jedoch 21 Millionen Menschen zählt, ist das nur ein kleiner Bruchteil von 0.0010%. Das Forum ist antispeziesistisch ausgelegt und Vegetarier_innen können es als Informationsquelle nutzen, um vegan zu werden.

In den letzten Jahren hat sich die vegane Szene sehr entwickelt. Es gibt mittlerweile wöchentliche Events („bazares“), Aktivismus im öffentlichen Raum, Kochkurse, und viele Restaurants. Seit einiger Zeit sind auch 100 % vegane Restaurants zu finden: Die Kette Vegan Inc. aus dem sehr Rinderzucht und Fleichkonsum dominierten Monterrey hat 2016 eine dritte Filiale in Mexiko Stadt eröffnet. Sie bieten Gourmet-Küche an. Zudem hat Forever Vegano in zwei Stadtteilen Mexiko Citys Filialen aufgemacht. Wenn man in anderen Städten gute Optionen sucht, kann man sich auf Englisch im erwähnten Forum um Tipps erkundigen. Ich bin mir sicher, dass sich vegane Mexikaner_innen gerne Zeit nehmen, Interessierten die Stadt zu zeigen oder gemeinsam in Restaurants Essen zu gehen.

Vegane Herausforderungen in Mexiko

Eine vegane Herausforderung in Mexiko ist die Vernetzung der einzelnen Gruppen untereinander, eine weitere die mexikoweite Organisation. Das mag einerseits daran liegen, dass es keine Organisationen oder Vereine wie in Europa gibt, an die man Mitgliedschaftsbeiträge einzahlt, um so den Veganismus bekannter zu machen. Auf der anderen Seite ist ein anderer Grund aber auch das Fehlen von Organisationswillen. Eine Organisation, die „Tiempo Animal“ (Tierzeit) heißt, gibt ein monatliches, veganes Magazin heraus und organisiert mit Aktivist_innen zahlreiche Informationsveranstaltungen. Zumeist sind diese jedoch nur auf Mexiko Stadt beschränkt. Zum anderen steckt Veganismus als Thema in Mexiko noch in den Kinderschuhen, eventuell vergleichbar mit den 90ern in Österreich. Die Mehrheit der Menschen hat entweder keine Information zum Thema, oder zahlreiche Vorurteile. Mit dem Projekt, das ich im Juni 2016 in Mexiko ins Leben gerufen habe (VEG*MX), habe ich mit Aktivisten aus der Tierrechts-Szene und Bloggern zusammengearbeitet, um das Bewusstsein gegenüber dem Veganismus zu erhöhen und Vorurteile abzubauen. Es gibt in Mexiko fast keine Menschen, die mehr als 5 Jahre vegan sind. Wegen der Gewalt und Korruption im Land müssen Aktivist_innen sehr, sehr vorsichtig agieren. Deswegen sind die Veranstaltungen und Aktionen wenige – sehr gemäßigt und nicht so gut besucht. Vor allem für die Anti-Stierkampf-Aktionen konnten die veganen Gruppen auch viele Fleischesser_innen gewinnen, weil mittlerweile mehr Menschen einsehen, dass diese Tradition grausam und nicht mehr zeitgerecht ist. Leider werden in traditionellen Bundesstaaten, wie Tlaxcala, noch immer Toreros ausgebildet und Stierkämpfe veranstaltet, die große Besucherzahlen anziehen. Die sogenannte Charreria, was ich mit „Western-Show-Reiten“ eindeutschen würde, wird in vielen Landesteilen noch immer sehr hoch gehalten. Tiere werden dabei grausam behandelt. Auch der Hahnenkampf, zu dem von Züchtern aus ganz Mexiko Tiere gezüchtet werden, wird als Tradition angesehen und findet viele Interessenten. Eine andere Herausforderung ist es, unter den Veganer_innen den Antispeziesismus zu verankern. Mexiko habe ich als Macho-Land erlebt, in dem Frauen und Männer gleichwertig daran beteiligt sind, dass Frauen noch immer sehr benachteiligt werden, in vielen Hinsichten. Auch unter den Veganer_innen ist der Gedanke des Feminismus noch immer nicht bei allen angekommen und es wäre wünschenswert, dass alle Veganer_innen sich mit Speziesismus auseinandersetzen. Der Speziezismus zeigt sich leider auch im täglichen Leben dahingehend, wie Haustiere behandelt werden. Oft werden sie einfach auf Autobahnen ausgesetzt, wenn die Angehörigen sich nicht mehr um sie kümmern wollen. Die Grüne Partei setzte sich im letzten Jahr erfolgreich dafür ein, die Zirkusse abzuschaffen. Die meisten Tiere wurden von den Betreiber_innen jedoch einfach getötet, anstatt sie anderswo unterzubringen. Die Grüne Partei hat auch als einzige Partei als nächstes Ziel die Abschaffung der Delfinarien in ihr Programm genommen, aber sie hat keine starke Stimme. Die Delfinarien in den Touristen-Zonen dürfen gesetzlich weiter bestehen. Dort werden Delfine als Touristen-Attraktion zum Heulen ausgebeutet. Die veganenen Aktivisten nehmen an weltweiten Empty The Tanks-Aktionen bei, wie vor kurzer Zeit in CDMX, um gegen das letzte Delfinarium der Stadt zu campaignen. Ernährungsberater, -wissenschafter und Diätologen haben sehr in der Ausbildung mit Vorurteilen zu kämpfen. Ich erinnere mich noch an eine Unterhaltung mit einer Ernährungswissenschafterin, die laut Ausbildungscurriculum eine Ratte hätte töten müssen. Sie lehnte das mit der Begründung ab, dass sie Veganerin sei, und ihr wurde gesagt, dass sie ihre Ausbildung nicht weiter machen dürfte, wenn sie sich nicht daran halte. Sie wurde für die Ablehnung der Ermordung der Ratte von ihren Kolleg_innen verspottet.

