Der Einstieg ins vegane Leben | Vegane Gesellschaft Österreich

Der Einstieg ins vegane Leben

27.07.2016

Aller Anfang ist schwer. Beim Einstieg ins vegane Leben besteht die Schwierigkeit darin, sich erst einmal über alle den Veganismus betreffenden Lebensbereiche zu informieren. Bei dem wollen wir Abhilfe schaffen und möglichst viele Informationen gesammelt bereitstellen.

Was ist Veganismus?

Zuerst stellt sich die Frage nach einer Definition von Veganismus. Veganismus ist mehr als nur eine Ernährungsform. Genauer betrachtet, handelt es sich um eine Lebensphilosophie, die alle Lebensbereiche wesentlich beeinflusst. Es geht darum, keinen empfindungsfähigen Lebewesen zu schaden, sie nicht zu töten, auszubeuten, zu nutzen oder zu quälen.
Warum Menschen vegan leben, kann aus vielfältigen Motivationen heraus sein. Manche haben ethische, andere ökologische, wieder andere gesundheitliche Gründe oder es handelt sich um eine Kombination.
Für die allermeisten geht es darum, Respekt und Achtung vor jedem Leben zu haben, die Augen nicht vor dem Leid und Elend unserer Mitgeschöpfe zu verschließen, sondern sich des vollen (negativen) Ausmaßes unseres Konsumverhaltens bewusst zu sein bzw. zu werden. So soll zum Beispiel nicht vergessen werden, in welchen Branchen, wie etwa der Pharma- und Kosmetik- oder der Kleidungsindustrie (um nur ein paar Beispiele zu nennen), Tierversuche durchgeführt werden. Kein einziges Medikament kann ohne Tierversuche zugelassen werden. Es gilt zu erkennen, welche Herstellungsprozesse immens der Umwelt schaden und deshalb bewusst auf Alternativen auszuweichen. Und zuletzt sollte noch verstanden werden – obwohl dies nicht Teil der „klassischen“ Definition von Veganismus ist –, dass auf unserer Welt, durch unser Wirtschaftssystem und durch unseren Konsum nicht nur Tiere und unser Planet, sondern eine gewaltige Anzahl an Menschen ausgebeutet werden.
Ausführlicheres zu Gründen für den Veganismus besprechen wir im Artikel Definition Veganismus. Mehr zu den Auswirkungen der Massenhaltung von Tieren in den Artikeln Fleischatlas Österreich, Eier und Milch.

Ernährung und Essen

Zu beachten

Eine vegane Ernährung bietet viele gesundheitliche Vorteile. Aus diesem Grund wird sie sogar von der amerikanischen Krankenkasse Kaiser Permanente empfohlen. Um alle diese Vorteile zu gewährleisten, ist es wichtig, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, damit alle Vitamine und Mineralstoffe in ausreichenden Mengen dem Körper zugeführt werden. Zur Überprüfung empfiehlt es sich, alle 1–2 Jahre ein Blutbild machen und die Bestimmung des Vitamin B12-Werts durchführen zu lassen. Einen Überblick über die wichtigsten Blutwerte haben wir in unserem Artikel Blutbild: Welche Werte testen lassen? zusammengefasst.
Im Artikel Gesund leben – pflanzliche Ernährung macht’s möglich setzen wir uns mit den für die vegane Lebensweise wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen im Allgemeinen auseinander. Für Interessierte bieten wir ausführliche Artikel zu Zink, Eisen, Kalzium, Fetten und Vitamin B12.
Eine übersichtliche und illustrierte Nährwerttabelle kann hier als pdf-File heruntergeladen werden.

Supplementierung

Sollte einer der Blutwerte zu niedrig sein, wird angeraten, Nahrungsergänzungsmittel (Supplemente) zu nehmen. Gerade bei Vitamin B12 ist es wichtig, auf die Art des Vitamins zu achten, das im Präparat enthalten ist. Nur bestimmte Formen sind biologisch wirksam (bioaktiv) und können vom Körper verwertet werden. Die von uns empfohlenen Präparate haben wir im Artikel zu Vitamin B12 aufgelistet.

