Vegane Familien | Vegane Gesellschaft Österreich

Vegane Familien

25.06.2015

Vegane Eltern werden oft vor ganz besondere Herausforderungen gestellt. Zwei vegane Familien erzählen, wie sie ihren Alltag meistern, wie sie mit den Reaktionen ihres Umfelds umgehen und worauf sie bei der Ernährung achten.

Ihr lebt alle schon seit vielen Jahren vegan. Wie reagiert euer Umfeld auf eure vegane Lebensweise?

Maria und Darah: Im Großen und Ganzen positiv. Mein Papa hatte anfangs zwar etwas Angst um uns wegen möglicher Mangelerscheinungen, aber jetzt ist er selbst schon ein Veganprofi. Darah geht in den Waldorfkindergarten, wo es ohnehin nur vegetarisch und bio gibt. Ich glaube, sie waren dort anfangs auch skeptisch, aber mittlerweile haben sie selbst gesagt, dass sie von allen die Einzige ist, die nie krank ist.

Chris, Kathi und Enio: Wir hatten nie wirklich Probleme. Das Schwierigste war unser Kinderarzt, welcher der Meinung ist, dass vegan werden jeder Person überlassen werden soll und wir deswegen Enio von Anfang an Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier geben sollten. Nun ja, ansonsten ist er ein guter Arzt.

Der Austausch mit Gleichgesinnten wird häufig als hilfreich wahrgenommen. Seid ihr mit anderen veganen Familien befreundet?

Chris, Kathi und Enio: Wir haben schon länger vegane Freunde und Freundinnen, von denen auch einige vegane Kinder bekommen haben. Außerdem existieren Gruppen in sozialen Netzwerken, in denen sich Familien mit veganen Kindern austauschen und auch treffen. Eine Nachbarin lebt jetzt auch seit Juli 2013 vegan und die Tochter wird auch immer interessierter. Sie ist Enios beste Freundin.

Maria und Darah
Maria und Darah

Maria (Yogalehrerin und Ringana-Mitarbeiter) und Darah (5 Jahre, geht in den Kindergarten), beide seit dreieinhalb Jahren vegan, davor vegetarisch

Bekommt ihr veganes Essen im Kindergarten?

Maria und Darah: Im Waldordkindergarten ist das Essen generell vegetarisch. Auf meine Bitte hin werden die anderen Tierprodukte auf ein Minimum reduziert. Es ist also dort nicht zu 100% vegan, aber schon nahe dran und wird immer mehr.

Chris, Kathi und Enio: Da wir prinzipiell gegen Fremdbetreuung sind und auch unser Bildungssystem als total falsch ansehen, ist es für uns keine Option, Enio in den Kindergarten oder die Schule zu stecken – mit der einzigen Ausnahme, dass er es aus eigenem Willen selbst wollen würde. Wir werden ihn dabei unterstützen, seine Interessen und Begabungen zu finden und auszuleben (Freilernen - Unschooling), so dass er in seinem weiteren Leben diese auch wahrnehmen kann. Auch wollen wir ihm in diesem Sinne das angeborene und begeisterte Lernen bewahren, denn das Leben ist Lernen.

Was macht ihr bei Kindergeburtstagen, wenn die anderen Kinder Unveganes bekommen?

Chris, Kathi und Enio: Dazu ein Fall, der dafür repräsentativ ist: Enio war mit 2 ½ bei einem Kindergeburtstag bei Nachbarn. Enio ging mit den anderen Kindern in das Kinderzimmer in einem anderen Stockwerk. Nach einiger Zeit hören wir ihn laut „Mama!“ rufen. Kathi ging zu ihm und er zeigte auf den Tisch, auf dem salziges Naschzeug lag, und fragte: „Ist das vegan?“. Es war leider nicht vegan, was Kathi ihm mitteilte. Er hat es, obwohl alle anderen Kinder fleißig zugriffen, nicht angerührt. Wir hatten ihm nie gesagt, dass er etwas nicht essen darf.

Maria und Darah: Meine Tochter war diesen Monat auf zwei Kindergeburtstagen. Bei einem wurde sogar extra ein veganer Kuchen gebacken, es gab zu Gemüsesticks zwei vegane Dips und Sojamilch war auch da, bei dem anderen wurden extra vegane Würstchen und Gummibärchen gekauft. Wenn es sonst nix gibt, darf meine Tochter aber auf Geburtstagen auch mal Kuchen essen, wenn sie will, auch wenn er nicht vegan ist, solange keine Gelatine oder zerquetschte Läuse drin sind.

Wie erklärt ihr (Eltern) euren Kindern, dass ihr anders esst als die anderen?

Maria und Darah: Ich habe Darah erklärt, dass ich nicht will, dass andere Tiere für uns sterben müssen und Tierkinder von ihren Müttern getrennt werden. Die ganz grausamen Details habe ich natürlich weggelassen, obwohl sie auf der ein oder anderen Demo auch schon blutige Bilder gesehen hat. Sie sagt mittlerweile selbst, dass sie Tiere liebt, aber nicht zum Essen. Sie weiß auch, dass gewisse Sachen nicht gesund sind.

