URTEIL
Veganer-Baby verhungert - lebenslange Haft
Crown Shakur war gerade sechs Wochen alt, da starb er an Unterernährung
- seine Eltern hatten ihn vegan ernährt. Jetzt müssen sie ins
Gefängnis. Der Körper des Babys war so ausgemergelt, dass die
Ärzte durch die Haut die Knochen zählen konnten.
Washington - Wegen Mordes, vorsätzlicher Tötung, Totschlags
und Grausamkeit gegen ein Kind wurden Jade Sanders, 27, und ihr Lebensgefährte
Lamont Thomas, 31, jetzt in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia verurteilt.
Das berichtet die britische "Times".
Strittig war im Prozess vor allem, ob die Eltern den kleinen Crown Shakur
vorsätzlich verhungern ließen, wie es ihnen die Staatsanwaltschaft
vorwarf, oder ob sie nicht einschätzen konnten, dass die vegane Ernährung
nicht ausreichend war, wie die Verteidigung plädierte.
Die überzeugten Veganer verzichteten bei der Ernährung des
Kindes auf tierische Produkte, fütterten es mit Sojamilch und Apfelsaft.
Die Mutter sagt, sie habe dem Baby auch die Brust gegeben.
"An einer veganen Ernährungsweise ist nichts auszusetzen",
sagte Staatsanwalt Chuck Boring vor Gericht. "Aber diese Eltern lügen.
Das Baby bekam einfach nicht genug zu essen. Das sind keine Veganer, das
sind Kindsmörder. Stellen Sie sich nur mal vor, wie lang sie sich
sein Geschrei angehört haben, ohne etwas zu unternehmen."
Als besonders belastend sah es das Gericht an, dass Sanders und Thomas
ihren Sohn nie zum Arzt gebracht hatten. Das Kind kam in der Wohnung der
beiden, genauer in der Badewanne, zur Welt. Als sie Crown Shakur sechs
Wochen später das erste Mal von einem Arzt untersuchen lassen wollten,
war es zu spät.
Verteidiger Brandon Lewis führte an, das Paar sei sich nicht bewusst
gewesen, dass Apfelsaft eine abführende Wirkung und die Aufnahme
der Nährstoffe aus der Sojamilch verhindert habe. Einen Arzt oder
ein Krankenhaus hätten die beiden aus Sorge nie aufgesucht - sie
wollten ihr Baby nicht der Viren-Flut aussetzen.
pad/AP
Quelle: Spiegel, 10. Mai 2007
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