Kosmetik und Pflegeprodukte | Vegane Gesellschaft Österreich

Kosmetik und Pflegeprodukte

03.07.2015

Veganismus bezieht alle Lebensbereiche mit ein, so auch Kosmetika und Pflegeprodukte in unseren Badezimmern. Doch wo verstecken sich tierische Bestandteile in welchen Produkten? Und ist der Blick auf die Inhaltsstoffangaben ausreichend?

Naturkosmetik

Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs:

Unglücklicherweise findet eine Vielzahl an Stoffen tierischen Ursprungs ihren Weg in Shampoos, Duschgels, Cremes, Lotionen sowie Kosmetikartikel vom Lippenstift bis zur Wimperntusche. Auf diese wird nicht auf Grund deren höherer Qualität oder aus Mangel an Alternativen zurückgegriffen. Sie sind schlichtweg günstiger, da sie als Nebenprodukte der riesigen Tierindustrie in großen Mengen anfallen. Fettsäuren aus Schweinemägen, Kollagen aus Schweine- oder Fischhäuten, Keratin aus Hörnern und Hufen, Knochenmehl oder sogar Fruchtwasser sind häufig verwendete Stoffe. Wollfett, Bienenwachs, Karmin aus Blattschildläusen, Perlen-, oder Seidenpulver sind ebenfalls gängige Bestandteile konventioneller Pflege- und Kosmetikartikel. Diese tauchen allerdings in Form der sogenannten INCI (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) auf der Verpackungsrückseite auf und wirken auf das chemisch nicht so versierte Auge auf den ersten Blick recht harmlos: So verbirgt sich zum Beispiel hinter „anmiotic fluid“ das Fruchtwasser, hinter „Lanolin“ das Wollfett, oder hinter „stearic acid“ die Schweinemagen-Fettsäure. Eine ausführliche Auflistung aller möglichen tierischen Bestandteile in Pflege- und Kosmetikartikeln ist hier zu finden.

Wer nun rein pflanzliche Produkte bevorzugen möchte, ohne ellenlange Inhaltsstofflisten auswendig zu lernen, kann sich erfreulicherweise auf das vegane V-Label oder das englische Veganblume-Siegel verlassen. Das internationale V-Label wird von professionellen, nationalen Teams der führenden Veggie-Organisationen kontrolliert und vergeben. Neben einer strengen Prüfung der einzelnen Produkte erhält auch jeder Hersteller eine regelmäßige Kontrolle vor Ort. Die Veganblume wird von der Vegan Society England verliehen. Für beide Gütesiegel ist die Vegane Gesellschaft Österreich Ansprechpartnerin für eine Lizenzierung.

Tierversuche für Kosmetika:

Eine große Problematik, die Kosmetika umgibt, betrifft allerdings nicht nur die Inhaltsstoffe, die im Endprodukt verwendet werden, sondern auch die Durchführung von grausamen Tierversuchen. Seit dem 11. März 2013 dürfen an Tieren getestete Kosmetika und deren Inhaltsstoffe nicht mehr in die EU eingeführt werden. Dieses Datum markiert einen Meilenstein im Kampf gegen Tierversuche, es sind jedoch noch Schlupflöcher und Ausnahmen vorhanden.
Einerseits unterliegen neue chemische Rohstoffe der Chemikalienverordnung (REACH), die Toxizitätstest im Tierversuch vorschreibt. Um nun nicht unter das Tierversuchsverbotsgesetz für Kosmetika zu fallen, werden die Stoffe noch in anderen Bereichen eingesetzt (etwa für Putzmittel, Färbemittel, Medikamente usw.). So werden etwa 90 % der Inhaltsstoffe der Kosmetikartikel weiterhin an Tieren getestet. Hierbei fallen vordergründig die Profitmaximierung der Konzerne und der Druck, sich durch ständige neue und „innovative“ Inhaltsstoffe von der Konkurrenz abzuheben, ins Gewicht. Altbewährte Stoffe müssen beispielsweise nicht (mehr) an Tieren getestet werden.

Vegane Produkte:

Das vegane V-Label, die Siegel des IHTK (Internationaler Herstellerverband gegen Tierversuche in der Kosmetik), der Vegan Society, der ECEAE (European Coalition to End Animal Experiments) und die PETA-Positivliste garantieren tierversuchsfreie Produkte und unterliegen strengen Kontrollen.

Eine Liste mit Geschäften und Online-Shops, die vegane und tierversuchsfreie Kosmetik – und Pflegeprodukte anbieten, gibt’s im VGT-Einkaufsführer oder bei animal.fair. Die Drogerieketten DM und Bipa haben eigene größtenteils vegane und umweltfreundliche Kosmetik, Pflege, Wasch- und Putzmittel. Maran Vegan in Wien führt ebenfalls eine umfangreiche Produktpalette; ebenso wie die meisten Reformhäuser und Biogeschäfte österreichweit. Lush, welcher für seine kreativen Seifen und Badezusätzen beliebt ist, hat auch Hygieneartikel im Angebot.

Generell lohnt sich auch der Griff zu zertifizierter Naturkosmetik mit Rohstoffen aus biologischem Anbau, denn diese ist in den meisten Fällen schonender für die eigene Haut und die Umwelt! Der Wiener Seifenhersteller Alles Seife auf dem Naschmarkt hat zum Beispiel ein tolles Angebot an handgemachten, veganen und palmölfreien Seifen und Badekosmetik, die ebenfalls im Onlineshop bestellt werden können. Auch die Tiroler Seifenmanufaktur Neururer stellt biologische, V-Label zertifizierte Seifen aller Art her.

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