(Text von der Vegan Society über bedrohte Gewässer, Übersetzung VGÖ)


BEDROHTE GEWÄSSER


ÜBERFISCHUNG

Die größte Bedrohung der Meeresökologie ist die Überfischung. Die heutigen Fangmengen übersteigen regelmäßig die Selbsterhaltungsniveaus, ein Verlauf welcher verheerende Folgen für die Gesundheit unserer Ozeane haben dürfte. 

In ihrem „2002 Bericht über den Stand der weltweiten Fischereien und Wasserkulturen“ stellt die UN-Nahrungsmittel und Landwirtschaftsorganisation (FAO) fest: „Ca. 47% der Grundbestände bzw. Speziesgruppen wurden vollkommen ausgebeutet und erbringen dadurch Fangmengen, welche bereits das Maximum ihrer Selbsterhaltungsgrenzen erreicht haben bzw. stehen kurz davor. . . Weitere 18% der Bestände bzw. Speziesgruppen wurden als überausgebeutet gemeldet. . . 10% der Bestände wurden merklich ausgeschöpft oder sind dabei sich von diesem Ausbeutungszustand zu erholen.“ (1). Laut diesen Zahlen befinden sich 75% aller wichtigen/größeren Fischarten entweder gerade noch auf ihrem Selbsterhaltungsniveau oder bereits darunter. 

Ausgeschöpfte Fischpopulation bedeuten kleiner Fangmengen. Nichtsdestotrotz haben die Fischereiflotten nicht darauf reagiert, indem sie den einzelnen Arten die Möglichkeit der Erholung gewährten; stattdessen erhöhen sie weiterhin die Größe ihrer Schiffe und deren Ladekapazität. Im August 2000 wurde das bis dahin weltgrößte Fischereischiff zu Wasser gelassen. Die ATLANTIC DAWN misst 473 Mal 79 Fuß, und lädt Beutelnetze mit einem Umfang von 3600 Fuß und einer Tiefe von 550 Fuß. Ihre Grundschleppnetze erreichen eine Weite von 1.200 Fuß und eine Höhe von 96 Fuß; Ihre Ladekapazität beträgt 7000 Tonnen gefrorener Fisch. 

Die Probleme welche von Fischereiflotten verursacht werden, begrenzen sich nicht auf die Fischarten, die sie verfolgen. Das Meeresumfeld wird wenig verstanden und die Folgen, welche das tägliche Entfernen tausender Fische auf das Meeresökosystem hat, sind schwer zu bestimmen. Trotzdem sind einige Folgen groß angelegten Handelsfischens evident. Die Wal- und Delphinerhaltungsgesellschaft stellt fest: „Die Einführung immer größerer zerstörerischer Fischmethoden und das Schwindel erregende Wachstum vieler moderner Handelsfischereien – insbesondere seit den 1950 Jahren – sind eine Katastrophe für Wale und Delphine auf der ganzen Welt.“ (2) 

Sämtliche Netzsysteme verursachen Probleme für sämtliche Fische und Meeressäugetiere, aber für das Meeresumfeld am schädlichsten sind Treibnetze, Beutelnetze und Grundschleppnetze. 

Die bemerkenswert zerstörerischste Art zu fischen ist mittels Treibnetzen. Diese können bis zu 50 Km lang sein und hängen im Wasser wie ‚Riesenvorhänge des Todes' indem sie alles fangen, was sich in ihrem Weg befindet: Meeresschildkröten, Seevögel, Haie, Wale, Delphine, Seehunde etc. – Treibnetze unterscheiden nicht. In der Europäischen Union sind sie nunmehr illegal, obwohl Schweden, Dänemark und Finnland ihren Einfluss insofern geltend machten, dass sie im Baltischen Meer weiterhin erlaubt sind. 

Beutelnetze sind auch dafür bekannt, dass sie Meeressäuger verletzen bzw. töten, insbesondere Delphine. Mehrere Millionen Delphine wurden von Thunfisch-Fischer getötet, die deren Anwesenheit nutzen, um Thunfischschwärme aufzufinden, dann aber die Delphine unter Wasser schwemmen, wo sie in den Netzen ertrinken. Neuerlicher Druck seitens der Konsumenten bestärke den vorsichtigeren Umgang mit diesen Netzen, aber Todesfälle kommen noch immer reichlich vor. 

