TIERSCHUTZ TRIFFT UMWELTSCHUTZ
"Schweinehochhäuser" - eigentlich würden wir die ablehnen, aber ist das
berechtigt?
Obwohl es weltweit kaum Anlagen gibt die man als "Schweinehochhaus"
(offizieller Begriff: Agroparks) bezeichnen könnte, sind sie sehr
umstritten und stößen meist auf Ablehnung. Wenn man das Konzept aber
genauer betrachtet stellt man fest, dass auch wenn die Gedanke uns nicht
gefällt, es trotzdem wenig gute Gründe gibt Agroparks grundsätzlich
abzulehnen. Durch die Kombination von Tierzucht, Pflanzenanbau und
Energiegewinnung werden Stoffkreisläufe auf relativ niedrige Ebene
geschlossen. In Gegensatz zu einem rein spezialisierten Betrieb gehen nur
wenig Energie oder Rohstoffe verloren, und so wird eine sehr hohe Effizienz
vom gesamten System erreicht. Hiermit sind Agroparks vergleichbar mit der
Landwirtschaft von 1-2 Generationen zurück, wo die meisten Höfe noch nicht
spezialisiert waren, und nichts weggeschmissen wurde, sondern alles was
heute oft als Abfall bezeichnet wird verwertet wurde. Unterschied ist
natürlich der Maßstab.
Auch aus Tierschutzgründen muss man Agroparks nicht zwingend ablehnen. Aus
Sicht der Tiere ist es relativ unbedeutend ob sie zu 10., 100. oder 10.000.
auf einem Betrieb gehalten werden, und wahrscheinlich ist bei einem
Agropark die Wahrscheinlichkeit dass die Richtlinien für Tierhaltung
eingehalten werden sogar größer als auf "normalen" Betriebe. Gerade große
Unternehmen wie Agroparks sind wahrscheinlich eher geneigt
Tierschutzgesetze einfach als Rahmenbedingung zu sehen, die es zu erfüllen
gibt, als als Bedrohung gegen die man sich wehrt. Es spricht auch nichts
dagegen, Agroparks als biologischer Betrieb zu führen (sowie auch die Höfe
vor 100 Jahren biologisch waren, obwohl es damals diesen Begriff wohl noch
nicht gab). Einziges Problem ist die hohe Tierkonzentration, wodurch die
Gefahr für die Verbreitung von Krankheiten größer ist.
Agroparks müssen übrigens nicht automatisch verstanden werden als
Hochhäuser, denn das macht nur Sinn wenn die Grundstückspreise hoch sind
und es aus Kostengründen billiger ist in die Höhe statt in die Fläche zu
gehen. Wenn aber Grund billig ist wird es sich einfach um einen großen
Betrieb handeln, wo z.B. Tiere durchaus auch draussen laufen können.
Wir werden wahrscheinlich damit rechnen müssen, dass in den nächsten
Jahrzehnten Agroparks eine Rolle in der Produktion von Lebensmittel spielen
werden.
Ich persönlich lehne solche Betriebe übrigens ab, auch wenn es nüchtern
betrachtet kaum gute Gründe hierfür gibt. Aber sie passen einfach nicht in
mein Weltbild.
DI Jurrien Westerhof, Greenpeace
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