Alternativprodukte

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an wirklich guten Alternativen zu tierischen Produkten. Nicht nur Milch, Joghurt, Schlagobers, Käse und Butter können schmackhaft ersetzt werden (siehe Milchprodukte auf pflanzlicher Basis), auch Eier lassen sich je nach gewünschter Verwendung durch unterschiedliche Alternativen austauschen (siehe Kochen und Backen ohne Ei und Aquafaba). Genauso kann auf Alternativen zu Fleisch und Fisch zurückgegriffen werden. Ein paar Möglichkeiten haben wir im Artikel 10 vegane Alternativen beschrieben.
Honig ist ebenfalls ein Tierprodukt und ist deshalb nicht vegan (siehe Artikel Honig). Schmackhafte pflanzliche Honig-Alternativen haben wir in diesem Artikel besprochen.

Vegan im Restaurant

Wer als Veganer_in beim Essengehen auf nichts verzichten möchte, kann unsere Restaurantsuche verwenden und vegane Lokale in ganz Österreich finden. Hier sieht man, wo es rein vegane Restaurants gibt bzw. welche vegane Optionen anbieten. Zugleich gibt die Suche darüber Auskunft, ob das Lokal zum Zeitpunkt der Abfrage geöffnet hat. Mehr Infos zur Restaurantsuche in unserem Artikel. International – besonders für Nordamerika – ist die App empfehlenswert.
Sofern es keine vegane Option gibt, kann zum Beispiel in der Pizzeria eine Pizza ohne Käse bestellt werden. In der Regel wird für original italienische Pizzen der Germteig ohne Ei und Milch zubereitet (Nachfragen!). Genauso sind Nudeln nach italienischem Originalrezept ohne Ei. Bei asiatischen Restaurants finden sich immer vegane Speisen bzw. kann etwa Gemüsereis ohne Ei bestellt werden. Indische Lokale können meist auf Wunsch einige Gerichte veganisieren. In traditionellen Wirtshäusern wird Veganer_innen aber leider in den meisten Fällen nichts anderes überbleiben, als Salat ohne Joghurtdresssing zu bestellen. Achtung: Die Pommes werden oft im selben Fett wie die Schnitzel frittiert.

Vegan unterwegs

Viele größere Bäckereien oder Bäckereiketten bieten mittlerweile vegane Weckerl mit Hummus, Falafel, Guacamole, Tofu etc. an. Bei den meisten Kebab-Imbissen gibt es Falafel eventuell mit Hummus (bitte nachfragen, ob der vegan ist, und die Falafel ohne Joghurtsauce bestellen). Sonst empfiehlt es sich, eines von vielen erhältlichen veganen Fertiggerichten mitzunehmen.

Achtung bei …

Oft verstecken sich in scheinbar veganen Lebensmitteln und Produkten Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs. So werden unter anderem Gelatine und Fischblasen zum Klären von Wein und Säften eingesetzt. Nudeln können mit Ei sein. Brot und Gebäck können ebenfalls Eier und/oder Milchprodukte enthalten. Pesto wird nach klassischer Rezeptur mit Parmesan gemacht. Schokoladen trotz hohem Kakaoanteil können Butterreinfett (= Butterschmalz) enthalten. Miso-Suppe und andere ostasiatische Gerichte werden oft mit Fischsauce zubereitet. Marshmallows, Gummibärchen und ähnliches bestehen aus Gelatine und auch Cornflakes sowie andere Frühstücksflocken werden damit überzogen. Als roter Farbstoff in Lebensmitteln, Kosmetika und Lippenstiften kommt Karmin, das aus getrockneten und ausgekochten Cochenilleschildläusen hergestellt wird, zum Einsatz. Erstaunlich und unverständlich ist weiters, wo überall Milchzucker (Laktose) als Geschmacksverstärker zugesetzt wird: Suppengewürz und Fertiggerichte aller Art, Chips usw. Genauso wird Milchzucker als Trägerstoff für Tabletten, Pulver und homöopathische Mittel (z. B. Globuli, Schüßler Salze) aller Art verwendet, weshalb nach veganen Alternativen gefragt werden sollte.
Es lohnt sich daher, die Inhaltsdeklaration auf Lebensmitteln, Medikamenten etc. zu lesen, um zu vermeiden, versehentlich tierische Produkte zu konsumieren. Manche Zusätze wie Milchzucker müssen deklariert, andere wie Gelatine in Wein nicht, da sie „nur“ während des Herstellungsprozesses verwendet werden und angeblich im Endprodukt nicht mehr enthalten sind. Auskunft, ob ein Produkt vegan ist, geben Zertifizierungen wie das V-Label und die Vegan-Blume (näheres dazu unter „Einkauf“).

