Lebensmittel-Verschwendung in Österreich | Vegane Gesellschaft Österreich

Lebensmittel-Verschwendung in Österreich

17.06.2015

Produktion für Müll und Gülle

179 kg Lebensmittel in Europa landen pro Jahr im Müll

In der Europäischen Union werden jedes Jahr pro Person durchschnittlich 179 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen [3].Gemäß dieser von der EU finanzierten Untersuchung mit dem Titel „Preparatory study on food waste across EU 27“ gehen 42 Prozent aller weggeworfenen Lebensmittel auf das Konto der privaten Haushalte. 39 Prozent landen bei den Herstellern im Müll, 14 Prozent in der Gastronomie und fünf Prozent bei den Einzelhändlern. Viele von uns halten es zu Recht für einen Skandal, dass auch in Österreich pro Kopf und Jahr kiloweise Lebensmittel im Lebensmittelhandel, zuhause oder in der Gastronomie am Müll landen.

Lebensmittel landen im Müll: die 2.-größte Nahrungsmittel-Verschwendung

400 kg Lebensmittelverschwendung pro Kopf in Österreich für Fleisch

Aber es gibt da auch eine von vielen nicht bedachte Form der Lebensmittelvernichtung, die nicht so offenbar ist, aber noch gewaltiger: Wem ist bewusst, dass jeder und jede von uns pro Kilogramm Fleisch mehrere Kilogramm Getreide oder Soja „wegwirft“, weil im Durchschnitt über alle Tierarten und Haltungsformen etwa 7 oder 8 Kalorien pflanzliche Futtermittel nötig sind, um eine Kalorie Fleisch zu produzieren [1, 6, 7 und 9]? Tierfleisch zu essen bedeutet, die Nahrungskette von der Pflanze zum Menschen zu verlängern. Auf dem Umweg über die Tiere, die je nach Tierart bis zu 10 oder sogar noch mehr pflanzliche Futter-Kalorien benötigen, um eine tierliche Nahrungskalorie zu liefern, werden weltweit enorme Mengen Nahrungsmittel verschwendet. Und von Getreide und Soja könnten wir uns auch sehr gut und effizient direkt ernähren. Bei der Verfütterung an Nutztiere geht jedoch der größte Teil der pflanzlichen Kalorien (und auch der Proteine) im Stoffwechsel der Tiere verloren und wird als Gülle ausgeschieden. Ein weiterer Teil wird zudem in nicht essbare Körperteile wie z. B. Knochen umgewandelt. Fleisch zu essen ist also so, als würden wir bei jedem Laib Brot, den wir kaufen, immer nur ein Siebtel essen und sechs Siebtel wegwerfen. Bei einem Fleischkonsum von 70 Kilogramm pro Jahr, und abzüglich der reinen Weidetiere, auf die wir im nächsten Absatz noch eingehen, kommt man auf an die 400 Kilogramm Essen, die wir jährlich durch den Fleischkonsum unbewusst „wegwerfen“. Eine unglaubliche Menge. Rechnet man Milch und Eier dazu, ist es noch mehr!

Es gibt eine Form der Nutztierhaltung, die nicht Kalorien vernichtet: Die reine Weidehaltung von Wiederkäuern, also Rindern und Schafen auf Flächen, die nicht für den Ackerbau geeignet sind. Hierzu zählen Almen oder die Savanne. Wiederkäuer können im Gegensatz zu Menschen, Hühnern oder Schweinen aus Gras für den Menschen nutzbare Kalorien in Form von Fleisch oder Milch machen. Die Weidehaltung ist sicher auch die tiergerechteste Form der Tierhaltung. Sie hat aber auch ihre Nachteile: Methan aus den Rindermägen und der enorme Flächenbedarf wirken sich schlecht auf die Ökobilanz aus. Zudem treffen die generellen Gesundheitsnachteile von (rotem) Fleisch auch auf die Tiere aus Weidehaltung zu. Und klar, diese Tiere werden auch geschlachtet, und vorher zudem oft auch noch weit transportiert.

Gülle-Produktion auf einem Drittel der Ackerflächen von Getreide und Soja weltweit

