Andreas Vojta, bester Mittelstreckenläufer Österreichs | Vegane Gesellschaft Österreich

Andreas Vojta, bester Mittelstreckenläufer Österreichs

20.03.2019

Andreas Vojta ist der schnellste Mittelstreckenläufer Österreichs. Seit einem Jahr lebt der 29-jährige Vollprofi vegan und zeigt damit ganz klar: Pflanzliche Ernährung ist mit sportlichen Top-Leistungen sehr gut vereinbar und führt weder zu Proteinmangel noch zu Leistungsdefiziten. Wir haben uns mit ihm über seine Erfolge, sein Training und seinen persönlichen Zugang zur pflanzlichen Ernährung unterhalten.

Andreas Vojta bei der Hallen-EM in Glasgow
Am 8. März startete Andreas Vojta beim 3000-m-Lauf bei der Hallen-Europameisterschaft in Glasgow

Hallo Andreas, du giltst nicht nur als der beste Mittelstreckenläufer Österreichs sondern warst auch schon viermal österreichischer Leichtathlet des Jahres. Was waren deine bisher größten sportlichen Erfolge?

Mein emotional größter Erfolg bzw. das größte Erlebnis waren die Olympischen Spiele 2012, auch wenn es dort sportlich leider nicht ganz nach Wunsch lief. Abseits davon meine größten Erfolge:

  • 31-facher Staatsmeister (in der Allgemeinen Klasse)
  • Zweimal Platz 10 bei Europameisterschaften (2012 1500 m und 2017 3000 m)
  • Zweimal Bronze bei der Universiade (2013 800 m und 2017 5000 m)
  • Österreichs Leichtathlet der Jahre 2010 - 2013
  • Österreichischer Rekord 1000 m Freiluft (2:18,06) und Halle (2:19,80)

Was genau bedeutet Mittelstreckenlauf? Läufst du auch andere Distanzen?

Unter Mittelstreckenlauf versteht man 800 m und 1500 m. Darunter ist man im „Sprint“, von 5000 m bis Marathon spricht man von „Langstrecke“. Den größten Teil meiner Karriere bestritt ich über die 1500 m, seit letztem Jahr liegt mein Fokus auf den 5000 m. Man sagt immer, dass man mit dem Alter auf die längeren Distanzen geht, das ist mit meinen bald 30 Jahren nun auch der Fall!

Bereits als Jugendlicher hast du an zahlreichen Wettkämpfen teilgenommen. Wie bist du damals zum Laufen gekommen?

Ich bin über unsere Standardrunde im Turnunterricht zum Laufen gekommen, was die Bedeutung von vielseitigem Sport in der Schule unterstreicht. Schon damals habe ich – noch ganz ohne Training – alle Klassenkollegen überrundet. Mit 13 Jahren bin ich dann erstmals in einen Laufverein eingetreten. Seit diesem Zeitpunkt laufe ich bei Wettkämpfen und Meisterschaften mit. Allerdings habe ich im Nachwuchsbereich sicherlich nie als das große Talent gegolten. Erst durch konsequente und harte Arbeit konnte ich Jahr für Jahr meine Leistung steigern. Seit 2010 bin ich schließlich bei jeder EM, zwei Weltmeisterschaften und bei Olympischen Spielen gestartet.

Heute bist du Vollprofi. Wie sieht dein Training aus?

Als Vollprofi übe ich das Laufen hauptberuflich aus. Eine durchschnittliche Woche beinhaltet 10 - 12 Trainingseinheiten, bei denen ich ca. 120 – 150 km abspule. Dank der Unterstützung des „Heeressportes“ und privater Sponsoren kann ich meinen Sport ohne größere finanzielle Sorgen ausüben und bin so in der glücklichen Position, meine Leidenschaft zum Beruf gemacht zu haben. Etwa 2-3 Mal im Jahr geht es zusätzlich ca. einen Monat auf Trainingslager, auf denen ich in den verschiedensten Teilen der Welt mit internationalen Gruppen trainiere.

Seit einiger Zeit lebst du nun schon vegan. Gab es einen speziellen Auslöser, der dich dazu gebracht hat, oder war es mehr ein schleichender Prozess?

