Bio-Vegane Landbautage 2015 | Vegane Gesellschaft Österreich

Bio-Vegane Landbautage 2015

01.03.2016

Der Boden für eine umweltschonende Landwirtschaft ohne Ausbeutung von menschlichen und anderen Tieren ist bereitet

Eine Landwirtschaft ganz ohne „Nutz“tiere – wie funktioniert das und warum setzt man sich dafür ein? Auf den Bio-Veganen Landbautagen haben 100 Interessierte diese Fragen vom 13. bis 15. November 2015 auf Burg Lohra im Südharz diskutiert. Organisiert wurde die Tagung vom Biologisch-Veganen Netzwerk für Landwirtschaft und Gartenbau und der Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt.

Der Tierrechtler Konstantinos Tsilimekis von der Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt fasste die Motivation des Zusammenkommens wie folgt zusammen: „Wer in tierethischer Sicht konsequent handeln will, kommt an der bio-veganen Landwirtschaft nicht vorbei.“

Derzeit ist es nämlich so, dass auch für die Herstellung der Mehrheit pflanzlicher Produkte zumindest indirekt Rohstoffe aus der Tierausbeutungsindustrie verwendet werden, unter anderem Dünger aus tierlichem Kot oder aus Schlachtabfällen. Gängige Praxis sind in der derzeitig vorherrschenden Agrarwirtschaft ebenfalls die Verwendung von Pestiziden und eine Lebensraumzerstörung von menschlichen und nichtmenschlichen Tieren, beispielsweise für Palmöl. Das heißt, dass viele als „vegan“ bezeichnete Produkte bei genauerem Hinsehen nicht frei von Tierleid sind – ein Zustand, den die Interessierten an der bio-veganen Landwirtschaft nicht länger so belassen wollen.

Vortragssaal auf Burg Lohra
100 Interessierte diskutierten auf Burg Lohra im Südharz

Vernetzung fand nicht nur unter den Teilnehmenden, sondern auch mit dem befreundeten Vegan Organic Network sowie der Vegan Society in England statt: Zwei Videoübertragungen und Vorträge auf Englisch zur Gründung des dortigen Anbauverbandes und zum Thema V-Labeling standen ebenfalls auf dem Programm. Mit bestem Essen aus solidarischer Biolandwirtschaft sprossen die Ideen für das Wachstum der Bewegung.

Innerhalb der drei Tage wurde ein Gesamtbild der Hintergründe und zur Machbarkeit der bio-veganen Wirtschaftsweise vermittelt. Unsere Annahme, dass immer mehr Menschen Austausch zu auf solidarischen Prinzipien beruhender ökologischer Landwirtschaft ohne jegliche Ausbeutung suchen, hat sich bestätigt. Wir sind zuversichtlich, dass die Potenziale der bio-veganen Landwirtschaft – unter anderem Schonung des Klimas und der natürlichen Ressourcen, Erhaltung bzw. Wiederaufbau fruchtbarer Böden, Schutz der Artenvielfalt, Zurückdrängung der Tier- und Menschenleben zerstörenden Agrarindustrie – in Zukunft in breiteren Kreisen der Gesellschaft erkannt und benannt werden.

Die Dokumentation der Veranstaltung, in der die wichtigsten Vorträge und Ergebnisse der Workshops zusammengefasst sind, kann auf der Webseite des Bio-Veganen Netzwerks kostenfrei heruntergeladen werden. Hier kann man sich außerdem umfangreich zu bio-veganem Land- und Gartenbau informieren. Für die Organisation einer Folgeveranstaltung werden Interessierte gesucht.

Bio-vegane Landwirtschaft

Bio-veganer Landbau verbindet die Prinzipien der Biolandwirtschaft mit den Idealen des Veganismus. Zuallererst bedeutet dies, dass keine Tiere genutzt bzw. zum kommerziellen Gewinn gehalten werden dürfen. Zum Düngen wird kein Mist und keine Schlachtabfälle sowie Hornspäne, kein Feder-, Knochen und Blutmehl verwendet und es kommen keinerlei Pestizide zum Einsatz (denn diese schaden nie nur den Zielorganismen). Pflanzliche Alternativen ersetzen Mist und Gülle: Kompost, Gründüngung, Mulch und abwechslungsreiche Fruchtfolgen in Mischkultur sowie Zwischenfrüchte und Untersaaten dienen dem Humusaufbau und sorgen für eine ausreichende Stickstoffversorgung. So ermöglicht die bio-vegane Wirtschaftsweise eine Zunahme der Bodenfruchtbarkeit ohne den Umweg der Tierhaltung, das Bodenleben wird unmittelbar gefördert.

Menschen, die sich mit bio-veganem Landbau befassen, schließen sich häufig in Kollektiven zusammen und versuchen beispielsweise durch den Abbau von Wissenshierarchien jegliche Abhängigkeitsverhältnisse zu beenden. Mitgefühl und Solidarität mit Menschen und anderen Tieren muss praktisch werden. Daher ist auch beim Konsum von pflanzlichen Produkten eine kritische Perspektive gefragt: Unter welchen Arbeitsbedingungen wurden Güter hergestellt? Waren die Anbauenden und Verarbeitenden Umweltgiften ausgesetzt? Auch weite Transportwege für den täglichen Konsum sind für eine vegane Lebensweise schwer zu rechtfertigen. Denn wer struktureller Ungerechtigkeit entgegenwirken möchte, sollte sich und anderen auch Fragen der Generationengerechtigkeit stellen.

Das Bio-Vegane Netzwerk (BVN) ist Teil des Umweltkreises des Bundes für Vegane Lebensweise e.V. (BVL). Das BVN bietet einen hilfreichen Infopool zum Thema unter www.biovegan.org sowie fachliche Vorträge auf Anfrage.
Freya Schulz, B.Sc. Umweltwissenschaften
Kontakt: landbautage@biovegan.org

Die Bio-Veganen Landbautage 2015 wurden von der Veganen Gesellschaft Österreich unterstützt.