Grundschleppnetze werden durch schwere metallene Grundschleppbretter offen gehalten bzw. werden durch schwere Metallbügel in die Tiefe gedrückt. Oft verfügen sie über „tickler“ Ketten, welche vom Ende des Netzes herunterhängen, über den Meeresboden schleifen und somit noch mehr Meereskreaturen in die Falle schieben. Grundschleppnetze sind nicht nur verantwortliche für den tausendfachen Tod nicht angezielter Meereslebewesen wie Fische, Säuger und Vögel, sondern auch für die weitreichende Zerstörung des Meeresbodens. In Großbritannien wurde der an Kaltwasser Korallenriffs, welche über acht Millionen Jahren überlebt hatten, angerichtete Schaden auf die Grundschleppnetzfischerei zurückgeführt. (3) 

Die industrielle Plünderung unserer Ozeane für Nahrungsmittel verursacht weiterhin ernste Umweltprobleme und eine Reihe von Fischspezies und Säugern stehen vor der Ausrottung. Nur die Zeit wird zeigen, in welchem Ausmaß dieser Umsturz auf das empfindliche Gleichgewicht des Meeresökosystems gewirkt hat. 

AQUAKULTUR 

Da die Wildfischbestände aufgrund der Überfischung zusammenbrechen, wurde der Aquakultur vermehrt Aufmerksamkeit gewidmet, um der gegebenen Fehlmenge an Fischen entgegen zu wirken. Dies führte dazu, dass heute Aquakultur das am meisten wachsende Tierzuchtgebiet der Welt wurde. Dies führte zu riesigen Problemen. 

Fern davon als Retter wilder Fischpopulationen aufzutreten, wurde z.B. die Lachszucht für den weiteren Schwund wilder Lachspopulationen verantwortliche gemacht. Jährlich entschwinden tausende Kulturlachse ihrer Meereskäfige. Sie schwimmen mit den wilden Lachsen um die Wette und übermitteln ihnen die Seuchen und Parasiten, die durch die überfüllten Meereskäfige gefördert wurden. In vielen Lachszuchtgebieten brachen die Populationen wilder Lachse zusammen. Fänge entflohener Kulturlachse überwiegen zu Fängen von Wildlachs in einem Verhältnis von sieben zu eins. (4) 

Selbst wenn diese Probleme nicht vorhanden wären, kann Aquakultur deshalb nicht als selbsterhaltende Form der Nahrungsproduktion angesehen werden. Zuchtfische werden gefüttert mit Mehl aus Wildfischen. Mehr als drei Tonnen gefangener Wildfische sind erforderlich, um eine Tonne Zuchtlachs zu erhalten. Im Falle der neuen Meereskulturen von Heilbutt und Kabeljau/Dorsch erhöht sich die Rate Wildfisch zwecks Ernährung von Zuchtfisch auf ca. fünf zu eins. Weit entfernt davon zu helfen, dass Wildfischbestände weiterhin zusammenbrechen, verschlimmert Aquakultur tatsächlich die Probleme, verursacht durch Überfischung. (5) 

Dieses ist nicht das einzige Problem, welches durch intensive Fischzucht verursacht wird. In seiner Einschätzung bezüglich der Bestände an Wildlachs, Seeforelle Seuchen und Wasserverseuchung meint der schottische Beauftragte:

„Seuchen und Wasserverschmutzung im Besonderen können teilweise auf Fischzuchtpraktiken zurückgeführt werden. Stickstoff und Phosphor aus Fischnahrung, Kot und Urin können die Eutrophierung und Algenblüten verursachen. Die hohe Zahl von Meeresläusen in Fischfarmen wird mit Chemikalien behandelt, die anderes Wasserleben vergiften. Darüber hinaus können Zuchtfische aus ihren Käfigen entkommen, und in der Wildnis mit lokalen Beständen konkurrieren und sich vermehren.“ 

Indem weiterhin Fisch gegessen wird, egal ob dieser aus Zuchten oder Wildfängen stammt, trägt die Menschheit zur Zerstörung der Meeresumwelt bei. Vermutlich wird es zu spät für manche Spezies sein, aber nur indem wird auf eine Diät ohne Tierprodukte umsteigen, können wir dazu beitragen, Meeresökosysteme vor weiterer Zerstörung zu bewahren.

(1) FAO, 'The State of World Fisheries and Aquaculture 2002'

(2) Whale & Dolphin Conservation Society, Introduction to Fisheries, www.wdcs.org (accessed 12/05/03)

(3) Hall-Spencer, V. Allain & J. Helge Fossa, 'Trawling damage to Northeast Atlantic ancient coral reefs,' Proceedings of the Royal Society of Biological Sciences, 2002:269:507-511

(4) D. Staniford, 'Intensive Sea Cage Fish Farming: The One That Got Away,' Paper presented at Coastal Management for Sustainability - Review and Future Trends, University of London, 2001.

(5) Naylor, Goldburg, Primavera, Kautsky, Beveridge, Clay, Folkes, Lubchenco, Mooney, & Troell, 'Effect of aquaculture on world fish supplies,' Nature 405, 1017-1024 (2000).

(6) Scottish Executive, Scottish Environment Statistics Online: Wildlife, Catches of wild salmon, grilse and sea trout: 1986-2001 - commentary, www.scotland.gov.uk/stats/envonline (accessed 06/06/03)