Wichtig zu wissen

Obwohl die Bezeichnung Milchsäure etwas anderes vermuten ließe, ist dieser Zusatzstoff in Lebensmitteln in der Regel vegan. Sie heißt so, weil sie als Erstes in Milch entdeckt und analysiert wurde. Milchsäure (E 270) wird zumeist von Milchsäurebakterien in einer Zuckerlösung erzeugt. In Lebensmitteln dient sie als Säuerungs- und Konservierungsmittel.

Popart Apfel mit Text Go Vegan

Lifestyle

Kleidung, Schuhe, Taschen …

Leder, Wolle, Seide und Pelz sind Tierprodukte. Für manche davon werden Tiere getötet, für andere genutzt und dabei allzu oft brutal behandelt. Veganer_innen achten deshalb darauf, diese Materialien zu meiden. Taschen oder Schuhe sollten nicht aus Leder, sondern aus Textilleder oder einem anderen veganen Material gefertigt sein. Insbesondere zu Leder gibt es heute schon viele Alternativen. Wir haben uns zum Beispiel schon näher mit dem Material Piñatex beschäftigt.
Wie bei Lebensmitteln zahlt es sich genauso bei der Kleidung aus, die Deklaration auf den Etiketten durchzulesen. Der Kennzeichnung von Leder und möglichen Alternativen widmet sich dieser Artikel.
Vegane Kleidung, Schuhe und vieles mehr gibt es beispielsweise bei Muso Koroni. Schuhe bietet ebenfalls avesu – vegan shoes an.

Kosmetik

Wie in verschiedenen Lebensmitteln verbergen sich auch in Kosmetikprodukten allerhand tierische Zusatzstoffe. Egal ob Lanolin (Wollfett), Stearin (aus Schweinen), Cera alba (weißes Bienenwachs) oder Karmin, meist kann von der Bezeichnung nicht auf den Ursprung geschlossen werden. Ausführlich kann dies im Artikel Kosmetik und Pflegeprodukte nachgelesen werden. Wie Kosmetika und Tierleid zusammenhängen, haben wir in Tierversuche und die Kosmetikindustrie behandelt.

Verhütung

Natürlich spielt das Thema Verhütung für Veganer_innen ebenso eine große Rolle. Wer denkt schon, dass in Kondomen Casein (ein Milchbestandteil) enthalten sein könnte? Auch für andere Verhütungsmittel kommen tierische Produkte in der Herstellung zum Einsatz oder sind im Endprodukt enthalten. Eine umfassende Auflistung und Erklärung findet sich in Verhütungsmittel aus veganer Sicht.

Einkauf

Nach allem, was bis jetzt über verstecke Tierprodukte gesagt wurde, gibt es eine Erleichterung. Zertifizierungen wie das V-Label (mit der Zusatzbezeichnung „vegan“) und die Vegan-Blume garantieren, dass das Produkt zu 100 % frei von Tierprodukten und Tierversuchen ist. Die Labels befinden sich auf der Verpackung oder dem Etikett und sind somit ein sicheres Hilfsmittel zur Erkennung von Produkten, die veganen Ansprüchen entsprechen. Gibt es kein Label, empfiehlt es sich, die Inhaltsstoffe durchzulesen. Die Überraschung ist oft ziemlich groß, wenn man damit beginnt und feststellt, was in manchen Produkten alles enthalten ist.
Eine weitere Hilfe ist die App Codecheck. Nach Aktivierung der Vegan-Funktion wirft das Programm durch Scannen des Strichcodes aus, ob das entsprechende Produkt für Veganer_innen geeignet ist.