Bei mir war es definitiv ein Prozess. Ein traumatisches Erlebnis gab es nicht, sondern es haben sich mit der Zeit einfach immer mehr Informationen und Eindrücke zum Thema Tierschutz, Umwelt etc. akkumuliert. So habe ich letztendlich ganz rational die einzige für mich logische Entscheidung getroffen. Ich habe, wie vermutlich die meisten, schon einige Zeit davor vegetarisch gelebt und daher war auch der Umstieg kein wirkliches Problem für mich.

Welche Vorteile siehst du in der veganen Ernährung?

Meine Umstellung war ethisch-ökologisch motiviert und daher sehe ich auch in diesem Bereich die größten Vorteile. Ethisch habe ich erst einmal alle Punkte bewusst durchdenken müssen um festzustellen, dass ich oft selbst viele klassische Gegenargumente des Veganismus als Vorwand nehme, um so letztendlich komplett irrationale Entscheidungen zu treffen. Ökologisch habe ich einfach den „Trend“ der letzten Jahre bzw. des letzten Jahrzehnts übernommen und versucht mir mehr Gedanken über meine Auswirkungen auf die Umwelt zu machen. Da kommt man halt an den Auswirkungen des Konsums tierischer Lebensmittel nicht mehr vorbei. Natürlich wird durch Veganismus nicht alles perfekt, ich bin als Profisportler z. B. leider auf viele Flugkilometer angewiesen und verbrauche mit 4000-5000 kcal auch ein gutes Stück mehr Energie als die Durchschnittsperson. Aber nichts ist so simpel und hat so eine große Auswirkung in einer Menge an Bereichen, wie wenn ich statt aus Regal A einfach die pflanzliche Alternative aus Regal B 10 Meter weiter nehme. Und nach knapp einem Jahr Veganismus kann ich sagen, dass man keine Form von Verzicht verspürt, sondern im Gegenteil sogar erst viele neue, kulinarische Eindrücke erfährt.

Sind dir Leistungsunterschiede vor und nach der Umstellung aufgefallen?

Der gesundheitliche Aspekt und die Leistungskomponente waren bei mir zugegeben nie ein wesentlicher Faktor, da mir im Prinzip klar war, dass ich meinen Nährstoffbedarf bei richtiger Zusammenstellung sowohl mischköstlich, vegetarisch als auch vegan decken kann. Somit habe ich keine großen Änderung erwartet. Ich fühle mich körperlich sehr gut und bin auch von meinen Leistungen her sehr fit, einen signifikanten Unterschied zu meinen vorhergehenden Ernährungsformen konnte ich aber nicht wahrnehmen. Natürlich war als Profisportler meine Ernährung schon immer recht ausgewogen und bedarfsdeckend, dadurch kommen die positiven Effekte des Veganismus wahrscheinlich auch weniger zu tragen als bei jemandem, der eine traditionelle, mitteleuropäische Ernährungsweise hat oder sogar mit klassischen Zivilisationskrankheiten zu kämpfen hat.

Wie haben deine Trainer und Sportkolleg_innen reagiert, als du erklärt hast, dass du nun vegan leben wirst?

Da meine Entscheidung wie gesagt eigentlich keinen Leistungsaspekt berücksichtigt hat, habe ich meinen Umstieg auch nie wirklich mit meinem sportlichen Umfeld abgesprochen. Mittlerweile haben das aber einige Leute mitbekommen. Die Reaktionen sind alle sehr positiv und die Leute sind tendenziell eher interessiert an diesem Thema. Ich habe meinen Ansatz so gewählt, dass ich niemandem etwas vorschreibe oder unter die Nase halte, sondern mit gutem Beispiel voran gehe und die Leistungen für sich sprechen lasse. Den vermeintlichen Leistungsdefiziten bei rein pflanzlicher Ernährung kann ich dann jederzeit entgegenhalten, dass ich schließlich der schnellste Mensch des Landes von 1500 m bis 10.000 m bin und der „Proteinmangel“ anscheinend doch nicht so stark ist.

Worauf achtest du bei der Ernährung?

