Die verborgene Seele der Kühe | Vegane Gesellschaft Österreich

Die verborgene Seele der Kühe

26.03.2018

Jeffrey M. Masson
Die verborgene Seele der Kühe. Das geheime Leben von Rindern, Hühnern, Schweinen und anderen Hoftieren

1. Auflage: Februar 2018
Wilhelm Heyne Verlag
ISBN 978-3-453-60461-2
384 Seiten
€ 13,40

Wir Menschen lieben Tiere. Wir füttern sie, kuscheln mit ihnen, betrachten sie als Familienmitglieder und trauern um sie, wenn sie sterben. Wir haben ein inniges Verhältnis mit ihnen - zumindest mit Katzen, Hunden und anderen „Haustieren“. Nur wenige Menschen haben Kontakt zu den sogenannten „Nutztieren“, die kiloweise auf den Tellern der Nation landen, und wissen über ihre zahlreichen Bedürfnisse und Eigenschaften Bescheid. Laut Jeffrey Masson ist gerade diese fehlende Beachtung von „Nutztieren“ ein entscheidender Grund dafür, warum Menschen Fleisch und andere tierische Produkte konsumieren können, obwohl die meisten Tieren kein Leid antun wollen.

Eine bewegende Reise in die emotionale Welt von „Nutztieren“

Der Autor wagt einen Blick hinter die Stalltüren und erzählt den Leser_innen von seinen Beobachtungen. Untermauert werden seine Ausführungen von wissenschaftlichen Erkenntnissen, historischen Abrissen und interessanten Interviewauszügen. Die Erzählungen sind teils amüsant und erheiternd, teils bedrückend und traurig. Gemein ist ihnen, dass sie tief bewegen und zur Reflexion über unsere Mensch-Tier-Beziehungen anregen. Masson zeigt deutlich, wie komplex das Seelenleben von „Nutztieren“ ist und dass sie alle Gefühle wie Liebe, Freude, Angst und Trauer empfinden. „Die verborgene Seele der Kühe“ kann als starkes Plädoyer für ein Ende der Ausbeutung und Tötung von empfindsamen Lebewesen gelesen werden. Die Arbeit am Buch hat selbst die Lebensweise des Autors tiefgehend berührt:

„Bevor ich meine Recherchen aufnahm, war ich selbst der Meinung, es reiche aus, sich vegetarisch zu ernähren, um das Leid von Tieren zu verringern.“ (Masson 2018, S. 12)

Das Interesse und die Neugier an Tieren, auch das ihnen entgegengebrachte Mitgefühl steigt laut dem Autor in den letzten Jahren. Mit seinen tierpsychologischen Büchern will er diesen grundlegenden Wandel vorantreiben und das Verständnis der Menschen für das Seelenleben von Tieren fördern.

Tiere sind uns ebenbürtig

Schweinen, Hühnern, Schafen, Kühen und Enten ist jeweils ein eigenes Kapitel gewidmet. Ihre Bedürfnisse und Eigenschaften werden mit zahlreichen Beispielen untermauert. Ihnen werden Auszüge aus der Realität der Tierhaltung gegenübergestellt und so wird den Leser_innen das oftmals vorherrschende romantisierte Bild des Bauernhofes genommen. Masson betont dabei, dass ein in der Landwirtschaft lebendes Tier nie ein artgerechtes Leben führen kann und begründet dies mit der Fokussierung auf das zu erbringende Produkt, wie Fleisch, Milch oder Eier, und die vergleichsweise kurze, durch Tötung hervorgerufene Lebensdauer. Durch die Thematisierung von Gefühlen und Bedürfnissen, versucht der Autor einen empathischeren Umgang der Menschen mit Tieren zu fördern:

„Es ist nicht zu leugnen, dass wir Menschen mit Schweinen viel gemeinsam haben, obwohl manche Leute sich sträuben, diese Ähnlichkeiten anzuerkennen. Schweine träumen und können Farben unterscheiden wie wir, und sie sind - wie wir und wie auch Hunde und Wölfe - gesellige Wesen. In warmen Sommernächten schmiegen sie sich eng aneinander und finden aus irgendeinem unerklärlichen Grund Gefallen daran, Nase an Nase zu schlafen.“ (Masson 2018, S. 43)

Von der Psychoanalyse zur Tierpsychologie

Jeffrey Masson machte sich zunächst als Psychoanalytiker einen Namen. Der im Jahr 1941 geborene US-Amerikaner studierte zuvor jedoch Sanskrit in Harvard. In den 1990er-Jahren wandte er sich der Tierpsychologie zu und thematisiert seitdem in seinen Büchern vorrangig das Seelenleben von Tieren. Zu den zahlreichen, mehrfach übersetzten Büchern zählen unter anderem „Hunde lügen nicht“ und „Katzen lieben anders“. Bereits 2003 erschien die US-amerikanische Originalausgabe von „Die verborgene Seele der Kühe“ unter dem Namen „The Pig Who Sang to the Moon“, die deutsche Ausgabe folgte 2006. Nun ist eine Neuauflage als erweiterte Taschenbuchausgabe publiziert worden.

In einem Interview mit Powell’s City of Books erklärt Masson den Themenwechsel seiner Publikationstätigkeit:

„Ich habe eine ganze Reihe von Büchern über Psychiatrie geschrieben und niemand hat sie gekauft. (…) Ich habe mir gedacht: (…) Ich kann genauso gut über etwas schreiben, was ich wirklich liebe: Tiere.“ (Übersetzung eines Interviews mit Jeffrey M. Masson von Powell’s City of Books 2002)

Masson lebt seit 2004 vegan und engagiert sich als Tierrechtsaktivist.

Fazit: Seelenleben von Tieren überzeugend vermittelt

Dem Buch wohnt ein großes Potenzial inne, dass die Leser_innen, ihre Sicht auf Tiere und ihren Konsum tierischer Produkte überdenken. „Die verborgene Seele der Kühe“ wird bei den meisten auf großes Interesse stoßen, unabhängig von ihrer Ernährungs- und Lebensweise, und so manchen „Aha-Moment“ auslösen.