Chris, Kathi und Enio: Wir haben ihm einfach gesagt, dass wir keine Tiere essen, Kuhmilch nur für Kuhbabys ist, nicht wollen, dass Tiere eingesperrt sind und wir nur Produkte zu uns nehmen, die vegan sind. Im Supermarkt kommt er oft mit Sachen, die er nicht kennt und fragt uns, ob diese vegan sind. Wenn sie es nicht sind, dann legt er sie einfach wieder zurück. Wenn sie es sind, fragt er, ob er sie haben darf, damit er sie kosten kann.

Wie sieht eure Ernährung aus? Worauf achtet ihr?

Chris, Kathi und Enio: Abwechslungsreich, vollwertig, offen für Neues und viel frisches Obst und Gemüse. Es kommt immer wieder vor, dass Enio auf dem Nachhauseweg vom Einkaufen sich z.B. vom Brokkoli Rosen abzweigt und sie gleich roh isst. B12 nehmen wir vorsichtshalber zu uns, nachdem wir ja wissen, dass es im Fleisch und in Milchprodukten heutzutage ja sowieso nur mehr vorhanden ist, weil es den armen Tieren zugeführt wird. Wir nehmen es somit direkt auf, was sicher besser ist.

Maria und Darah: Wir essen viel Obst und Gemüse, roh und gekocht, trinken auch immer mal wieder grüne Smoothies. Ich bin ein Fan von Superfoods, Chiasamen gibts bei uns regelmäßig, ansonsten essen wir aber auch „ganz normale“ Sachen, die andere auch essen, wie (Soja-) Schnitzel oder Pizza und Nudeln. Und wir naschen auch gerne, es gibt ja sehr leckere vegane und faire Schokolade, oder wir machen uns selbst Eis oder Chia-Schokopudding, damit wir auch gesund naschen.

Welche Tipps habt ihr für andere vegane Familien und solche, die es werden wollen?

Maria und Darah: Vernetzt euch! Gerade bei der Umstellung ist man oft noch sehr unsicher und da kommen dann schon mal blöde Kommentare oder eben die klassischen Sätze wie: „Das ist für Kinder gefährlich“, die eine_n zweifeln lassen können. Da hilft es schon ungemein, wenn man erstens mit Gleichgesinnten in Kontakt ist und zweitens sieht, dass es sehr viele Kinder gibt, die vegan leben und quietschfidel durchs Leben springen.

Chris, Kathi und Enio: Das Wichtigste ist, sich nie von anderen einreden zu lassen, dass es falsch ist, sich vegan zu ernähren, speziell wenn es Babys oder (Klein-)Kinder betrifft. Einfach dazu stehen und sich nicht verunsichern lassen.

Gibt es noch etwas, das ihr gerne mitteilen möchtet?

Maria und Darah: Ich freue mich sehr, dass sich die letzten Jahre so viel getan hat. Es ist so wichtig, unseren Kindern ihre angeborene Empathie nicht abzutrainieren. Lokah samastah sukhino bhavantu: Mögen alle Wesen überall glücklich und frei sein, und mögen meine Gedanken, Worte und Taten ihren Beitrag zu diesem Glück und dieser Freiheit aller leisten.

Kath, Chris und Enio
Kathi, Chris und Enio

Kathi (Psychologische Ernährungsfachfrau, vegan seit 11 Jahren), Chris (Systemprogrammierer, vegan seit 17 Jahren) und Enio (4 Jahre, seit Entstehung vegan)

Chris, Kathi und Enio: In unseren Augen ist es nicht nur wichtig vegan zu leben, um auch den nächsten Generationen noch ein Leben auf unserem (noch!) wunderschönen Planeten zu sichern, sondern auch, ein Umdenken im Allgemeinen anzugehen. Sprüche wie: „Ohne Schule wird er_sie später keinen Job bekommen!“ sind nur dann richtig, wenn wir denken, dass es so weitergehen muss/kann wie bisher. Aber es kann nicht richtig sein, dass unsere „Wirtschaft“ jedes Jahr wachsen muss – wohin denn? Dass es in Ordnung ist, dass einige wenige Geld verdienen, welches 99% der Menschen nicht einmal andeutungsweise verdienen können, geschweige denn verstehen können; dafür andere Menschen verhungern oder als Sklav_inn_en, um den Wohlstand bei uns aufrecht zu erhalten und die Reichen noch reicher zu machen, sieben Tage die Woche 14 Stunden täglich arbeiten müssen. Wir sollten alle daran arbeiten, die Welt wieder für uns alle lebenswert zu machen. Gemeinsam die Erfindungen für eine schönere Welt für alle verwenden – anstatt Patente, um wenige reich zu machen. Gemeinsam schauen, dass wir alles teilen – Wissen und auch materielle Sachen. Und jede (!) Arbeit – egal ob Feldarbeit, Managerarbeit, Bauarbeit, Reinigungsarbeit, Unterhaltungsarbeit sollten gleich behandelt werden. So können alle konstruktiv und gemeinsam ein schönes Leben leben. Schütze Leben in allen Bereichen – go vegan!

Vielen Dank für eure Antworten!