Unabhängig von der Ernährungsweise ist natürlich gerade im Leistungssport ein effizienter und bedarfsdeckender Lebensmittelkonsum notwendig. Im Ausdauerbereich sind hochwertige Kohlenhydrate in großen Mengen sehr wichtig, da sie der Energielieferant Nr. 1 sind. Gerade für die Regeneration des Körpers darf man dann auf entsprechende Proteinquellen nicht verzichten, die zeitnah nach den Belastungen eingenommen werden sollten. Natürlich gibt es kritische Nährstoffe, die in der veganen Lebensweise Beachtung finden sollten. Allgemein bin ich aber kein großer Freund von Nahrungsergänzung und so nehme ich neben Vitamin B12 eigentlich nur Vitamin D in den sonnenarmen Jahreszeiten. Den Rest decke ich über natürliche Lebensmittel. Von Proteinshakes und Co. halte ich nicht viel. Interessanterweise konnte ich bis jetzt auch auf Eisensupplemente verzichten, die ich davor (als Mischköstler und Vegetarier) aufgrund eines deutlichen Eisenmangels über 10 Jahre zu mir genommen hatte.

Welche Lebensmittel stehen bei dir täglich auf dem Speiseplan?

Meine große Konstante des Tages ist mein Frühstück: eine Mischung aus Hafer- und Dinkelflocken, die ich in Sojamilch über Nacht im Kühlschrank quellen lasse. Dazu gibt’s geschrotete Leinsamen, welche ein super Verhältnis an Omega-3 zu Omega-6-Fettsäuren haben. Für die weiteren Mikronährstoffe sind Beeren, Nüsse und Samen dabei. Zum Abrunden gebe ich am Ende noch Zimt, Kurkuma und Kardamom dazu. Damit ist schon am Vormittag ein wesentlicher Teil vieler Nährstoffe abgedeckt. Zudem achte ich darauf, dass jeden Tag mindestens ein Mal Hülsenfrüchte am Programm stehen. Dazu gibt’s dann möglichst vollwertige und unverarbeitete Getreide und Gemüse nach Verfügbarkeit. Als Zwischensnacks dienen Früchte wie Äpfel und Bananen. Klassische Ersatzprodukte stehen bei mir kaum am Speiseplan, da ich tierische Produkte nicht wirklich vermisse und sie in vielen Fällen auch keinen wirklichen, ernährungsphysiologischen Mehrwert liefern. Als alte Naschkatze freue ich mich allerdings über das stetig wachsende Angebot an Schokolade, Eis und Co. und verkoste diese auch mehrmals wöchentlich auf meinem Instagram-Kanal (@fast_n_food).

Wie schaut es bei den großen Wettkämpfen wie den Europameisterschaften mit der Verpflegung aus? Ist es leicht, sich unterwegs vegan zu ernähren?

Bei den ganz großen Events gibt es meistens eigene Essenshallen, wo auf die entsprechenden Bedürfnisse Rücksicht genommen wird. Aber auch da sollte man nicht immer blind vertrauen – manchmal ist man verwundert, wie schlecht selbst Köche oder Kellner auf dem Gebiet informiert sind. In den klassischen Hotels, bei denen man während den alltäglicheren Wettkämpfen unterkommt, finde ich zwar immer etwas, muss aber oft erfinderisch sein. Von einer ausgewogenen Ernährung ist dann keine Rede mehr, aber für 2-3 Tage ist das nicht die große Tragik.

Welche Wettkämpfe stehen bei dir in nächster Zeit an?

Im Moment ist der Aufbau für die Sommer-Freiluftsaison voll im Gange. Highlight des Leichtathletik-Jahres ist die WM Ende September in Doha, für die die Qualifikation mein großes Ziel darstellt. Darüber hinaus strebe ich natürlich jetzt schon die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio an. Die Herausforderung ist dabei sehr groß, denn die Langstrecke wird von afrikanischen Läufern dominiert und als Europäer hat man keinen leichten Stand. Doch ich werde weiterhin hart für meine Ziele arbeiten und möglichst lange dafür sorgen, dass der schnellste Läufer Österreichs auch in Zukunft nur mit Pflanzenkraft unterwegs ist!

Andreas, vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Qualifikationen für die WM und die Olympischen Spiele in Tokio!

Weitere Infos:

Mehr Infos zum Thema Sport und vegane Ernährung gibt es im Artikel Fit im Sport mit veganer Ernährung.

Foto: ÖLV