Interview mit Boxerin Melanie Fraunschiel | Vegane Gesellschaft Österreich

Interview mit Boxerin Melanie Fraunschiel

27.11.2014

Melanie Fraunschiel ist 2-fache Staatsmeisterin im Boxen und hat den 5. Platz bei der EU-Meisterschaft erreicht. Seit Frühjahr 2014 ernährt sie sich komplett vegan. Die VGÖ sprach mit ihr über ihr Training, die Auswirkungen ihrer Ernährung auf ihre Leistungsfähigkeit und worauf es beim Boxen ankommt.

Boxerin Melanie Fraunschiel
Foto: Martin Nitsch

Hallo Melanie, du bist 2-fache Staatsmeisterin im Boxen und hast den 5. Platz bei der EU-Meisterschaft erreicht. Wann hast du mit dem Boxen begonnen? Was waren weitere Erfolge von dir?

Ich habe vor 4 Jahren, während meiner Zeit beim Bundesheer, nachdem ich 10 Jahren im Kyokushinkai Karate aktiv war, zum Boxsport gewechselt. Neben den angeführten Erfolgen habe ich beim internationalen Dolomitencup zweimal den zweiten Platz erreicht. Dieses Jahr kann ich auf Einsätze in der Italienischen Bundesliga für das norditalienische Team der Walküren, wo ich unter anderem einen meiner härtesten Kämpfe gegen DiFelice, einer Boxerin aus dem Italienischen Nationalteam, bestritten habe, und diverse Siege gegen starke internationale Boxerinnen (Beyrische Meisterin, Ungarische Vize-Meisterin) zurück blicken.

Wie lange lebst du schon vegan? Was waren deine Gründe, auf vegane Ernährung umzustellen? Hast du nach der Umstellung einen Unterschied in deiner Leistung bemerkt?

Fleisch aß ich bereits lange Zeit sehr selten. Kuhmilch habe ich schon als Kind nie getrunken, da meine Mutter bereits erkannt hat, dass es verschleimt. Mit der Ernährung musste ich mich in den letzten 4 Jahren aus 3 Gründen vermehrt auseinandersetzen: Gesundheit, Hautprobleme und Gewichtsreduktion (60 kg Gewichtsklasse im Boxsport). Dadurch, dass ich von meinem Körper durchgehend Leistung verlange, führe ich meinem Körper nur Nahrungsmittel zu, die ihn mit allen nötigen Nährstoffen versorgen ohne ihn zu belasten. Mit Belastung meine ich tierische Proteine, die zu Übersäuerung und Hautproblemen führen und meine Regenerationszeit verlängern anstatt zu verkürzen. Neben diesen leistungsfördernden Maßnahmen kommt bei mir noch die Gewichtsreduktion dazu, weswegen ich auch keinen raffinierten Zucker, Weißmehlprodukte usw. esse. Sollte ich mal Brot essen, dann mahle ich den Roggen vor dem Backen frisch mit der Mühle. Das heißt, ich war nicht mehr allzu weit weg von der veganen Ernährung, die ich nun seit dem Frühling diesen Jahres durchziehe. Seitdem habe ich auch keine Hautprobleme mehr. Als Leistungssportlerin merke ich jede Veränderung extrem. In diesem Fall habe ich eine enorme Leistungssteigerung wahrgenommen. Ich hatte sogar noch die Kraft und Energie, neben meinem vollen Trainingsplan und der Arbeit 1-2-mal/Woche meiner Leidenschaft Wakeboarden nachzugehen. Und genau das ist es, was mich ausmacht und mir Spaß macht! Viel Sport machen!

Im Wettkampf
Im Wettkampf

Du bist Wirtschaftsingenieurin und Medizinische Informatikerin und arbeitest neben deinem Boxtraining Vollzeit als Qualitätsmanagerin am Institut für medizinische Informations- und Auswertesysteme an der Medizinischen Universität Wien. Das klingt nach einem anstrengenden, sehr durchgeplanten Tagesablauf. Wie schaut dein Trainingsplan aus?

