Hütten-Einkehr in Österreich - aber vegan bitte | Vegane Gesellschaft Österreich

Hütten-Einkehr in Österreich - aber vegan bitte

03.05.2019

Ob Wandern oder Skifahren – in Österreich liebt man bekanntlich die Berge. Fast noch beliebter als die Outdoor-Aktivität selbst: das Einkehren.

Noch bis vor einiger Zeit hätte man sich als Veganer_in wahrscheinlich kaum getraut, auf einer Hütte in den Bergen zu fragen, ob auf der Karte auch etwas Veganes dabei ist. Nachdem die vegane Lebensweise in den letzten Jahren jedoch immer mehr Anhänger_innen findet, ist „vegan“ auf vielen Berghütten inzwischen kein Fremdwort mehr.

Foto: Benjamin Simhofer

Benjamin Simhofer ist seit 2015 bei der Bergrettung im Rax-Schneeberg-Gebiet und schon von Kindheit an in den Bergen unterwegs. Er lebt außerdem seit fünf Jahren vegan und hat im Laufe der Zeit einiges an Erfahrung gesammelt, was den veganen Lebensstil als Bergsteiger angeht. „Veganismus am Berg stellt für mich keine allzu große Herausforderung dar – nur ein Stück mehr Planung wird abverlangt“, so Benjamin. Auf den meisten Hütten liefe die Kommunikation nach wie vor per Telefon ab, besonders wenn es um Übernachtungen geht, so Simhofer. Gerade deshalb sei es meistens kein Problem, bei der Verpflegung auf die vegane Ernährung hinzuweisen. „Nach meinen Erfahrungen gab es an dieser Stelle noch nie Probleme. Das Frühstück findet meist als Buffet statt. Brot, Marmelade und Gemüse gibt es so gut wie immer“, meint er. Auch die Mahlzeiten seien meist vollwertig, oft auf Basis von Kartoffeln, Reis, Nudeln oder Linsen. Das einzige Problem: die Mehlspeisen. Dafür bieten aber die meisten Hütten Obst und auch Mannerschnitten an.

Viele Hütten haben auch ohne vorige Absprache inzwischen ein breites veganes Angebot. Mit Nachfragen ist man zwar stets auf der sicheren Seite – in den folgenden Betrieben ist man als Veganer_in jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit gerne gesehen.

Region Hochkönig (Salzburg)

www.hochkoenig.at
Die Region Hochkönig in Salzburg wirbt damit, die weltweit erste zertifizierte vegane Region mit veganem Angebot auf zahlreichen Hütten zu sein. Tatsächlich wurde die Region von der Veganen Gesellschaft Österreich mit dem V-Label zertifiziert. Die Kriterien, um in der Region Hochkönig als veganer Betrieb zu gelten: mindestens ein veganes Gericht sowie ein veganes Getränk auf der Speisekarte. Zudem bietet die Region vegane Hotels und Unterkünfte an – um hier als veganer Betrieb zertifiziert zu sein, muss ein veganes Frühstücksangebot sowie ein veganes, täglich wechselndes Menü vorhanden sein. Folgende Berghütten erfüllen die Kriterien der Region Hochkönig und bieten ein veganes Angebot:
Maria Alm: Steinbockalm, Wastlalm, Tischlerhütte und Jufenalm
Dienten: Zachhofalm, Gabühlehütte
Mühlbach: Karbachalm, Tiergartenalm, Zapferlalm, Fellersbachalm und Pronebenalm (nur Sommer)

Schiestlhaus – Hochschwabgruppe (Steiermark)

www.schiestlhaus.at
Auf 2.154 Meter gelegen, ist das Schiestlhaus die höchste Schutzhütte in der Hochschwabgruppe. Zwar ist das Schiestlhaus kein zertifiziert veganer Betrieb – jedoch werden Veganer_innen mit Freude empfangen und Gerichte speziell zubereitet. Zwei bis drei vegane Gerichte sind stets auf der Speisekarte zu finden und auch veganes Frühstück wird angeboten. Neben Veganer_innen sind im Übrigen auch Hunde willkommen und werden bestens versorgt.

Karl-Ludwig-Haus – Rax-Schneeberg-Gruppe (Steiermark)

www.karlludwighaus.at
Am südöstlichen Rand des Rax-Hochplateus auf einer Höhe von 1.804 Metern gelegen, bietet das Karl-Ludwig-Haus ein überdurchschnittlich hohes Angebot für Veganer_innen: Das vegane Sortiment macht stets 30 bis 40 Prozent der Speisekarte aus, in jeder Produktkategorie gibt es mindestens eine vegane Alternative und auch das Frühstück bietet vegane Optionen. Zudem ist die Hütte bio-zertifiziert.

Foto: Gerold Hubmer, Karl-Ludwig-Haus

Gjaid Alm – Dachsteingebirge (Oberösterreich)

www.gjaid.at
Auf 1.738 Metern im Dachsteingebirge, Oberösterreich, findet man die Gjaid Alm. Essenstechnisch ist hier für jede_n etwas dabei: Beim Frühstücks- und Abendbuffet werden neben nicht-veganen Klassikern auch vegetarische und vegane Speisen angeboten. Alle Zutaten stammen aus nachhaltiger biologischer Landwirtschaft.

Langtalereckhütte (Karlsruher Hütte) – Ötztal (Tirol)

www.alpenverein-karlsruhe.de/huetten/langtalereckhuette
Die Hütte des Karlsruher Alpenvereins liegt auf 2.480 Meter Höhe im Ötztal. Hier werden typische Tiroler Gerichte serviert, die auch auf Veganer_innen sowie Allergiker_innen abgestimmt sind. Alle Zutaten stammen aus eigener Landwirtschaft.

Foto: Gerold Hubmer, Karl-Ludwig-Haus

Falls es doch mal etwas länger bis zur nächsten Hütte dauern sollte, hat Benjamin Simhofer außerdem einige Tipps, wie man als Veganer_in am Berg problemlos längere Touren übersteht. „Als Verpflegung für eine Tour sind meine absoluten Favoriten Trockenfrüchte und Nüsse. Sie sind leicht, benötigen wenig Platz, liefern viel Energie, haben eine sehr lange Haltbarkeit und können bei der nächsten Tour gleich wieder verwendet werden. Im Rucksack werden sie nicht zerdrückt und benötigen generell eine minimale Verpackung“, so Simhofer. Außerdem sei es wichtig, vor jeder Tour ein sättigendes Frühstück zu sich zu nehmen und einen ausreichenden Vorrat an Wasser mit sich zu führen.