Und vor allem, machen wir uns da bitte nichts vor: Die reine Weidetierhaltung ohne Zufütterung von Futtermitteln hat in Österreich und weltweit nur noch geringe Bedeutung. Weltweit machen Schweine, Hühner und Puten schon 70% der Fleischproduktion aus, Tendenz steigend, und diese Tiere können Gras gar nicht verwerten, sondern essen das Gleiche wie wir Menschen. Und auch Rinder werden weltweit zu einem beträchtlichen Teil mit Soja oder Mais gefüttert, weil sie damit einfach schneller wachsen [8]. Damit sind wir wieder bei der Tatsache angelangt, dass die Produktion von Fleisch weltweit enorme Mengen an Nahrungsmitteln verschwendet. Das lässt sich auch zahlenmäßig belegen: 1.300 Millionen Tonnen Getreide, Hülsenfrüchte, Öle, Kleien und Fischmehl waren es laut UN-Landwirtschaftsorganisation FAO im Jahr 2008, die an die Tiere weltweit verfüttert wurden. 754 Millionen Tonnen macht allein das Getreide aus [4 und 5].
Wenn man die Welt mal als Außenstehender unvoreingenommen betrachtet, so ist es doch unglaublich, dass die Menschheit über die Nutztierhaltung mehr als ein Drittel (!) ihrer Ernte an Getreide und Soja zusammengenommen schon vor der menschlichen Konsumkette in Exkremente umgewandelt hat, während viele Menschen hungern [berechnet aus 4 und 11 sowie 1, 6, 7 und 9].

Fleischproduktion mit schuld an Welternährungsproblemen?

Natürlich ist der Welthunger primär ein Verteilungsproblem und wird durch Kriege und soziale Ungerechtigkeit angeheizt, aber eben auch durch den Fleischkonsum. Das lässt sich auch beweisen: Im Jahr 2008 wurden laut FAO 100 Millionen Tonnen Getreide für die menschliche Ernährung verloren, indem auf den entsprechenden Flächen statt Lebensmitteln Agrartreibstoffe („Biosprit“) angebaut wurden. Politik und Medien brachten das gleich massiv mit der Verknappung und Verteuerung von Lebensmitteln in Zusammenhang, und das auch zurecht. Die Zahlen der FAO beweisen aber, dass im Vergleich dazu 754 Millionen Tonnen Getreide an Tiere verfüttert wurden [4 und 5], die nur etwa ein Siebtel der Kalorien dann als Fleisch zurückliefern. Wenn Biosprit 2008 zur Welternährungskrise beigetragen hat und auch heute noch beiträgt, dann macht dies die Fleischproduktion um ein Vielfaches mehr.

Eine aktuelle deutsche Studie [2] belegt den Zusammenhang ebenso: Es wurde eine Verringerung des Fleischverzehrs in den Industrieländern um lediglich 19 % untersucht. Die geringere Futtermittelnachfrage führe zu einem Preisrückgang für Fleisch, aber auch andere Produkte wie zum Beispiel Getreide. Von diesen Preissenkungen profitierten insbesondere die ärmeren Menschen und Länder, Welthunger würde gelindert werden.

Hungerkatastrophen gehören längst zum Alltag auf der Erde. Laut UNICEF verhungern mehr als 8.000 Kinder weltweit jeden Tag, 3 Millionen pro Jahr [10]. Zugleich stammen fast 70 Prozent der in die EU importierten Futtermittel aus Entwicklungsländern, in denen häufig Unterernährung herrscht. In einer Welt mit rasant zunehmender Gesamtbevölkerung wird die Sicherstellung der Welternährung immer bedeutender. Vegane Nahrungsmittel leisten hier einen wesentlichen Beitrag.

Quellen:

[1] Caspari, C., M. Christodoulou, et al. (2009). “Implications of Global Trends in Eating Habits for Climate Change, Health and Natural Resources”. Brussels, European Parliament, Science and Technology Options Assessment.
[2] Cordts, A., N. Duman, et al.(2013). “Auswirkungen eines verminderten Konsums von tierischen Produkten in Industrieländern auf globale Marktbilanzen und Preise für Nahrungsmittel.” von www.rentenbank.de/cms/dokumente/10011465_262637/65e61959/Schriftenreihe_Band29_final.pdf
[3] European Commission, DG ENV (2010). “Preparatory study on food waste across EU 27 - final report.” von http://ec.europa.eu/environment/archives/eussd/pdf/bio_foodwaste_report.pdf
[4] FAO (2008). “Crop Prospects and Food Situation”. Rome, FAO, Economic and Social Development Department
[5] FAO (2009). “The state of food and agriculture - livestock in the balance”. Rome, Food and Agriculture Organisation.
[6] Garnett, T. (2009). „Livestock-related greenhouse gas emissions: impacts and options for policy makers.“ Environmental Science and Policy 12: 491-503.
[7] Pimentel, D. (2004). „Ethical issues of Global Corporatization: Agriculture and beyond.“ Poultry Science 83: 321-329.
[8] Schlatzer, M. (2010). “Tierproduktion und Klimawandel“. Wien, LIT Verlag.
[9] Smil, V. (2002). „Worldwide transformation of diets, burdens of meat production and opportunities for novel food proteins.“ Enzyme and Microbial Technology 30: 105-311.
[10] UNICEF (2007). State of the world’s children 2008. New York, United Nations
Children’s Fund.
[11] WWF. (2008). „Facts about soy production and the Basel Criteria.“ von http://assets.panda.org/downloads/factsheet_soy_eng.pdf.