Vegan in Schweden | Vegane Gesellschaft Österreich

Vegan in Schweden

16.08.2018

Reisebericht einer VEGAN.AT-Redakteurin

Im Sommer 2018 durfte ich zum fünften Mal Urlaub in Schweden machen. Gemeinsam mit meinem Freund, der aus Südschweden kommt, hatte ich auch dieses Mal wieder die Gelegenheit, traumhafte Orte – und einiges an veganem Essen – zu entdecken. Da es als Veganer_in – oder auch Nicht-Veganer_in - oft interessant ist, was ein Land essenstechnisch so zu bieten hat, haben wir in diesem Beitrag ein paar Impressionen und Tipps aus unserer diesjährigen Reise gesammelt.

Fortschrittlich in vielerlei Hinsicht

Die Liste an Gründen, sich Schweden als Reiseziel auszusuchen, wäre eigentlich schon lang genug. Wenn man mit dem Flugzeug von Wien nach Göteborg fliegt und es langsam Richtung Landung geht, zeigt der Blick von oben endlose Wälder, unzählige Seen und mittendrin irgendwo ein rot-weißes Holzhaus – ein Bild, das man in Schweden ganz gerne spaßeshalber als den Traum aller deutschen und österreichischen Tourist_innen bezeichnet - zu Recht.

Noch dazu wird Schweden bekanntlich nachgesagt, in vielen Bereichen fortschrittlicher als andere Länder zu sein. Dass sich dieser Fortschritt allerdings nicht nur auf Bereiche wie Erziehung, Kinderbetreuung und Arbeitspolitik bezieht, wird spätestens dann klar, wenn man sich auf die Suche nach veganen Lebensmitteln und Restaurants macht. Dabei ist „Suche“ in Schweden jedoch schon beinahe zu viel gesagt. Viel mehr stolpert man an beinahe jeder Ecke über Lebensmittel, die als vegetarisch, vegan, ovo-lakto-vegetarisch oder glutenfrei gelabelt sind.

Vegan-freundliche Supermärkte

Besonders die ungewöhnlich große Auswahl an veganen Produkten im Supermarkt ist eine Erwähnung wert. Die beiden größten Supermärkte sind in Schweden wohl „ICA“ und „Konsum“ – in beiden wird man als Veganer_in problemlos fündig. Besonders die Kühlabteilungen sind gut ausgestattet - von Fleischersatzprodukten über vegane Milchprodukte bis hin zur veganen Fertigpizza mangelt es an nichts. Wer die Gelegenheit hat, sollte sich unbedingt eine Packung „Pulled Oumph“ aus der Tiefkühltruhe mitnehmen. Der nachhaltig entwickelte, aus Sojabohnen bestehende Fleischersatz ist bisher nur in Skandinavien erhältlich und begeistert sogar Nicht-Veganer_innen ausnahmslos.

Außerdem ein Geheimtipp: die „Kanelbullar“ (dt. Zimtschnecken), die in Schweden gerne zur Fika - der traditionellen täglichen Kaffeepause - gegessen werden, sind in jedem Supermarkt erhältlich und oft ‚aus Versehen‘ vegan - einfach einen Blick auf die Zutatenliste werfen und unbedingt probieren.

Neben den Supermärkten gibt es noch ein Must-Try, das in ganz Schweden zu finden ist. Egal wie groß oder klein der Ort – die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwo in unmittelbarer Nähe eine Filiale der Fast-Food-Kette „Max“ gelegen ist, ist ziemlich hoch. Die Burgerkette ist in Skandinavien nicht nur profitabler als McDonald‘s und Burger King, sondern fokussiert sich außerdem stärker auf Nachhaltigkeit und „gesünderes“ Fastfood. Hier stehen inzwischen sechs vegetarische Burger unter dem Namen „Green Family“ auf dem Menü, von denen einer auch vegan erhältlich ist. Wer in Schweden unterwegs ist, sollte deshalb unbedingt bei Max anhalten und den veganen BBQ-Burger - der übrigens mit Pulled Oumph belegt ist - probieren.

