Alles über Soja | Vegane Gesellschaft Österreich

Alles über Soja

11.05.2015

Gut oder schlecht für die Umwelt? Gut oder schlecht für die Gesundheit?

Soja polarisiert die Ernährungswelt – viele halten die eiweißreiche Hülsenfrucht für eine wahre Wunderbohne, andere kritisieren den Gentechnikeinsatz und die Brandrodung von Regenwäldern für den Sojaanbau. Wie aber sieht die Realität wirklich aus?

Die Sojabohne ist eine einjährige Pflanze. Sie wird im Frühjahr angebaut und im Herbst geerntet, im nächsten Jahr werden die Sojasamen dann wieder neu ausgesät. Sojabohnen sind Leguminosen (Hülsenfrüchte) und können als solche atmosphärischen Stickstoff binden, wodurch keine zusätzliche Düngung nötig ist. An sich ist Soja also eine sehr umweltfreundliche Pflanze, wenn sie ohne Gentechnik und nicht im Regenwald angebaut wird.

85 % der Welt-Sojaernte werden an Tiere verfüttert.
85 % der Welt-Sojaernte werden an Tiere verfüttert.

Hauptanbau in Nord- und Südamerika – ein wenig auch in Österreich

Die bedeutendsten Anbauländer von Soja sind die USA, Brasilien und Argentinien, die für 80 % der weltweiten Produktion sorgen. Die Sojabohnen sind hier jedoch größtenteils gentechnisch verändert und werden in Brasilien oft in Regenwaldgebieten angebaut. Weltweit sind über 70 % der angebauten Sojabohnen bereits gentechnisch verändert [1]. In Österreich selbst wird nur gentechnikfreies Soja angebaut und unser Land ist – für viele überraschend – mit rund 25.000 Hektar ein bedeutendes Soja-Anbauland in Europa. Die Hauptanbaugebiete liegen im Burgenland und in Oberösterreich, aber auch in Niederösterreich, Kärnten und der Steiermark wird immer mehr auf diese Pflanze gesetzt.

Gentechnik- und Regenwaldsoja fast ausschließlich als Futtermittel

Österreich importiert aber auch massiv Sojaschrot: 600.000 Tonnen pro Jahr – nein, nicht für Sojaschnitzerl und Tofu, sondern als Futtermittel. Weltweit werden 85 % der Sojaernte an Masttiere verfüttert [2] und nur 15 % für die direkte menschliche Ernährung verwendet: Sojaöle oder Sojamehl beispielsweise für Backwaren, Sojalezithin als Emulgator. Nur ein paar Prozent der Weltsojaernte werden für Lebensmittel wie Tofu, Sojafleisch und Sojamilch genutzt. Während gentechnisch verändertes Soja in Lebensmitteln nach EU-Recht gekennzeichnet werden müsste, gilt dies nicht fürs Futter für Nutztiere! „Müsste“ deshalb, weil keine Firma in Europa erfolgreich sein würde, wenn auf der Zutatenliste „aus gentechnisch verändertem Soja hergestellt“ zu lesen ist. Daher sind Sojaprodukte in Europa de facto gentechnikfrei. Bei Tierprodukten und den Futtermitteln ist das hingegen ganz anders, Gentechnik-Soja dominiert hier den Markt. Deshalb ist es auch so paradox, wenn Herr X mit der Leberkässemmel den Herrn Y mit dem Tofuburger die Gentechnik und die Regenwaldzerstörung vorwirft. Ist doch das genaue Gegenteil der Fall: Während in der Kuhmilch und im Schweineschnitzel das billige Gentechnik- und Regenwaldsoja auf dem Umweg über die Futtermittel für die Tiere massiv enthalten ist, sind die Sojaprodukte, die wir kaufen, zumindest in der EU gentechnikfrei und meist aus heimischem Biosoja.

Ist Soja gesund?

Soja wird gelobt und beschimpft. Ist Soja für uns Menschen gesund? Hat man keine Allergien gegen Soja, kann man die Frage mit „ja“ beantworten. Gewisse Inhaltsstoffe von Soja und generell von Hülsenfrüchten, die die Nährstoffaufnahme hemmen und immer wieder kritisiert werden, werden durchs Erhitzen ohnehin großteils deaktiviert. Zu dieser Gruppe zählen die Lektine, enzymhemmemde Substanzen und auch Phytate. Da Sojabohnen ohnehin immer gekocht werden müssen, ist das eher ein Scheinproblem. Bei den Isoflavonen (einem Phytoöstrogen) gehen die Meinungen am meisten auseinander: Die Sojaerzeuger, aber auch einige Studien zeigen, dass diese östrogenartigen Substanzen Osteoporose vorbeugen und Wechselbeschwerden vermindern und zudem das Risiko von Brust- und Prostatakrebs reduzieren können. Andere haben Angst, die Isoflavone könnten Männer „verweiblichen“. Da die Wirkung dieser Phytoöstrogene im Vergleich zum weiblichen Geschlechtshormon Östradiol aber nur 1/ 500 bis 1/1000 ist, sind wohl sowohl Wirkung als auch unerwünschte Nebenwirkung begrenzt. Auf der Habenseite der Sojabohne steht einiges: Der Proteingehalt von über 40 Prozent beispielsweise sowie dessen hohe biologische Wertigkeit. Von den acht essentiellen Aminosäuren sind alle reichlich vorhanden. Am ehesten mangelt es am Methionin, das jedoch in Getreide und gewissen Nüssen reichlich vorhanden ist. Eine Kombination dieser Lebensmittel macht die Proteinaufnahme endgültig perfekt. Soja ist reich an Kalium, Magnesium, Eisen, Selen; vielen Vitaminen, wie den B-Vitaminen B1, B2, Pantothensäure und Folsäure sowie Vitamin E. Positiv ist auch der hohe Gehalt an Lezithin, das unter anderem für die Bildung von Zellmembranen im Körper sehr wichtig ist. Außerdem ist Soja ballaststoffreich. Im Gegensatz zu Tierprodukten ist Soja frei von Cholesterin und hat eine weitaus bessere Fettsäurenzusammensetzung mit mehr ungesättigten und weniger gesättigten Fettsäuren.

Soja-Vielfalt

Die Vielfalt an Produkten aus Soja reicht von Sojadrinks über Tofu, Tempeh, Soja-Joghurts und -Puddings, Soja-Laibchen und -Würstchen, Soja-Schnitzerln bis hin zu Knabbersojakernen und Soja-Riegeln oder Soja-Aufstrichen.

Quellen

[1] www.sojanetz.ch
[2] Pachauri, R. (2008). Global Warming - The impact of meat production and consumption on climate change – Dr. Rajendra Pachauri, Chair of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Speech at Compassion in World Farming, London, September 8, London.