Erfahrungen mit der Vegucation-Ausbildung

Erfahrungen mit der Vegucation-Ausbildung

16.01.2018

Interview mit Lehererin Lisa Tremetsberger

Lisa Tremetsberger, Fachlehrerin für Küche, Service und Ernährung, hat im August 2016 die Ausbildung zur vegan-vegetarischen Köchin an der Pädagogischen Hochschule Wien absolviert. Bereits zwei Monate später startete sie mit dem Unterricht an ihrer Schule, der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe in Tulln: 17 interessierte Schüler_innen traten ihre Ausbildung zur vegan-vegetarischen Fachkraft an.

Lehrerin Lisa Tremetsberger
Lehrerin Lisa Tremetsberger

Lisa, wann hast du die Ausbildung zur vegan-vegetarischen Köchin absolviert?

Die Ausbildung zur vegan-vegetarischen Köchin habe ich im August 2016 über die Pädagogische Hochschule Wien absolviert. Die Referent_innen, wie Dr. Kurt Schmidinger, Lisa Klein, BA Bakk und Haubenkoch Siegfried Kröpfl, übermittelten uns umfangreiches theoretisches Wissen und praktische Fertigkeiten, um das Thema der vegan-vegetarischen Lebensweise und Küche den Schüler_innen näher bringen zu können.

Wann hast du das Zusatzzertifikat zum 1. Mal in deiner Schule angeboten? Wie hast du dich darauf vorbereitet?

Da der Termin für die Ausbildung zur vegan-vegetarischen Köchin für uns Lehrkräfte im August 2016 gut gewählt war, konnte ich die Zusatzqualifikation an meiner Schule, der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe in Tulln, ab September 2016 anbieten. Während der Ausbildung erhielten wir von den Referenten neben dem Fachwissen und den praktischen Fertigkeiten auch Tipps, wie die einzelnen Themen im Unterricht umgesetzt werden können. Die Arbeitsunterlagen, wie Lehrbuch und Rezepturenheft für die Schüler_innen wurden von Vegucation zur Verfügung gestellt. Dank den weiteren Rezepturen von Haubenkoch Siegfried Kröpfl, die natürlich nachgekocht wurden, war ich somit gut vorbereitet und konnte mit der Zusatzqualifikation an der Schule starten. Während der Ausbildung und der Zertifikatsprüfung erhielt ich zudem immer wieder Hilfestellung bei einzelnen Fragen von Lisa Klein, BA Bakk von Vegucation.

Wie groß war das Interesse an der Teilnahme bei den Schüler_innen, wie viele Schüler_innen haben teilgenommen?

Die Begeisterung der Schüler_innen für eine Zusatzqualifikation an meiner Schule ist generell groß, daher beschloss ich die Ausbildung zur vegan-vegetarischen Fachkraft in den 2. und 3. Jahrgängen der HLW anzubieten. Im Oktober 2016 startete ich den Unterricht mit 16 Schüler_innen aus den 2. und 3. Jahrgängen der HLW, sowie einer Schülerin aus der 2. Klasse der Fachschule für wirtschaftliche Berufe.

In welchem Rahmen hast du das Zertifikat angeboten?

Die Zusatzqualifikation war eine unverbindliche Übung. Die Stunden wurden Freitag nachmittags zu 3 bzw. 4 Lehreinheiten geblockt und umfassten, laut Lehrplan, insgesamt 30 Lehreinheiten.

Kannst du uns ein bisschen vom Ablauf des Unterrichts erzählen?

Zu Beginn der Ausbildung zur vegan-vegetarischen Fachkraft befassten sich die Schüler_innen mit dem theoretischen Hintergrund, Basisprodukten und grundlegenden Zubereitungsarten der vegan-vegetarischen Ernährung und Küche. Dabei arbeiteten sie mit dem Handbuch der pflanzlichen Küche und den Videos auf der Homepage von Vegucation. Nach der Theorie ging es dann für die Schüler_innen in die Küche, wo sie ihr erworbenes Wissen praktisch umsetzten. Mithilfe des Rezeptheftes und weiteren veganen Rezepturen bereiteten sie alleine oder im Team die verschiedensten Speisen zu.