Zwei Tage Stockholm

Während es auch in kleineren schwedischen Städten nicht an veganen Optionen mangelt, kommt natürlich kaum ein Ort in Schweden an die Auswahl in der Hauptstadt heran. Auch hier gilt: selbst ohne die riesige Auswahl an veganem Essen wäre Stockholm eindeutig einen Besuch wert. Die besondere Lage der Stadt direkt am Wasser, die wunderschöne Innenstadt und die gesamte Atmosphäre haben dafür gesorgt, dass Stockholm inzwischen zu meinen absoluten Lieblingsstädten zählt.

Dass die Auswahl für Veganer_innen hier quasi grenzenlos ist, ist natürlich ein Riesenbonus. Da wir dieses Mal lediglich zwei Tage in Stockholm verbracht haben, konnten wir uns leider noch nicht durch alles durchprobieren. Einige Favoriten und Tipps habe ich jedoch trotzdem bereits gesammelt.

Hermans
Fjällgatan 23B
116 28 Stockholm

MO-SO: 11:00 – 22:00

Bei meinem ersten Stockholmbesuch im Sommer 2016 habe ich dieses Restaurant zu meinen absoluten Lieblingen auserkoren. Zunächst einmal die Lage - sehr zentral in der Nähe der U-Bahn-Station Slussen gelegen, sitzt man bei Hermans direkt mit Blick auf das Wasser und über Stockholm. Als wenn der einzigarte Blick nicht schon reichen würde, das Essen bei Hermans ist zu hundert Prozent vegetarisch und zu einem großen Teil ganz vegan. Das Konzept lautet Buffet – also all you can eat, nur die Getränke sind nicht inkludiert. Von Salaten über Aufläufe bis hin zu veganen Desserts gibt es alles, manchmal wird abends sogar Barbecue angeboten. Achtung: nicht gleich den Teller zu voll machen, sonst schafft man es kaum, alles durchzuprobieren – ich spreche aus Erfahrung.

Für das All-you-can-eat-Mittagsbuffet zahlt man bei Hermans mittags ungefähr 14 Euro und abends 20 Euro. Für das Angebot und die Atmosphäre im Restaurant waren wir mit diesem Preis bisher jedes Mal vollkommen zufrieden.

Mahalo Sthlm
Hornsgatan 61
113 51 Stockholm

MO-FR: 9:00 – 19:00
SA&SO: 10:00 – 18:00

Mahalo hat in Stockholm zwei Locations. Wir haben bisher lediglich den Standort im Viertel Södermalm besucht und waren restlos begeistert. Södermalm selbst ist schon einen Besuch wert. Wenn man aus Richtung der U-Bahn-Station Slussen die große Straße Hornsgatan entlanggeht, reihen sich nette Cafés und hübsche Läden aneinander. Irgendwann landet man dann bei Mahalo und ist beinahe überfordert mit der großen Auswahl an Smoothie-Bowls, Buddha-Bowls, Sandwiches, Kuchen, Smoothies und vielem mehr. Da wir uns zwischen all dem nicht entscheiden konnte, bestellten wir so viel verschiedenes, wie bei zwei Personen eben möglich: die Mahalo Smoothie-Bowl, den Glasnudelsalat Knivsöder und eine Portion Sweet Potato Fries. Alles schmeckte super und besonders der Salat war so gut, dass wir uns zwei Tage später wieder bei Mahalo fanden und genau das gleiche nochmal bestellten. Wer Lust auf Frühstück hat, findet hier neben Smoothie-Bowls außerdem auch diverses anderes, wie Chiapudding und Overnight-Oats.

Preislich liegen die Smoothie Bowls zwischen 8 und 10 Euro, während man für eine der Lunch-Bowls zwischen 11 und 15 Euro zahlt. Overnight-Oats, Chiapudding, sowie Säfte und Smoothies kosten ca. 6 Euro.

