Zwei Kühe - Zwei Leben | Vegane Gesellschaft Österreich

Zwei Kühe - Zwei Leben

29.05.2015

Lara

Ein Leben in der Milchwirtschaft

Der Alltag von Lara: Sie steht angebunden im Stall, ist also am Kopf mit einer Kette fixiert. Dauernde Anbindehaltung ist zwar in Österreich verboten, doch zahlreiche Ausnahmeregelungen machen es möglich, dass Lara außer Aufstehen und Niederlegen auf den harten Betonboden keinerlei Bewegungsmöglichkeiten bleiben. Zweimal am Tag wird sie maschinell gemolken. 6.500 Liter muss sie jährlich liefern. Zum Vergleich: 1959 lag die Milchleistung noch bei durchschnittlich 1.500 Litern pro Kuh. Damit dies möglich ist, bekommt sie konzentrierte Getreide-Protein-Pellets als Nahrung. Außerdem gehört sie einer hochgezüchteten Rasse an, was dazu führte, dass sie bereits jetzt, nach nur 5 Lebensjahren, komplett ausgelaugt und krank ist.

Lara im Stall
Lara muss ihr Leben angebunden im Stall fristen.

Künstlich besamt, Kinder entrissen

Lara wurden im Alter von wenigen Tagen ohne Betäubung die Hornansätze mit einem Brenneisen ausgebrannt. Mit 18 Monaten wurde sie zum ersten Mal künstlich besamt. 9 Monate später brachte sie ihr erstes Kind zur Welt. Wie glücklich war sie, als sie nach den Strapazen der Geburt ihr gesundes Baby trockenlecken durfte! Doch schon wenige Stunden später wurde ihr das Kalb entrissen, um eine enge Bindung zwischen Mutter und Kind zu verhindern. Der Verlust war für sie ein völlig traumatisierendes Erlebnis. Tagelang rief sie nach ihrem Kleinen, doch niemand reagierte auf ihre Verzweiflung. Die Milch, die sie nun produzierte, wurde ihr mittels Melkmaschine abgepumpt. Schließlich entschied der Mensch, dass die für ihr Kalb gedachte Muttermilch ihm zustehen würde. Ihr Kind hingegen wurde, alleine auf sich gestellt, mit einem Milchaustauscher gefüttert, der Kälbermast zugeführt und schließlich getötet. Doch damit nicht genug: Um ihren hohen Milchfluss aufrecht zu erhalten, wurde Lara jedes Jahr aufs Neue gezwungen, ein Kalb zu gebären. Somit musste sie noch zwei weitere Male die Tortur von der Besamung bis hin zum Entriss des Kindes über sich ergehen lassen. Dabei wurde sie jeweils bis zum siebten Schwangerschaftsmonat gemolken, nur die zwei letzten Monate hatte sie Pause. Jetzt, nach drei Schwangerschaften, ist sie erschöpft und kann nicht mehr die von ihr erwartete hohe Milchleistung liefern. Somit ist Lara wirtschaftlich unrentabel und wird in Kürze zur Schlachtbank geführt werden.

Ketose, Euterentzündung und Klauenerkrankung

Wie auch viele andere Kühe leidet Lara unter Ketose. Als Wiederkäuerin ist sie für das Erbringen von hohen physischen Leistungen nicht geschaffen. Die Kohlenhydrate aus der Nahrung werden nämlich von Bakterien im Pansen zerlegt und stehen ihr nur in geringem Umfang als Energie zur Verfügung. Die übermäßige Milchproduktion ist jedoch sehr energieaufwändig. Es droht ein Energiedefizit, worauf der Körper mit der Freisetzung von Fetten reagiert. Dies führte zur Bildung einer Fettleber und dem Verlust von Körpermasse durch Eiweißabbau. Zudem hat Lara Mastitis, also Entzündungen der Milchdrüsen und Milchgänge, die durch die hohe Milchleistung und den maschinellen Milchentzug begünstigt werden. Ein Teil ihres Euters ist vergrößert, rot und tut weh. Das Berühren und damit auch das Melken sind sehr unangenehm. Außerdem leidet sie unter einer schmerzenden Klauenerkrankung. Da ihr Euter aufgrund der hohen Milchleistung viel Blut braucht, kommt es zur Blutumverteilung. Andere Körperregionen haben dadurch ein Durchblutungs-Defizit. Zu diesen gehören die Klauen, wodurch Folgeschäden entstanden sind.

