Piñatex – Das bessere Leder | Vegane Gesellschaft Österreich

Piñatex – Das bessere Leder

23.05.2016

In der Bekleidungs- und Textilindustrie werden Materialien verwendet, die nicht nur aus veganer, sondern auch aus ökologischer Sicht bedenklich sind. Leder, Erdölprodukte und Chemikalien kommen zuhauf bei der Textilproduktion zum Einsatz. Mit Piñatex steht endlich ein pflanzliches Material, das nachhaltig und biologisch abbaubar ist, zur Verfügung.

Erdöl und Tiere in unserer Kleidung

Kunstfasern wie Polyester und Elastan werden aus Erdöl hergestellt. Mit jedem Waschgang gelangen kleine Teile dieser Stoffe in die Flüsse und landen schließlich im Meer. Ganz abgesehen von der Erdölgewinnung und den damit einhergehenden negativen Auswirkungen auf das Ökosystem.
Leder ist bekanntermaßen gegerbte Tierhaut. Zuerst werden Tiere auf engstem Raum unter qualvollen Bedingungen gezüchtet, ehe sie unter widrigsten Umständen getötet oder gar noch lebendig gehäutet werden. Aber nicht nur Nutztiere erhalten diese Art von Behandlung. Gleichermaßen werden sogenannte Exoten, wie Reptilien, Kängurus und Schlangen, in Massen gehalten und schließlich zu Leder verarbeitet.
Danach wird die Tierhaut mit hochgiftigen Chemikalien, hauptsächlich Chrom, weiterverarbeitet, wobei Erwachsene und Kinder ohne Schutzkleidung mit diesen giftigen Stoffen hantieren müssen. Da in den Produktionsländern weiters unzureichende Umweltschutzrichtlinien bestehen oder einfach ignoriert werden, gelangen die Chemikalien in Flussläufe, Seen und ins Grundwasser – mit verheerenden Folgen für Mensch, Tier und Umwelt.
Weitere Informationen zum Wirtschaftsfaktor Leder sowie der damit einhergehenden ökologischen und tierethischen Problematik enthält unser Artikel zum Thema Leder.

Piñatex ist ressourcenschonend

Doch mit all dem ist jetzt (hoffentlich) Schluss. Die gebürtige Spanierin Dr. Carmen Hijosa entwickelte in einem jahrelangen Forschungsprozess das nachhaltige, biologisch abbaubare und rein pflanzliche Material Piñatex, das von der Firma Ananas Anam erzeugt und vertrieben wird. Es wird aus den Blättern der Ananaspflanze gefertigt, die bei der Ernte als Nebenprodukt anfallen. Hijosa hat das Potential der widerstandsfähigen Fasern der Ananasblätter erkannt, die, ohne gewebt werden zu müssen, zu einem Textilmaterial weiterverarbeitet werden können und dabei noch besonders atmungsaktiv und wasserabweisend sind. Piñatex kann vielseitig verwendet und (genauso wie tierisches Leder) bedruckt, geschnitten und genäht werden.
Die Erzeugung von tierischem Leder stellt eine Ressourcenverschwendung sondergleichen dar. PETA hat dazu Zahlen:

„Eine Chromgerberei verschwendet über 55.000 Liter Wasser und produziert pro bearbeiteter Tonne Tierhaut bis zu 1.000 Kilogramm Feststoffabfall (z. B. Haare, Fleisch und Randabfälle) sowie große Mengen an giftiger Schlicke.“

Bild einer Ananaspflanze mit Frucht und Blättern
Ananasblätter als Grundlage für Piñatex

Ganz anders verhält es sich mit Piñatex. Bei diesem Material handelt es sich nämlich um die Verarbeitung eines Nebenprodukts, das ohnehin anfallen würde. Während die Ananasblätter bisher einfach entsorgt wurden, können sie nun gewinnbringend genutzt werden. Die Vorteile dabei sind, dass bei der Ananasernte sowieso so viele Blätter abgeschnitten werden, dass gar kein zusätzlicher Anbau vonnöten ist. Daher werden weder weiteres Wasser, noch Düngemittel, noch Pestizide benötigt. Die Produktion ist also – laut eigenen Angaben von Ananas Anam – äußerst ressourcenschonend.
Bereits auf der Plantage werden die stabilen Fasern aus den Blättern extrahiert. Was dann noch überbleibt ist Biomasse, die wiederum als Düngemittel oder Biogas verwertet werden kann. Dies alles sind zusätzliche Einnahmequellen für die Farmer_innen. Aus den extrahierten Fasern wird dann in Spanien das Endprodukt namens Piñatex hergestellt. Am Ende ihrer Lebensdauer können Erzeugnisse aus diesem Material problemlos entsorgt werden, da Ananasleder biologisch abbaubar ist.

Produkte aus Piñatex

Momentan gibt es Schuhe und Taschen aus Ananasleder und auch Puma hat bereits erste Prototypen entwickelt. Ansonsten ist aber leider noch recht wenig aus Piñatex erhältlich – was sich aber hoffentlich bald ändern wird. Theoretisch kann aus Ananasleder alles hergestellt werden, wofür sonst Leder verwendet wird. Es gilt also nur mehr die praktische Umsetzung und gezielte Vermarktung abzuwarten.
Nur so als Tipp: Die vegane Boutique Muso Koroni in Wien hat immer wieder solche Produkte im Sortiment. Auch im Online-Shop von avesu - vegan shoes finden sich ein paar Modelle.
Aktuelle Infos zu Erzeugnissen und neuen Entwicklungen rund um Piñatex gibt es auf deren Facebook-Page oder im Blog (beides auf Englisch).

Foto: fotolia.com | Cmon