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Eine
Zusammenfassung ernährungswissenschaftlicher Literatur
Alle Säugetiere
und damit auch der Mensch benötigen dieses Vitamin. Allerdings sind
auch all diese Tiere nicht in der Lage es selbst zu synthetisieren
und somit auf eine Versorgung von außen angewiesen.
Wo
kommt Vitamin B12 eigentlich
her?
Die einzigen
Lebewesen die in der Lage sind Cobalamine herzustellen sind einige
Mikroorganismen (Bakterien und Pilze, allerdings gehört die
herkömmliche Bäckerhefe leider nicht dazu) und einige Blaualgen. Die
höheren Pflanzen benötigen kein Cobalamin und können es auch nicht
synthetisieren. Im wesentlichen lassen sich
zwei Arten von Vitamin B12 Quellen unterscheiden: Da wäre erstens
die Möglichkeit, dass die Darmflora das Vitamin B12 dem Organismus
zur Verfügung stellt und zweitens, dass es mit der Nahrung aufgenommen
wird: Das kann einfach durch “verschmutzte” Nahrungsmittel geschehen,
wie ungewaschene Früchte, Blätter oder auch trübes Wasser, auf beziehungsweise
in denen sich B12-bildende Mikroorganismen befinden, oder aber, wie
es bei fleischfressenden Arten üblich ist, durch die beim Verzehr
eines Beutetiers auch gleichzeitig mitverspeiste Vitamin B12 Reserve
des jeweiligen Beutetieres.
Wie
sieht die Vitamin B12-Versorgung nun beim Menschen aus?
Beim gesunden
Menschen kommt das Cobalamin hauptsächlich über ein aktive und gezielte
Aufnahme in den Körper, und zwar folgendermaßen: Das Vitamin, der
sogenannte Extrinsic-Faktor, kommt über die Nahrung in den Verdauungstrakt.
Im Dünndarm schließt sich dieser dann mit einem anderen Molekül, nämlich
dem von der Magenschleimhaut gebildeten Intrinsic-Faktor, zusammen.
Dieser Molekülkomplex wird dann von speziellen Rezeptoren die sich
im letzten Dünndarm-Abschnitt, dem Ileum, befinden aktiv in den Körper
aufgenommen. Da der Dünndarm mehr oder weniger frei von Bakterien
ist, und der Dickdarm, wo wir unsere Cobalamin produzierende Darmflora
kultivieren erst auf den Dünndarm folgt, können wir das in unserem
Darm produzierte Vitamin B12 wahrscheinlich nicht nutzen. Wir sind
also mit größter Wahrscheinlichkeit auf die Zufuhr über die Nahrung
angewiesen!
Vitamin
B12 Quellen
In größeren Mengen sind Cobalamine in tierlichen
Nahrungsmitteln zu finden, also: Leber (auch beim Menschen sind
90% seiner Vitamin B12-Reserven in der Leber gespeichert!), Niere,
Herz aber auch in Fisch, Milch und Milchprodukten. Da wie gesagt
höhere Pflanzen kein Vitamin B12 produzieren und auch keines benötigen,
ist es in diesen nur in Spuren zu finden. Einige
pflanzliche Lebensmittel beinhalten Vitamin B12, sie sind jedoch
keine zuverlässigen B12 Quellen für VeganerInnen.
Es
hat sich nämlich herausgestellt, dass es neben den physiologisch
aktiven Cobalaminen auch inaktive gibt. Nahrungsmittel die im Verdacht
stehen (neben geringeren Mengen aktiven B12´s) auch viel B12 Analoga
zu enthalten, sind die meisten Algen (darunter Spirulina) und makrobiotisch-fermentierten
Lebensmittel, wie Miso, Tempeh, Shoyu und Lopino. Solange nichts
genaueres über diese Lebensmittel bekannt ist, kommen sie also als
verlässliche Vitamin B12-Quellen nicht mehr in Betracht, sondern
könnten im Gegenteil, was die Cobalamin Versorgung betrifft sogar
kontraproduktiv wirken. Über herkömmlich fermentierte Nahrungsmittel
ist zu sagen, dass der tatsächliche Vitamin B12 Gehalt enormen Schwankungen
unterworfen ist, man also nie genau sagen kann, wie viel und ob
überhaupt Cobalamine in z.B. einer Portion Sauerkraut enthalten
sind.
Im Gegensatz dazu ist bei Nahrungsmitteln die mit
Vitamin B12 versetzt wurden sowohl sichergestellt, dass es sich
um aktives und daher brauchbares Vitamin B12 handelt, als auch,
dass eine konstante Menge an Cobalaminen enthalten ist. Verlässliche
Cobalminquellen für Veganer sind daher:
- ·
mit Vitamin
B12 angereicherte Nahrungsmittel wie viele Müslis und Müsliriegel,
Flakes, Fruchtsäfte, manche Hefepasten, einige Sojamilch-Marken
und Fleischersatzprodukte usw.
- ·
Cobalamin-Präparate
Wie viel Vitamin B12 braucht der Mensch nun eigentlich?
