USA – die Westküste, ein kulinarischer Trip | Vegane Gesellschaft Österreich

USA – die Westküste, ein kulinarischer Trip

03.09.2019

Für Veganer_innen ist die US West Coast ein Paradies, zwischen internationaler Küche und American Comfort Food

Verfasst von Daniela Lais

Wer als Veganer_in zum ersten Mal in die USA reist, kann schon leicht nervös werden. Kaum ein anderes Land wird so intensiv mit dem Burger-Kult, gigantischen BBQs, XL-Steaks und Chicken Wings verbunden wie die Vereinigten Staaten. Jedoch sind die USA groß und fast überall wird ein bisschen anders gegessen. Fast-Food-Joints gibt es in Hülle und Fülle, aber – und das glaubt man kaum – auch ein immens großes Angebot an veganen Optionen und Restaurants. Besonders die Westküste ist für Veganer_innen extrem attraktiv. Machen wir einen Ausflug und starten im Norden.

Seattle, oh Seattle!

Washington ist nicht nur der nördlichste Bundesstaat an der Westküste, es ist mit Seattle auch ein attraktives Reiseziel von Österreich und Deutschland aus. Die Stadt für Musikliebhaber_innen gibt auch kulinarisch etwas her: Erst vor kurzem hat mit Life on Mars (722 E Pike St) eine vegane Bar eröffnet, bei der nicht nur American Comfort Food, sondern auch Musik im Vordergrund steht. Feineres Essen im etwas gehobenen Ambiente, mit zum Großteil hochwertigen Bio-Zutaten und mehr gemüselastiger Küche, findet man, nicht weit entfernt, im Plum Bistro (1429 12th Av.). Dort lässt es sich auch ganz fantastisch Brunchen. Der Capitol Hill lädt noch zu vielen weiteren veganen Genüssen ein - etwa das fantastische vegane Eis von Frankie&Jo`s (1010 E Union St.) oder der komplett vegane Donut-Laden Mighty-O Donuts (1400 12th Av). Wer in Seattle ist, sollte auch unbedingt den „Pike Place Market“ besuchen. Das Besuchermagnet für Tourist_innen beinhaltet neben dem intensiven Fischgeruch auch ein paar Annehmlichkeiten für Veganer_innen, etwa das „Cinnamon Works“ (1536 Pike Pl), eine eingesessene Bäckerei, die pflanzliche Cookies und Cinnamon Buns neben regulären Backwaren unter die Tourist_innen bringt. Gar nicht weit entfernt ist auch Veggie Grill (1427 4th Av), eine Fast-Food-Kette für Veganer_innen, die besonders gschmackige Chicken Burger und Wings auf das Tablett bringt. Für Menschen mit eingeschränktem Reisebudget und großem Hunger gibt es einen Seattle-Geheimtipp: ChuMinh Tofu and Veggie Deli (1043 S Jackson St.). Ein All-you-can-eat-Buffet zum kleinen Preis, ganz vegan und, wenn auch etwas abgelegen von Downtown, unbedingt die Reise wert. Einfach eines der Leihräder mit Motor starten und durch die City düsen.

ChuMinh Tofu in Seattle

Die Reise geht weiter

Und zwar Richtung Süden – in die geheime Hauptstadt der veganen Esskultur und meine Heimat. Portland, Oregon ist nicht nur bekannt für „weirdness“, sondern auch als Stadt mit der besten Food-Szene in den USA. Und als Stadt der Veganer_innen. Die Zahl der rein veganen Restaurants liegt bei rund 60, was für eine mittelgroße US-Stadt mit 650.000 Einwohner_innen eine stolze Zahl ist. Über die letzten sieben Jahre, zwischen Österreich und Portland lebend, habe ich sie alle ausprobiert. Einige habe ich gehen gesehen, ganz viele kommen. Mittlerweile in Portland verheiratet und dort lebend, verwöhnt von bester veganer Küche und alles ausprobiert, was es so gibt, kann ich zumindest meine Favoriten verraten (alles andere wäre zu viel des Guten!). Ganz „on the top“ meiner favorisierten Restaurants steht Farm Spirit (1403 SE Belmont St). Das High-End-Restaurant bietet Pflanzenküche in delikatester Weise an und ist weit über die Staatsgrenzen bekannt. Chef Aaron Adams zaubert mit seinem Team und nur wenigen Sitzplätzen (reserviert werden muss am besten ein paar Wochen vorab, ohne Reservierung geht es nicht) 8-Gänge-Menüs, die so keinen Vergleich kennen. Alles ist regional und fast alles von biologischen oder kleinen Farmen – von den Tellern bis hin zur Tomate. Gleich ums Eck hat der Portlander vor wenigen Wochen sein neues Lokal eröffnet, Fermenter. Wie der Name schon sagt, dreht sich dort alles um Fermentiertes. Um es kurz und knackig zu machen: Die besten Donuts in den USA gibt es in Portland bei Doe Donuts (8201 SE Powell Blvd): „Mac&Cheese stuffed“, „London Fog“, „Mango Sticky Rice“ und wie sie alle heißen.