Vor jedem Praxisblock teilten wir die Rezepturen unter den Schüler_innen auf, besprachen die wichtigsten Schritte und dann arbeiteten sie selbstständig in der Küche. Die fertig zubereiteten Speisen wurden anschließend als Buffet aufgebaut, sodass jeder die einzelnen Gerichte verkosten konnte. Beim gemeinsamen Essen tauschten wir dann Erfahrungen mit den „ungewohnt“ neuen Produkten aus und diskutierten darüber. Dabei wurde auch immer positives Feedback gegeben.

Welche Inhalte und Rezepte sind besonders gut angekommen?

Im theoretischen Teil der Ausbildung zeigten die Schüler_innen beim Kennenlernen der Basisprodukte großes Interesse. Besonders die Verkostung fleischloser Alternativen wie veganer Wurst, Aufstriche und Käse gefiel ihnen. Mir war wichtig, den Schüler_innen aufzuzeigen, dass es nicht schwer ist normale Rezepturen, die sie aus dem Kochunterricht kennen, in vegane Gerichte zu verändern. In der Küche konnte ich die zukünftigen veganen Köche mit den Süßspeisen überzeugen: der vegane Apfel-Streuselkuchen oder vegane Muffins wurden sogar von ihnen zuhause nachgekocht.

Wie war das Feedback der Schüler_innen während der Einheiten und danach?

Die Ausbildung erntete durchwegs positives Feedback. Die Schüler_innen arbeiteten während den theoretischen Einheiten mit großem Interesse, und das am Freitagnachmittag. Sie frischten durch aktuelle Themen den Lehrstoff auf, sodass viele Meinungen und Sichtweisen ausgetauscht wurden. In der Küche konnte ich bei den Schüler_innen großes Interesse an den neuen Produkten sehen. Sie verarbeiteten für sie nicht alltägliche Lebensmittel zu wunderbaren Speisen. Einige überzeugten auch Familienmitglieder, indem sie die Rezepturen zuhause nachkochten, was die Fotos, die sie mir in den nächsten Einheiten zeigten, bestätigten.

Wie ist das Angebot bei den Kolleg_innen, der Schule, den Eltern etc. angekommen?

Die Ausbildung kam in der Schule so gut an, dass wir mit den zukünftigen veganen Köchen an einer Veranstaltung teilnehmen durften. Da wir im Unterrichtsgegenstand Unternehmens- und Dienstleistungsmanagement an unserer Schule ein Abendessen für Direktoren und Lehrkräfte der Neuen Mittelschulen planten, bezogen wir meine „veganen Köche und Köchinnen“ in der Küche mit ein. Das 4-gängige Abendmenü bestand aus rein veganen Speisen: von dem Couvert (Aufstrich und Brot) angefangen über Vorspeise, Suppe und Hauptspeise, bis hin zur Nachspeise bereiteten die 17 Schüler_innen die Gerichte zeit- und fachgerecht und vor allem geschmacklich top zu. Dabei leisteten sie wunderbare Arbeit, auf die ich sehr stolz bin und gerne zurückblicke.

Willst du die Ausbildung in Zukunft weiterhin anbieten und glaubst du, dass Interesse besteht?

Nach der gelungenen ersten Ausbildung der Zusatzqualifikation an meiner Schule biete ich die Ausbildung natürlich weiterhin an. Ich denke, die Schüler_innen zeigen immer mehr Interesse an alternativen Lebensmitteln und Speisen. Da unsere Schule eine HLW ist und sich mit der Gastronomie intensiv auseinandersetzt, ist es unerlässlich, sich in dem Bereich alternativer Ernährungsformen und praktischer Umsetzung immer neu zu orientieren. Außerdem hat mir die Arbeit mit den Schüler_innen während der Zusatzqualifikation wahnsinnig Spaß gemacht. Ihr Interesse und Engagement hat mich in meinem Tun bestätigt.

Mehr Informationen zum Projekt Vegucation unter www.vegucation.at