Vegan & Sport | Vegane Gesellschaft Österreich

Vegan & Sport

10.07.2015

Das Vorurteil, dass eine vegane Ernährung für Athlet_innen ungeeignet sein könnte, widerlegt ihr drei eindrucksvoll mit euren sportlichen Leistungen. Aus welchen Gründen habt ihr begonnen, euch vegan zu ernähren?

JULIANE: Ich habe mich schon im Alter von 10, 11 Jahren mit Gesundheits- und Ernährungspolitik beschäftigt. Ich verstand schnell, dass die Gesundheitsindustrie von der Krankheit des Menschen lebt. Für mich war es selbstverständlich, dass Tiere bzw. Tierleichen keine Lebensmittel sind. Kein Mensch hat das Recht, Gott zu spielen und über Leben und Tod zu entscheiden. Zu dieser Zeit lebte ich vegetarisch. Auf den Veganismus kam ich dann über meine religiöse Ansicht, den Jainismus. Als oberste Priorität gilt hier die Gewaltlosigkeit gegenüber allen Lebewesen. Von da an ernährte ich mich vegan und lernte die Listen der tierversuchsfreien Hersteller auswendig. Zudem verzichtete ich auf Wolle, Leder usw. Vegan sein bedeutet für mich eine Lebensweise, die jede_r als selbstverständlich ansehen sollte.

THOMAS: Mit 14 wurde ich Vegetarier, weil ich nicht wollte, dass Tiere für mich sterben müssen. Dass ich konsequenterweise vegan leben müsste, war mir damals eigentlich auch schon bewusst. Aber ich hatte Angst davor und dachte mir, dass es sehr schwierig sei. Als ich in Graz zu studieren begann und eine eigene Wohnung hatte, wurden einige Leute in meinem Freundeskreis vegan und das war für mich die perfekte Gelegenheit, es auch zu versuchen. Ich merkte, dass es problemlos möglich ist, vegan zu leben, und konnte es mir nicht mehr anders vorstellen. Heute trage ich beim Laufen die vegane Message offen nach außen, um Menschen, die ähnliche Bedenken haben wie ich sie damals hatte zu einer veganen Lebensweise zu motivieren.

MELANIE: Kuhmilch habe ich schon als Kind nie getrunken, da meine Mutter erkannt hat, dass sie verschleimt. Mit der Ernährung musste ich mich in den letzten 4 Jahren aus drei Gründen vermehrt auseinandersetzen: Gesundheit, Hautprobleme und Gewichtsreduktion aufgrund der 60-kg-Gewichtsklasse im Boxsport. Dadurch, dass ich von meinem Körper durchgehend Leistung verlange, führe ich meinem Körper nur Nahrungsmittel zu, die ihn mit allen nötigen Nährstoffen versorgen ohne ihn zu belasten. Mit Belastung meine ich tierische Proteine, die zu Übersäuerung und Hautproblemen führen und meine Regenerationszeit verlängern anstatt zu verkürzen.

Hat sich die Ernährungsumstellung auf eure Leistungen ausgewirkt?

MELANIE: Ja, bei mir hat sie sich sehr positiv ausgewirkt. Ich habe eine enorme Leistungssteigerung und eine schnellere Regenerationsfähigkeit wahrgenommen.

JULIANE: Bei mir ebenfalls. Ich spürte bereits nach wenigen Wochen einen unbeschreiblichen Energieschub, mehr Vitalität und „Reinheit“. Ich bekam mehr Ausdauer und Kraft. Die Erholungszeit verkürzte sich. Irgendwie wurde ich nicht mehr müde, egal wie viele Stunden Sport ich absolvierte.

THOMAS: Da ich ungefähr dann mit dem Lauftraining begonnen habe als ich vegan wurde, kann ich das schwer beurteilen. Geschadet hat es mir sicher nicht.

VEGAN.AT: Wie gestaltet ihr euer Training?

MELANIE: Unter der Woche mache ich fast täglich eine Morgen- und eine Abendeinheit. Morgens trainiere ich die allgemeine Athletik, also Kraft bzw. Ausdauer. Abends fahre ich in den Jab-Club zum Boxtraining. So komme ich auf ca. 9 Trainingseinheiten pro Woche.

THOMAS: Der Großteil meines Trainings besteht aus Laufen. Von Tempoläufen über Intervalltraining und lange Dauerläufe bis hin zu ruhigen Erholungsläufen ist da alles dabei. Wichtig ist mir, dass ich immer wieder neue Reize setze. Neben den Läufen mache ich Koordinations-, Kraft- und Stabilisationstraining und ein bisschen Dehnen.

JULIANE: Neben dem Tanzsport betreibe ich seit 2010 auch Bodybuilding. Ein durchschnittlicher Tag enthält bei mir 1 – 2 Stunden Breakdance-Training, zweimal 30 Minuten Stretching sowie 1,5 Stunden Training im Fitnessstudio. Hinzu kommt meine Arbeit in meinem eigenen Tanzstudio „Dance Emotion“ in Bozen mit Tanzkursen, Zumba, Fitnesskursen und Personal Training. So komme ich auf rund 7- 10 Stunden Bewegung am Tag. Die körperliche Anstrengung kann ich nur durch eine optimale Ernährung meistern.

