Vegan und Zero Waste – geht beides? | Vegane Gesellschaft Österreich

Vegan und Zero Waste – geht beides?

11.09.2019

Wer sich mit veganer Ernährung auseinandersetzt, beschäftigt sich im Normalfall auch mit dem Schutz der Natur und den Lebewesen sowie dem Thema Gesundheit. Nicht nur der Konsum von tierischen Produkten stellt eine enorme Belastung für unsere Erde und unsere Gesundheit dar, sondern auch unser Abfall.

8,3 Milliarden Tonnen Plastik wurden seit den 1950er Jahren erzeugt. Das entspricht dem Gewicht von über einer Milliarde Elefanten. Aus etwa einem Drittel des Kunststoffes werden Verpackungen hergestellt. Nicht nur die fünf riesigen Plastikstrudel in unseren Meeren, sondern auch die zunehmende Menge an Mikroplastik führen zu immer schwerwiegenderen Problemen in unserer Natur. Laut zahlreichen Expert_innen soll 2050 sogar mehr Plastik im Meer schwimmen als Fische.

Mit dem Zero-Waste-Lifestyle soll dem ein Ende gesetzt werden. Zero Waste bedeutet nicht, dass gar kein Abfall mehr erzeugt wird. Mit dem Begriff ist gemeint den erzeugten Abfall, je nach Möglichkeit in der aktuellen Lebenssituation, zu minimieren und verantwortungsvoll zu konsumieren. Behandelt wird also nicht nur das Thema Abfallvermeidung, sondern auch Wiederverwendung, Recycling und Kompostierung.

Wer beginnt sich mit dem Thema Zero Waste zu beschäftigen, dem fällt vermutlich schnell auf, dass sehr viele Güter, die wir konsumieren oftmals gar nicht wichtig für ein glückliches Leben sind und am Ende ihrer Lebenszeit im Müll landen, ohne einen sinnvollen Verwendungszweck gehabt zu haben. Dazu zählen zum Beispiel zahlreiche Obst- und Gemüseverpackungen oder Werbegeschenke.

Vor allem beim täglichen Lebensmitteleinkauf fällt jede Menge Abfall an, der leicht zu vermeiden ist. Im Bereich Abfallvermeidung beim Lebensmitteleinkauf gibt es mittlerweile schon viele Schritte in die richtige Richtung, zum Beispiel Mehrwegtragetaschen für Obst und Gemüse. Dennoch gibt es viele Dinge, die es vor allem für Veganer_innen erschweren, Abfall beim Einkauf zu vermeiden. So kann man zum Beispiel in der Feinkostabteilung im Supermarkt bereits Fleisch und Käse in eigene Boxen abfüllen, für Tofu und vegane Käsealternativen gibt es keine Möglichkeit. Dennoch ist es möglich einen sehr großen Teil des täglich anfallenden Abfalls zu vermeiden.

Tipps:

1. Selber Machen

Viele Haushalts- und Kosmetikprodukte kann man ganz einfach vegan und ohne Abfall zu erzeugen selber machen. Ob Hautcreme, Tofu, Nussmilch oder Waschmittel, für alles gibt es viele tolle Rezepte und Anleitungen, die großartig funktionieren und wenig Zeit beanspruchen.

Hier geht’s zur Anleitung für selbst gemachtes veganes Waschmittel.

2. Nein sagen

Sag auch mal „Nein“ zur Einwegtragetasche in einem Geschäft oder zum Strohhalm im Getränk im Restaurant. Auf Kleinigkeiten zu verzichten, hat eine große Wirkung.

3. „Natürliche Verpackung“ von Obst und Gemüse

Entscheide dich im Supermarkt für unverpacktes Obst und Gemüse. Diese sind ohnehin durch die eigene Haut geschützt und brauchen keine zusätzliche Verpackung.