Die Trainingseinheiten der allgemeinen Athletik, wie Grundlagenläufe, Intervalle, Tempowechselläufe (je nach Trainingszyklus), Stabilisationstraining, Krafttraining usw. führe ich unter der Woche täglich vor der Arbeit durch. Für das Boxtraining fahre ich nach der Arbeit in den JAB-Club. So komme ich auf ca. 9 Trainingseinheiten/Woche.

Und dein Ernährungsplan?

Unter der Woche esse ich morgens meist einen Chiasamen-Cacaopudding, Obst, Nüsse oder selbstgemachte Raw-Pralinen oder Energieriegel. Mittags esse ich einen gemischten Salat mit Pseudogetreide wie Quinoa oder Hülsenfrüchten. Als Nachspeise einen Apfel. Am Nachmittag bzw. Abend kommt es darauf an, ob ich gerade „Gewicht mache“ oder nicht, oder ob ich Hunger habe. Manchmal esse ich eine Kleinigkeit vor dem Training, manchmal auch nicht, manchmal danach etwas. Immer wieder mache ich auch einen Smoothie. Wenn ich am Wochenende nicht unterwegs bin, koche ich und lasse meiner Kreativität freien Lauf, da kommt dann etwas Ausgefallenes auf den Tisch!

Wie ist das Gefühl für dich, im Ring zu stehen?

Das Gefühl im Ring ist ein sehr fokussiertes, um alles Gelernte abzurufen. Es sind diese unterschiedlichen Situationen, mit denen man im Boxkampf konfrontiert ist, die mir Spaß machen und eine Herausforderung darstellen. Ich brauche diese Abwechslung. Das Gefühl vor dem Boxkampf ist mittlerweile ein sehr relaxtes und freudiges Gefühl. Das war nicht immer so, anfangs übermannt eine_n die Nervosität. Aber mit der Routine, Selbstsicherheit und Mentaltraining bekommt man das in den Griff.

Worauf kommt es an beim Boxen?

Bei diesem Kampfsport kommt es auf viele Aspekte an. Ich zähle einige davon auf:
Ausdauer wie Grundlagenausdauer, Kraftausdauer
Schnelligkeit, Schnellkraft
Reaktionsfähigkeit
Rhythmusfähigkeit
Beweglichkeit
Strategie und Taktik
Durchhaltevermögen
Eiserner Willen
Und das Wichtigste: Spaß am Kämpfen

Du hast bereits 40 Kämpfe absolviert. Was war deine schlimmste Verletzung? Was waren die schlimmsten Verletzungen deiner Gegnerinnen?

Ich habe mir Gottseidank noch nie eine Verletzung im Wettkampf zugezogen. Einige Gegnerinnen konnte ich mit einem Schlag auf die Leber außer Gefecht setzen, bzw. eine hatte mal eine Prellung am Jochbein. Meist wird der Kampf vom Schiedsrichter abgebrochen, wenn er merkt, dass eine Kämpferin angeschlagen ist.

Hast du als Frau im Boxsport Probleme, akzeptiert zu werden?

Nein. Von Leuten, die mich nicht kennen, werde ich doch immer wieder gefragt: „Eine Frau und Boxen, wie passt das zusammen?“ Seit ich 14 bin, gehe ich den „Weg des Kriegers“. Für die Leute, die mich kennen, ist es ganz normal.

Was sagen deine Box-Kolleg_innen zu deiner veganen Ernährung?

Viele sind überrascht, weil leider nach wie vor tierische Proteine auch von Ernährungsberater_innen als „die Sportlernahrung“ angesehen wird und fragen mich, wie ich meinen Proteinbedarf decke. Nachdem ich die Probleme aufzähle, die ich mit tierischen Proteinen habe, ist es für die meisten einleuchtend, dass ich mich vegan ernähre.

Melanie Fraunschiel mit VGÖ-Obmann Felix Hnat auf der Vegan Planet
Melanie Fraunschiel mit VGÖ-Obmann Felix Hnat auf der Vegan Planet

Liebe Melanie, vielen Dank für das Interview. Wir wünschen dir alles Gute und viel Erfolg für deine weiteren Kämpfe!

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