Wie häufig nehmt ihr an Wettkämpfen teil?

JULIANE: Da ich mir die Zeit gut einteilen muss, bestreite ich nur mehr größere Breakdance-Turniere. Dazu zählen Italienmeisterschaft, Italienpokal, Europameisterschaft, Weltmeisterschaft.

MELANIE: In 4 Jahren habe ich 40 Boxkämpfe bestritten. Es sind ca. 10 Wettkämpfe bzw. Turniere pro Jahr. Es kommen aber nicht immer alle 10 zustande.

THOMAS: Ich habe meist 2 – 3 wichtige Wettkämpfe pro Jahr, für die ich mich gezielt vorbereite. Diese sind momentan meist Marathon- oder Bergmarathonmeisterschaften. Dazwischen nehme ich alle paar Wochen an meist kürzeren Wettkämpfen teil, um sie als Training für die wichtigen Wettkämpfe zu nutzen – und weil es mir einfach Spaß macht. Da ist vom 3000-m-Bahnrennen über 10-km-Straßen- und Berglauf, Halbmarathon bis zum (Ultra-) Marathon so ziemlich alles dabei.

Juliane, da es im Breakdance keine Geschlechtertrennung gibt, musst du dich regelmäßig gegen Männer durchsetzen.

JULIANE: Ja, Männer und Frauen tanzen beim Breakdance in derselben Kategorie. Deshalb ist für mich fast jedes Turnier ein Erfolgserlebnis: Ich mische in einer Männerdomäne und zugleich in der höchsten Kategorie ganz vorne mit.

Worauf achtet ihr bei der Ernährung, was esst ihr bevorzugt?

MELANIE: Dadurch, dass ich von meinem Körper durchgehend Leistung verlange, versuche ich, ihn mit allen nötigen Nährstoffen zu versorgen, ohne ihn zu belasten. Das bedeutet, es kommt viel Gemüse und Obst auf den Teller oder in meinen Revoblend-Highspeed-Mixer. Einen grünen Smoothie mit den Superfoods der Firma Feinstoff trinke ich fast täglich. Weiters esse ich Pseudogetreide, Hülsenfrüchte und selbstgebackenes Brot aus frisch gemahlenem Mehl. Da ich sehr gerne Süßes esse, aber auf mein Gewicht achten muss, verzichte ich auf raffinierten Zucker und Weißmehlprodukte, dafür mache ich mir selbst roh-vegane Pralinen, Schokolade und Energieriegel.

THOMAS: Ich achte vor allem darauf, wann ich was esse. Vor dem Laufen esse ich lieber zu wenig als zu viel und nach dem Laufen ist es mir wichtig, dass ich gleich was zu essen habe, um die Speicher wieder aufzufüllen und eine gute Regeneration einzuleiten. Dabei versuche ich, möglichst zwei große Mahlzeiten am Tag zu mir zu nehmen. Generell achte ich aber beim Essen weniger auf die Kalorien, sondern mehr darauf, dass ich möglichst viel Hochwertiges wie Gemüse und Obst zu mir nehme. Zwischendurch esse ich aber auch gerne veganes Junk-Food. Bei den Portionsgrößen achte ich darauf, dass sie meinem Appetit angepasst sind, denn wenn ich zu viel auf einmal esse, fühlt sich das nicht so angenehm an.

JULIANE: Salz, Zucker und Öl existieren auf meinem Speiseplan nicht. Zudem meide ich Soja, Hefe und Bohnen. Hanfmilch, vegane Burger usw. bereite ich zu Hause selbst zu. Zu meinen bevorzugten Nahrungsmitteln zählen Seitan, Lupinen, grünes Gemüse und Pilze sowie Reis und Kartoffeln. Durchschnittlich liegt mein Kalorienbedarf bei 5500 - 6000 kcal am Tag.

Thomas, du läufst für das „Team Vegan.at“, die Sportsektion der Veganen Gesellschaft Österreich. Kannst du kurz erläutern, was das genau ist und wie man Mitglied werden kann?

THOMAS: Das Team Vegan.at möchte zeigen, dass vegan lebende Menschen sowohl im Leistungs- als auch im Breitensport aktiv sind und diese dabei unterstützen. Um Mitglied zu werden, muss man sich nur vegan ernähren und Freude am Sport haben! Anmelden kann man sich per Mail an laufen@vegan.at oder auch demnächst auf unserer Website www.teamvegan.at.

Juliane Klotz

22, seit 9 Jahren vegan
Mehrfache italienische Meisterin im Breakdance und mehrmals unter den Top 5 bei der Weltmeisterschaft

Thomas Unger

27, seit 4 ½ Jahren vegan
Österreichischer Meister im Bergmarathon 2014
http://thomas-unger.blogspot.co.at

Melanie Fraunschiel

29, seit ca. 1 Jahr vegan
2-fache österreichische Staatsmeisterin im Boxen, 5. Platz bei EU-Meisterschaft
Foto: Martin Nitsch