„Aber bio …“?

Wie jedes Säugetier gibt eine Kuh nur dann Milch, wenn sie ein Kalb geboren hat. Daher werden Kühe auch in der Biomilch-Produktion in Dauerschwangerschaft gehalten. Und auch hier wird das Kalb direkt nach der Geburt seiner Mutter entrissen und isoliert aufgezogen, damit der Mensch die Milch nutzen kann. Es wird entweder der Mast zugeführt oder muss als weibliche Kuh ebenfalls ständig Schwangerschaften austragen, um Milch für den Menschen zu produzieren.

Frieda

Ein Leben auf „Hof Butenland“

Frieda hatte Glück im Unglück: Sie ist im Kuhaltersheim „Hof Butenland“ gelandet, wo sie ein friedliches Leben in Würde und Selbstbestimmung führen darf. Die inzwischen 15-Jährige kann sich auf 30 Hektar Land frei bewegen, wo immer sie sich gerade aufhalten möchte: in einem der gemütlichen, mit Stroh ausgelegten Ställe, auf der grünen Weide oder unter schattigen Bäumen. Wasser sowie frisches Gras und Heu, die für sie ideale Nahrung, stehen stets zur freien Verfügung für sie bereit.

Frieda auf Hof Butenland
Die liebenswürdige Frieda genießt ihr Leben auf Hof Butenland.

Sensibles Herdentier

Die liebenswürdige Frieda genießt das Zusammenleben mit den 40 anderen Kühen auf Hof Butenland. Wie für Rinder üblich, ist Frieda ein soziales Tier. Sie pflegt innige Freundschaften mit den anderen Kühen, putzt sich gerne mit ihnen mit der Zunge. Inzwischen hat sie sich sogar zur Herdenchefin entwickelt und führt ihre Rolle gelassen, routiniert und selbstsicher aus. Bei Streitigkeiten innerhalb der Herde geht sie freundlich, aber bestimmt dazwischen. Neuankömmlingen bietet sie Sicherheit und Fürsorge. Auch Menschen gegenüber zeigt sie sich ausgesprochen freundlich und zutraulich – obwohl sie schon viel durchgemacht hat. Neben den offensichtlichen körperlichen Schäden haben die Jahre in der Milchwirtschaft auch massive psychische Schäden bei der sensiblen Frieda verursacht. Dennoch fühlt sie sich im Kuhaltersheim sichtlich wohl und hat Vertrauen in ihre Mitlebewesen: Sie lässt sich sogar gerne am ganzen Körper massieren und streicheln, was für Rinder ungewöhnlich ist.

Friedas Geschichte

Friedas Leben begann, wie in der Milchbranche üblich: Mit 18 Monaten die erste künstliche Besamung, 9 Monate später wurde ihr direkt nach der Geburt ihr erstes Kalb weggnommen. Friedas Milchleistung lag jedoch unter dem Durchschnitt: Sie gab „nur“ 5.000 Liter jährlich. Da dies für den Landwirt nicht rentabel war, wurde sie zur Gebärmaschine. Beim Embryotransfer werden einem „Spendertier“ nach hormonell manipulierter Superovulation, also einem mehrfachen Eisprung, sieben Tage alte Embryos entnommen und einem „Empfängertier“ eingepflanzt. Frieda musste die Prozedur als „Empfängertier“ mehrfach über sich ergehen lassen und durfte auch diese Kälber nicht kennenlernen. Nach dem dritten Kalb erlitt sie eine Beckenbänderdehnung und konnte lange Zeit vor Schmerzen und Erschöpfung weder stehen noch laufen. Ihr Tod schien so gut wie besiegelt, denn eine Kuh, die nicht genug Milch gibt und nicht mehr schwanger werden kann, ist nutzlos in der Milchwirtschaft. Frieda war bereits an den Schlachter verkauft, doch in allerletzter Minute konnte sie gerettet werden. Seit 10 Jahren lebt sie nun bereits glücklich auf Hof Butenland.

Was Sie tun können:

Abbildung Milchleistung pro Kuh
Kühe in der Milchindustrie müssen eine immer höhere Milchleistung erbringen.

Fotos:

VGT, Hof Butenland