Hawaii Poké
Mäster Samuelsgatan 9
111 44 Stockholm

MO-FR: 11:00 – 19:30
SA & SO: 12:00 – 16:00

Wer in der Stadt in Stockholm unterwegs ist und – so wie wir – vergessen hat, ganz vegane Restaurants in der Gegend zu recherchieren, der findet auch in vielen nicht-veganen Restaurants sehr gute vegane Optionen. Ein Stopp, den wir im Zentrum eingelegt haben, war bei Hawaii Poké: die normalerweise mit rohem Fisch getoppten Poké Bowls, die am ehesten als Sushi-Salat beschrieben werden könnten, gibt es auch in veganer Variante: unsere Bowl wurde stattdessen mit Tofu, Avocado, Edamame und einer veganen Mangosauce getoppt. Obwohl Hawaii Poké kein veganes Restaurant ist, lohnt sich ein Besuch für die vegane Poké Bowl. Alle Bowls, inklusive der veganen, kosten hier zwischen 10 und 12 Euro.

Geronimo’s FGT
Stora Nygatan 5
111 27 Stockholm

DIDO: 17:00 – 01:00
FR & SA: 17:00 – 02:00

Einen weiteren spontanen Glücksgriff machten wir in Gamla Stan, der Stockholmer Altstadt, wo wir am späteren Abend – leider wieder ohne vorherige Recherche – auf der Suche nach einem veganen Abendessen waren. Lange Öffnungszeiten sind in der Altstadt für Restaurants nicht selbstverständlich und somit war unsere Rettung schließlich Geronimo’s FGT. Hier werden mexikanische Küche und eine separate vegane Speisekarte angeboten, wodurch für jeden etwas dabei ist. Man sitzt gemütlich, entweder draußen oder im etwas abgedunkelten Innenbereich, und kann sich zwischen diversen mexikanischen Gerichten entscheiden. Zu empfehlen sind definitiv die Tacos, die in verschiedensten Variationen angeboten werden und geschmacklich wirklich gut sind. Preislich ist hier alles dabei – die Tacos fangen bei ca. 12 Euro an, die Preise gehen jedoch bis 25 Euro je nach Gericht. Nicht die günstigste Adresse - wer jedoch abends in der Altstadt unterwegs ist und etwas Veganes sucht wird hier definitiv fündig.

Mellqvist Kaffebar
Rörstrandsgatan 4
113 40 Stockholm

MO-DO: 06:00 – 21:00
FR-So: 06:00 – 19:00

Wie bei so viele Restaurants und Cafés bei unserem diesjährigen Stockholm-Besuch, war auch die „Mellqvist Kaffebar“ eine spontane Entdeckung. Auf der Suche nach einem netten Café mit veganen Optionen im Stadtteil Vasastan stolperten wir quasi über das scheinbar sehr beliebte und gut besuchte Café. Das Ambiente ist sehr hip, aber gemütlich. Es werden verschiedene pflanzliche Milchsorten angeboten und auf der Karte findet man sowohl nicht-vegane, wie auch vegane Optionen für Sandwiches, Snacks und Süßes und sogar roh-vegane Küchlein. Wir hätten Stunden damit verbringen können, im Außenbereich in der Sonne zu sitzen, den Kaffee zu genießen und einfach nur das Treiben zu beobachten. Wer in der Nähe ist, ob vegan oder nicht vegan, sollte unbedingt hier eine Kaffeepause – oder auch ‚Fika‘ – einlegen.

Fazit

Wer die Gelegenheit hat Schweden zu besuchen, kann sich darauf vorbereiten, so schnell nicht mehr von dort weg zu wollen – oder zumindest immer wieder zu kommen. Landschaft, Kultur und Atmosphäre sind einzigartig – und die Fortschrittlichkeit des Landes, die sich mitunter in dem Umgang mit veganer Ernährung zeigt, ist definitiv ein Reisevorteil, der einem vieles erleichtert.

Verfasst von VEGAN.AT-Redakteurin Sophie Ehmsen.