Die Deutsche
Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für den gesunden Erwachsenen
eine tägliche Zufuhr von 3,0µg. Aus vielen Untersuchungen geht allerdings
hervor, dass eine Menge von 0,5 – 1,0µg pro Tag auch noch durchaus
ausreichen dürfte um den Bedarf zu decken. Sogar die tägliche Gabe
von nur 0,1µg pro Tag kann bei auftretenden Mangelerscheinungen Verbesserungen
bringen. Vitamin B12 lässt sich als einziges wasserlösliches Vitamin
in großen Mengen im Körper (vor allem in der Leber) speichern. Bei
vollem Cobalamin-Depot ist ein gesunder Mensch in der Lage
etwa 5-10 Jahre ohne Vitamin B12 aufzunehmen normal weiter zu leben.
Generell
ist also der menschliche Körper auf Engpässe in der Cobalaminversorgung
bestens vorbereitet und es ist daher an und für sich nicht notwendig
täglich Vitamin B12 aufzunehmen. Es gilt allerdings zu bedenken, dass
aufgrund der im Darm nur in begrenzter Anzahl vorhandenen Rezeptorstellen
aus der in einer Mahlzeit vorhandenen Cobalaminmenge nur etwa maximal
1,5µg aufgenommen werden können. Aus diesem Grund ist es günstiger
häufig und kleine Cobalaminmengen aufzunehmen statt selten aber dafür
große.
Kommt
es bei veganer Ernährung zu einem Vitamin B12 Mangel?
Natürlich
ist die vegane Ernährung eine cobalaminarme Ernährungsform. VeganerInnen
gelten daher als Risikogruppe für die Ausbildung eines Vitamin B12
Mangels, und es ist auch tatsächlich so, dass der Vitamin B12 Blutspiegel
eines Veganers im Normalfall weit unter dem Vitamin B12 Blutspiegel
eines durchschnittlichen Mischköstlers liegt. Trotzdem ließ sich kein
Unterschied in der Häufigkeit von B12 Mangelerkrankungen zwischen
VeganerInnen und der übrigen Bevölkerung feststellen. Also beziehen
VeganerInnen scheinbar doch wenn auch nur in geringem Ausmaß von irgendwoher
Cobalamine. Woher? Nun viele gehen auf Nummer sicher und nehmen gezielt
mit Cobalamin versetzte Nahrungsmittel zu sich oder decken ihren Bedarf
durch Vitaminpräparate, andere aber kümmern sich gar nicht darum.
Es sind z.B. einige moslemische Sekten bekannt die sich schon seit
Jahrhunderten traditionell vegan
ernähren. Trotzdem treten dort nicht gehäuft Fälle von B12 Mangelerkrankungen
auf. Es wird gemutmaßt, dass die “unhygienischen” Lebensbedingungen,
insbesondere auch das mit Bakterien verunreinigte Wasser, für die
B12 Versorgung verantwortlich sind. Mit anderen Worten, wenn man eine
“gesunde” Portion Schmutz zu sich nimmt, z.B. ungewaschenes Obst und
Gemüse, kann man auf diese Weise seinen Cobalaminbedarf decken. (Bei
nicht biologisch kultivierten Lebensmitteln ist allerdings von dieser
Art der B12 Versorgung sicherlich abzuraten! Und vielleicht auch nicht
nur dann!)
Betrachten wir unsere nahen, veganen Verwandten, nämlich
die Gorillas, sehen wir diese Beobachtungen im wesentlichen bestätigt.
Es lässt sich also sagen, dass es prinzipiell ohne weiteres möglich
ist vegan zu leben und mit
Cobalaminen ausreichend versorgt zu sein. Sei es mit Hilfe natürlicher
oder künstlicher Ressourcen.
Schlussfolgerung
Die
vegane Ernährung ist eine cobalaminarme Kost. Prinzipiell ist es
daher wünschenswert bewusst eine regelmäßige und sichere Cobalamin
Quelle in den eigenen Speiseplan einzubauen
Um den besten gensundheitlichen Nutzen einer veganen Ernährung
zu bekommen sollten VeganerInnen laut Empfehlung der Vegan Sociey
entweder:
- 2 bis 3 man täglich
angereicherte Lebensmittel essen die insgesamt 2 Mikrogramm B12
liefern.
- oder einmal täglich
ein B12 Supplement mit mindestens 10 Microgramm einnehmen.
- oder einmal wöchentlich
ein Supplement mit 2000 Mikrogramm B12 einnehmen.
Langjährige
Veganer weisen meist niedrigere Vitamin B12 Blutspiegel auf als
der durchschnittliche Mischköstler. Vitamin B12 Mangelerkrankungen
werden allerdings bei VeganerInnen nicht häufiger als bei
der übrigen Bevölkerung beobachtet. Trotzdem ist es günstig bei
den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen auch den Vitamin B12 Serumstatus
zu erheben, um eine etwaige Mangelversorgung früh zu erkennen.
Zusätzlich sollte ein Homocystein-Test gemacht werden, denn
der B12 Serumspiegel allein ist bei manchen Testverfahren nicht
zuverlässig genug um einen eventuellen Mangel früh genug
zu erkennen.
- Quellen:
- “Vegetarische
Ernährung”; Leitzmann/Hahn; 1997
- “Ernährung
des Menschen”; Elmadfa/Leitzmann; 1990
- “Vitamin-Lexikon”; Karl-Heinz Bässler, Ines Golly,
Dieter Loew, Klaus Pietrzk; 1997
- “Vegetarische
Ernährung – gesund und bewusst essen”; Leitzmann/Hahn; 1998
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