Donuts-Vielfalt im Doe Donuts

Pizzerien gibt es in Hülle und Fülle, mein Favorit sind wohl die Pizzen mit Pizzaboden aus Mais und Cashew-Käse von Dove Vivi (2727 NE Glisan St) und die Pizzen samt Garlic Knots von Baby Doll (2835 SE Stark St). Portland ist auch bekannt für die vielfältige Food-Cart-Szene. Mit Fatsquatch (3243 SE Belmont St.) kann man rein gar nichts falsch machen. Doch – zu wenig Hunger mitbringen, das geht gar nicht. Mein Favorit sind übrigens die Fried Avocado Stuffed with Cheese und die Nozzarella Sticks. Egal ob Vegan Mini Mall, veganer Coffee Shop, veganes Thai-Restaurant, veganes indisches Restaurant – Portland has it all!

Nozzarella Sticks im Fatsquatch

101 – Highway to the south

West Coast is Best Coast. Besonders für Veganer_innen, aber auch für wunderbares US-Experience. Folgt man dem Highway 101 Richtung Süden Kaliforniens, gibt es viel zu erleben. Mit Abstechern nach Sacramento oder San Francisco kann man sich so einiges Gutes tun. In San Francisco lockt das Gracias Madre (2211 Mission St) mit fabelhaftem biologisch-mexikanischem Essen. Etwas versteckt im sehr quirligen Mission District sollte man unbedingt an einem warmen Sommertag (meistens braucht man trotzdem eine Jacke) die Papas al Horno oder Quesadillas auf der Veranda probieren und dabei das Geschehen auf der Straße verfolgen.

Quesedillas im Gracias Madre

Wer die Gelegenheit hat – einmal rüber nach Berkley für The Butchers Son (1954 University Ave), die Sandwiches sind Weltklasse, den Aufschnitt muss man einpacken und ein Cannoli als Dessert darf man nicht vergessen. Down, down South nach Los Angeles und San Diego. Am besten Happycow checken und unbedingt einen Abstecher in den neuen veganen Biergarten in Los Angeles machen. Hinterhof heißt der (4939 York Blvd) und bietet Jägerschnitzel, Bratwurst und Brezen, ebenso wie Kässpätzle, Waffeln und Maultaschen. Doesn’t sound like LA, but it is! Kleiner Tipp auf der Reise gen Süden, vielleicht geht sich zwischen Santa Barbara und Santa Monica auch Ojai aus. Die künstlerische Kleinstadt ist nicht nur Heimat vieler Stars, sondern auch ein sweet stop to shop (local). Unbedingt das Hip Vegan (201 N Montgomery St) für gesundes und leckeres veganes Essen probieren – ein verstecktes Juwel.

Wie auch immer der US-Trip aussieht, West Coast is Best Coast für einen kulinarischen, veganen Trip. Feel free to contact me for further information and have fun!

Daniela Lais lebt in Portland, Oregon. Sie arbeitet als Journalistin und vegane Kochbuchautorin. Ihre Bücher Vegan on the go (Vegane Lunchbox) und Easy Vegan Baking (Einfach Vegan Backen) sind überall in den USA verfügbar, natürlich auch an der West Coast.

www.facebook.com/laisdaniela

Daniela Lais mit Lukkah von Fatsquatch