US-Milchpreisbetrug: Milchverbände zu 52 Millionen Dollar Strafzahlungen verurteilt | Vegane Gesellschaft Österreich

US-Milchpreisbetrug: Milchverbände zu 52 Millionen Dollar Strafzahlungen verurteilt

21.09.2016

Der Fall der „Pensionierung“ von einer halben Milliarde Kühe

Die Milchindustrie in den USA sah sich in den letzten Jahren mit mehreren Problemen konfrontiert, darunter der sinkende Milchkonsum der Bevölkerung und ein Überangebot an Milch. Der daraus folgende, sinkende Milchpreis wollte von den Milchverbänden bekämpft werden. Eingeführt wurde das sogenannte „Milchkuhherden-Pensionierungsprogramm“ („Dairy Herd Retirement Program“).

Dieses euphemistisch betitelte Programm diente dazu Kuhherden von kleineren, oftmals unter Wettbewerbsdruck leidenden Landwirten zu kaufen. Die gesunden, jungen Kühe wurden im Anschluss getötet, um das Milchangebot zu senken und den Milchpreis in die Höhe zu treiben. So wurden zwischen 2003 und 2010 500.000 Kühe frühzeitig geschlachtet. Dadurch sank das nationale Milchangebot um etwa 5 Millionen Tonnen. Diese Taktik ist nicht nur ethisch verwerflich, sondern auch illegal, denn gesetzliche Kartellregelungen verbieten derartige Preismanipulationen. Der Betrug betraf auch die Konsument_innen, da sie wegen der Geldgier der Milchindustrie höhere Preise bezahlen mussten. Insgesamt soll die Milchindustrie durch die illegale Preisbeeinflussung 9,5 Milliarden US-Dollar Umsatz erzielt haben.

Jahrelanger Prozess und Konsumentenentschädigung in Millionenhöhe

Die Tierschutzorganisation „Compassion Over Killing“ hat den Preisbetrug aufgedeckt und 2011 mit einer kalifornischen Kanzlei eine Klage gegen die US-Milchverbände eingebracht. Hauptanklagepunkt war die Konsumentenschädigung wegen künstlicher Erhöhung der Milchpreise. Nach über fünf Jahren wurde im September 2016 das Gerichtsurteil verkündet: Die betroffenen Milchverbände wurden zu 52 Millionen Dollar Strafzahlungen verurteilt. Konsument_innen, die im Zeitraum von 2003 bis 2010 Milch und Milchprodukte in gewissen US-Bundesstaaten gekauft haben, können um eine finanzielle Entschädigung ansuchen.

Die Skrupellosigkeit der Milchindustrie

Das beschriebene Vorgehen der US-Milchverbände verdeutlicht einmal mehr, dass die Milchindustrie von Profitstreben angetrieben wird. Das Leben von Kühen hat keinen oder einen nur sehr geringen Wert und wird leichtsinnig zur Preismanipulation geopfert. Kühe werden nicht als empfindsame, leidensfähige und soziale Lebewesen wahrgenommen, sondern als Maschinen, die Input wie Gras, Soja und Getreide in den Output Milch umwandeln.

Die Skrupellosigkeit der Milchindustrie kennt aber auch ohne derartige Preisbetrüge scheinbar keine Grenzen: Zur Maximierung der Milchleistung werden Kühe beinahe während ihres ganzen Lebens gemolken und mehrmals zwangsbefruchtet. Die Kälber werden ihren Müttern meist innerhalb weniger Stunden entzogen, damit diese nicht zu viel an den Menschen verkaufbare Milch trinken. Männliche Kälber werden wenige Wochen nach deren Geburt geschlachtet, viele der weiblichen Kälber erfahren dasselbe tragische Schicksal wie ihre Mütter. Nach etwa fünf Jahren sind Milchkühe derart erschöpft, dass ihre Milchleistung nachlässt und sie aus „Effizienzgründen“ getötet werden. Mehr über das Leben von Kühen und die Milchindustrie finden Sie auf den unterlegten Links.

Foto: Fotolia|Agnes