4. Eigene Gefäße und Tragetaschen mitbringen

Bringe Mehrwegeinkaufstaschen mit in den Supermarkt und Essensboxen zum Take-Away-Imbiss. Die Taschen kannst du für Obst und Gemüse, aber auch zum Tragen des gesamten Einkaufs verwenden. Beim Imbiss kannst du dir dein Essen in eine eigene Box füllen lassen und vermeidest so Kunststoffverpackungen.

5. Second Hand

Gebraucht kaufen spart Ressourcen und ist besser für die Umwelt. Kauft man gebrauchte Gegenstände, so muss weniger Plastik produziert werden. Als kleiner Nebeneffekt spart man dadurch auch Geld, da gebrauchte Kleidungsstücke und andere Gegenstände oft in neuwertigem Zustand sind und sehr günstig verkauft werden.

6. Glas und Edelstahl statt Plastik

Greife zu Glas- und Edelstahlverpackungen, denn diese Materialien können, anders als Plastik, immer wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden und enthalten keine Weichmacher und andere giftige Inhaltsstoffe.

7. Unverpacktläden

In Unverpacktläden findet man alles, was es sonst nur verpackt gibt, in großen Gefäßen zum selbst abfüllen. Man kann also genau so viel kaufen, wie man tatsächlich benötigt. So vermeidet man neben Verpackungsmüll auch Lebensmittelabfall. Allein in Wien gibt es mittlerweile vier Unverpacktläden, wie zum Beispiel „Der Greißler“. In Graz gibt es „Das Gramm“, in Innsbruck „greenroot“ und in ganz Österreich findet man tendenziell immer mehr tolle Möglichkeiten unverpackt einzukaufen.

8. Grundnahrungsmittel statt Fertigprodukte

Kaufe vegane Grundnahrungsmittel statt abgepackte Fertig- und Ersatzprodukte. Indem man Couscous, Quinoa, Reis, Mehl, Bohnen, Linsen, Obst und Gemüse kauft und auf den abgepackten Couscous-Salat verzichtet, kann man Verpackungsmüll vermeiden. Viele dieser Grundnahrungsmittel kann man außerdem in Papierverpackung oder ganz unverpackt kaufen.

9. Lebensmittelverschwendung

Bei veganer Ernährung ist die Verschwendung von Lebensmitteln geringer, da es bei der Erzeugung von tierischen Lebensmitteln zu einem sogenannten Veredelungsverlust kommt. Damit ist gemeint, dass Nahrungsmittel, die direkt vom Menschen verzehrt werden könnten, an Tiere verfüttert werden. Bei Säugetieren werden nur etwa 10 Prozent der Nahrung in Körpersubstanz umgewandelt - das bedeutet, dass etwa 90 Prozent des Energiegehalts verloren gehen. Für eine Kilokalorie Rindfleisch werden beispielsweise etwa sieben bis zehn Kilokalorien aus pflanzlichen Produkten benötigt.

Dennoch entstehen auch im Haushalt viele Lebensmittelabfälle. Um Lebensmittelverschwendung vorzubeugen, sollte man vor dem Einkauf immer gut planen, was man braucht. Lebensmittelverschwendung kann auch durch Einfrieren von Resten und durch richtige Lagerung der Produkte eingedämmt werden.

Mehr Infos zum Thema Lebensmittelverschwendung gibt es hier.
Tipps zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen findet ihr hier.

10. Feste Kosmetik-Produkte

Wenn man Kosmetikprodukte nicht selbst machen will oder kann, greift man am besten zu festen, veganen Deodorants und Haarseifen. Diese gibt es zum Beispiel bei Lush, aber auch bei DM kann man solche Produkte mittlerweile finden.

Um große Veränderungen zu erwirken, zählt jeder Mensch, der versucht seinen Abfall zu reduzieren. Wenn man die Menge an Abfall, die man erzeugt, ein bisschen reduzieren kann, ist das schon ein toller Beitrag für unsere Umwelt. Oder wie Zero Wasterin Anne-Marie Bonneau es ausdrücken würde:

„Wir brauchen nicht eine Hand voll Menschen die ‚Zero Waste‘ perfekt umsetzen. Wir brauchen Millionen von Menschen, die es imperfekt machen.“