Wer nicht die Möglichkeit hat, vegane Produkte im Geschäft zu kaufen, oder lieber online bestellen möchte, kann auf vegane Onlineshops zurückgreifen. In Österreich gibt es den BioVeganVersand, veganbag, den Veganversand Vegourmet und den Veganversand Lebensweise.

Soziales

Mit Menschen, die eine_n unterstützen, fällt der Einstieg in den Veganismus wesentlich leichter, als wenn man es ganz alleine versucht. Aus diesem Grund bietet die VGÖ einen sogenannten Vegan-Buddy-Service, also eine Person, die einer_m für eine Zeit beisteht, Tipps gibt und hilft. Weiters gibt es einige vegane Stammtische, die auf der Website vegan.at angekündigt werden oder über das Internet zu finden sind.
Ein weiterer Knackpunkt ist der Umgang mit „Omnis“ (= Omnivoren), wie Allesesser_innen von Veganer_innen oft bezeichnet werden. Oftmals fällt es nämlich schwer, Diskussionen auszuweichen, oder es fehlen die richtigen Argumente. Als kleine Hilfe haben wir den Artikel Vorurteile und Argumente gegen Veganismus verfasst.

Information

Internet

Im Internet finden sich allerhand Informationen rund um den Veganismus. Eine fundierte Quelle mit Artikeln zu vielen Themen (Es werden laufend mehr!) ist unsere Website vegan.at. Wir bieten auch eine Restaurantsuche, Rezeptdatenbank und Datenbanken zu Lieferservices, Catering, Eis, Pizza mit veganem Käse, Ärzt_innen und Ernährungsberater_innen. Weiters haben wir viele Broschüren zu verschiedenen Themen sowie Rezepten entworfen, die entweder auf der Website sind oder per Post zugesandt werden können. Darüber hinaus stellen wir ein Forum zur Verfügung, wo sich über alle Themen rund um den Veganismus ausgetauscht werden kann.
Für einen kleinen Beitrag kann man Mitglied bei der VGÖ werden und damit unsere Arbeit unterstützen, damit wir in Zukunft noch mehr Menschen erreichen und Informationen zum Veganismus verbreiten können. Als Gegenleistung bekommen Mitglieder halbjährlich das VEGAN.AT-Magazin, diverse Broschüren und Info-Materialien sowie die VCard zugesandt. Bei Vorlegen der VCard gewähren viele vegane Geschäfte, Onlineshops, Restaurants und viele mehr tolle Rabatte (Liste der Rabattpartner).

Bücher und Internet

Natürlich sind Bücher ebenso eine gute Informationsquelle. Es gibt viele, die sich mit dem Veganismus aus verschiedenen Blickwinkeln wie Gesundheit, Ethik, Kulinarik etc. auseinandersetzen. Wir posten immer wieder Rezensionen zu Büchern, die wir gut und informativ finden.
Auf der Suche nach Koch- und Backbüchern lohnt es sich, Bücherläden oder das Internet zu durchforsten. 10 Koch- und Backbücher, die wir für den veganen Einstieg als besonders empfehlenswert erachten, haben wir in diesem Artikel vorgestellt. Weitere Besprechungen von Koch- und Backbüchern werden immer wieder auf unserer Website online gestellt. Es lohnt sich, unsere Facebook-Page zu liken, da wir dort ständig aktuelle Informationen und Links zu neuen Artikel posten, und unseren Newsletter über unsere Website zu abonnieren.

Foto: fotolia.com | bus109