Falls jemand Kontakte zu Organisationen sucht, meldet euch bitte gerne bei mir. Ich bin mir sicher, dass die Organisationen in Mexiko sich sehr freuen würden, wenn ein ausländischer Aktivist, Ernährungsberater oder Interessent eine Veranstaltung organisieren würde. Zumeist funktioniert das bei den „bazares“ oder auf freiwilliger Spendenbasis in angemieteten Locations oder der Tierrechts-Szene.

Zur veganen mexikanischen Küche

Das Essen, das außerhalb Mexikos als „mexikanisch“ angepriesen wird, würde ich als sehr unauthentisch bezeichnen, denn davon isst man den Großteil in Mexiko nicht. Das tatsächlich mexikanische Essen wäre den meisten wahrscheinlich zu ungewohnt, weil Mais der Hauptbestandteil ist und es durch Chili-Saucen sehr scharf werden kann.

Die Küche würde ich nach Vorkolonialisierung und Nachkolonialisierung einteilen. Alles, was vor der Kolonialisierung durch die Spanier (ca. 1520) existiert hat, würde ich als typisch mexikanisch bezeichnen. Die vorkoloniale Küche ist extrem gesund und nährreich. Diese Art von Gerichten werden weiterhin am Land angeboten, in den Städten sind sie leider etwas verloren gegangen – auch, weil in Mexiko alles, was amerikanisch oder Fast Food ist, viel Anklang findet.

Grund-Nahrungsmittel:

  • Mais
  • Pflanzen wie „flor de calabaza“ (Kürbisblüte), „nopal“ (Kaktus), verschiedene Pilzsorten, die ich in Europa nie gekannt habe („huitlacoche“, „setas“, …)
  • Saucen mit verschiedenen Chili-Arten. Die Gerichte werden nicht viel mit anderen Gewürzen bearbeitet, so wie man das bei uns kennt, sondern es werden Saucen zubereitet, die man auf die Gerichte gießt.
  • Koriander
  • Limetten, eine mexikanische Sucht
  • Insekten (leider), werden meistens frittiert wie Kartoffelchips auf der Straße oder in Restaurants verkauft. Kinder fahren total darauf ab, weil sie so knusprig sind.

Was isst man als veganer Mensch in Mexiko?

Zum Frühstück „tamales“ (süß oder sauer) oder „chilaquiles“, beide Gerichte kann man auch super vegan zubereiten, oder „sopes“.
Ein veganes Frühstück wäre zum Beispiel auch gebratener Kaktus mit Kichererbsen-Tofu. Kaktus wird gerne zum Frühstück serviert. Es ist etwas gewöhnungsbedürftig – ich würde sagen, wie Tofu.

Zum Mittagessen, das in Mexiko „comida“ heißt, wieder Tacos in unterschiedlichster Form mit verschiedenen Belagen, oder Reis mit Bohnen und Salat oder Kaktus.

Zum Abendessen vielleicht ein „caldo“ oder eine Suppe, oder wieder Tacos aller Art.

Bekannte traditionelle Gerichte, die zu Feiertagen gegessen werden, sind „Chiles en Nogada“, „Pan de Muerto“, „Pozole“ und „Ensalada de bacalar“ (nicht aus Fisch, sondern „setas“, Kichererbsen oder Soja).

Die meisten typischen und traditionellen Gerichte widerspiegeln die Farben der Flagge von Mexiko: grün (Koriander, grüne Chilisaucen), weiß (Zwiebel, weiße Saucen), und rot (Tomate, rote Chilisaucen).

Typische Getränke sind: „agua de jamaica“ (Hibiskusblüten-Saft, kalt), „horchata“ (Reis-Zimt-Saft, warm oder kalt), „tamarindo“ (Tamarinden-Saft, kalt), oder verschiedene „atoles“, die man zum „Dia de Candelaria“ mit Tamales serviert, oder zum Frühstück auf Straßenständen mit Tamales kauft.

Ich würde nicht empfehlen, an Straßenständen Essen oder selbstgepresste Fruchtsäfte zu kaufen. Es ist extrem billig, aber wegen der fehlenden hygienischen Zustände würde ich davon abraten. Man könnte beispielsweise in der Früh den Aufbau des Straßenstandes mit eigenen Augen verfolgen, um ein Bild davon zu bekommen, wovon ich spreche.

Chilaquiles aus Kaktusmehl mit grüner Chili-Sauce
Chilaquiles aus Kaktusmehl mit grüner Chili-Sauce

Chilaquiles - eines meiner Lieblingsgerichte:

200 g Totopos – Mais- oder Kaktuschips
Grüne oder rote Sauce
200 g Champignons, gebraten in der Pfanne mit etwas Öl
Mandel-Käse
Mandel-Sauce
Mit Keimen, Koriander, Avocado, roten Zwiebeln und der Sauce eurer Wahl dekorieren. Die Chips sollten beim Servieren von der Sauce „eingeweicht“ sein.