Fleischlos glücklich

Die Nachfrage nach Soja- und Tofuprodukten steigt stark an

Wien - Der oberösterreichische Nebenerwerbsbauer Reinhart Meyr baut schon
seit einigen Jahren Soja an. "Das stellt eine interessante Alternative zu
Getreide und Mais dar", sagt er. "Soja hat bei uns einen fixen Platz in
der Fruchtfolge."

Auch hinsichtlich der Nachfrage kann er sich nicht
beklagen. Meyr beliefert die zur Südburgenland Milch gehörende Mona
Naturprodukte GmbH. Diese hat sich vor ein paar Jahren der Produktion von
Sojaprodukten verschrieben und beliefert unter der Marke Joya den Handel
etwa mit Soja-Drinks und Shakes. In der Molkerei Oberwart werden jährlich
rund 700.000 Liter Drinks abgefüllt.

60.000 Tonnen geerntet

Gemessen am Umsatz, wächst der Sojamarkt mitsamt den Folgeprodukten wie
Tofu in Österreich jährlich um rund 25 Prozent. Rund 60.000 Tonnen Soja
werden mittlerweile in Österreich geerntet. Immerhin zwei Prozent der
heimischen Äcker werden mit Sojabohnen bepflanzt.

Die Gründe für den Schub sind vielfältig und haben mit Einstellungen
ebenso zu tun wie mit Gesundheitsüberlegungen. Besonders Vegetarier nehmen
die an Eiweiß reiche Bohne (oder Produkte daraus) gerne in ihren
Speiseplan auf. Rund 240.000 Menschen ernähren sich in Österreich
Schätzungen zufolge fleischlos. Nachfrage kommt auch von Personen, die auf
Cholesterin- oder Laktosefreiheit bei ihrer Ernährung achten müssen.
Außerdem ist Tofu eine schlanke Alternative bei übermäßigem Fleischkonsum.

"Kurze Wege"

Zu diesen Argumenten gestellt sich seit der Diskussion um Umwelt- und
Klimaschutz ein weiteres: Soja und Tofu sind politisch korrekt:
"Pflanzliche Produkte sind um den Faktor zehn weniger klimaschädlich als
Fleisch und um den Faktor fünf weniger als Milchprodukte", erläutert dazu
Matthias Krön, Chef der Mona-Gruppe.

In anderen Worten: Während für die Herstellung von einem Kilo Rindfleisch
rund zehn Kilo Getreide benötigt werden, lassen sich aus einem Kilo Soja
zwei Kilo Tofu oder sieben Liter Sojamilch herstellen. Außerdem, betont
Bauer Meyr: "Heimisches Soja hat nur kurze Transportwege."

Ans Klima angepasst

Das Gros an Soja, das in Österreich zumeist als Tierfutter zum Einsatz
kommt, ist aus Übersee importiert und gentechnisch verändert. Die
Hersteller von Sojaprodukten für den menschlichen Verzehr verwenden
hingegen durch die Bank österreichisches, gentechnikfreies Soja.

In diesem Geschäft hat sich etwa die Saatgut Linz etabliert, die den
Bauern Sojabohnenkeimlinge zur Verfügung stellt, aus denen der Bauer sein
eigenes Saatgut züchten kann. Dazu wurde eine Sojabohne gezüchtet, für die
das österreichische Klima ideal ist. Angebaut wird sie primär im
Burgenland und in Oberösterreich. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD)

Quelle: der Standard, Print-Ausgabe, 16.4.2007