Prof. Dr. Metka: „Vegan ist gesund, das muss man ganz klar sagen!“ | Vegane Gesellschaft Österreich

Prof. Dr. Metka: „Vegan ist gesund, das muss man ganz klar sagen!“

13.06.2015

Univ.-Ass. Prof. Dr. med. Markus Metka ist Oberarzt an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Wien - Abteilung für Endokrinologie und Sterilitätsbehandlung. Zudem ist er Präsident der Österreichischen Anti-Aging-Gesellschaft und der Österreichischen Meno-/Andropause Gesellschaft. Er gilt als einer der führenden Pioniere auf dem Gebiet der Anti-Aging-Medizin und der Hormonforschung, verfasste mehr als 300 wissenschaftliche Publikationen und zahlreiche populärmedizinische Bücher.

Herr Prof. Dr. Metka, Sie sind Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe. Was hat Sie zur veganen Ernährung geführt?

Die Ökumene in der Medizin hat mich zur veganen Ernährung gebracht: Ich habe mich viel mit Traditioneller Chinesischer Medizin und Ayurveda, der traditionellen indischen Heilkunst, beschäftigt. Bei Ayurveda spielt die Ernährung eine große Rolle und diese ist im Prinzip vegan. Ich war auch viel in Indien, wo ich mit veganer Ernährung in Kontakt gekommen bin und festgestellt habe, dass es mir damit besser geht. Zudem habe ich als Mediziner Berichte darüber gelesen, wie günstig sich eine vegane Ernährung auf Blutfette und Cholesterin auswirkt. Auf diese Weise kann Arterienverkalkung nicht nur vorgebeugt, sondern sogar rückgängig gemacht werden.

Porträt Prof. Dr. Metka
„Vegan ist gesund, das muss man ganz klar sagen!“, sagt Prof. Dr. Metka.

Welche gesundheitlichen Vorteile sehen Sie bei einer veganen Ernährung?

Bei allen Recherchen zur Ernährungsmedizin bin ich immer wieder auf ein problematisches Lebensmittel gestoßen: Das ist Milch. Es ist noch nicht restlos geklärt, warum sich diese so schlecht auswirkt, aber klar ist, dass Milch sicherlich kein Anti-Aging-Food ist. Weglassen von Milch und Milchprodukten führt meistens sehr rasch zu einem besseren Gesundheitsstatus. Außerdem bin ich ein großer Gegner von rotem Fleisch, in dem viele schädliche Fette vorkommen. Schon Konfuzius hat gesagt: „Wenn du Fleisch isst, dann nur solches mit zwei oder gar keinen Beinen.“ Eine gewisse Toleranz habe ich gegenüber Eiweiß, das aus Eiern oder Fisch und Geflügel stammt. Aber sehr resolut bin ich bei Milch und Milchprodukten sowie rotem Fleisch.

Sie gelten als einer der führenden Pioniere auf dem Gebiet der Anti-Aging-Medizin und der Hormonforschung. Sehen Sie hier eine Verbindung zur veganen Lebensweise? Kann eine pflanzliche Ernährung das biologische Altern hinauszögern, die Lebensqualität im Alter erhöhen und das Leben des Menschen verlängern?

Wir forschen viel und stellen uns die Frage, wie wir älter werden können. Das hat viel mit Ernährung zu tun. Der US-amerikanische Journalist und Professor Michael Pollan bringt es auf den Punkt: „Eat Food. Not too much. Mostly plants.“ Das heißt, wir sollen richtige Lebensmittel essen – also nicht raffinierte, verarbeitete und verfälschte, sondern solche, wie sie unsere Großmutter noch gekannt hat. Außerdem sollen wir nicht zu viel essen – und was wir essen, soll vorwiegend pflanzlich sein. Allen Daten zufolge kann eine vegane Ernährung diese Ansprüche am ehesten erfüllen. Allerdings kompensieren das Veganer_innen oft mit Zucker, was natürlich nicht sein sollte. Das ist ja ein großer Vorteil der veganen Ernährung: dass es weniger Fertiggerichte gibt, sie mehr auf natürlichen Lebensmitteln basiert und damit weniger versteckter Zucker und verstecktes Salz vorkommen.

Welche Rolle spielen Phytoöstrogene in Soja und anderen Lebensmitteln? Und welche positiven Auswirkungen haben Phytoöstrogene auf die Frauengesundheit?

Phytoöstrogene aus Soja wirken sich sehr positiv aus. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Japanerinnen, die von Kindheit an viel Soja essen. Das ist ihnen auch anzusehen: Eine 50-jährige Japanerin hat eine Haut wie bei uns eine 30-jährige. Da spielt das Soja eine große, positive Rolle. Die Ausgaben für die Gesundheit sind in Japan auch geringer, trotzdem ist die Lebenserwartung viel höher. Das ist ein wunderbarer Beweis dafür, dass Ernährung der wichtigste Punkt hinsichtlich der Lebenserwartung ist. Und vegan ist gesund, das muss man ganz klar sagen.

Worauf sollte man bei einer veganen Ernährung achten?

Achten sollte man darauf, dass man ausreichend Vitamin B12 zu sich nimmt. Es ist gut, verschiedene Eiweißquellen miteinander zu mischen. Soja und andere Hülsenfrüchte enthalten aber alle notwendigen Aminosäuren. Positiv ist es, schon morgens mit einem guten Frühstück in den Tag zu starten. Ich esse beispielsweise in der Früh ein Müsli mit Flocken und entweder Soja-, Hafer- oder Mandelmilch. Dazu kommen frische Früchte.

Welche Tipps haben Sie für Menschen, die auf eine vegane Ernährung umstellen möchten?

Einfach ausprobieren! Der gesellschaftliche Druck ist eigentlich der schwierigste Aspekt. Hier wäre mein Tipp, auf eine Kur zu fahren, bei der es nur veganes Essen gibt, oder in ein asiatisches Land zu reisen. Viele fahren ohnehin nach Thailand, wo der Großteil auch vegan ist. Da fällt die Umstellung viel leichter.

Halten Sie eine vegane Lebensweise für zukunftsweisend? Glauben Sie, dass ein umfassendes Umdenken in der Gesellschaft in Sachen gesunder und veganer Ernährung möglich ist?

Oh ja! Eine Patientin hat mir neulich erzählt, dass ihr Sohn Geburtstag hatte. Sie haben ihm ein Grillfest finanziert und Fleisch und Würste für die geladenen Gäste besorgt. Von den 30 eingeladenen jungen Menschen waren aber 20 vegan! Die Jugend ist viel experimentierfreudiger. Wenn es ihnen taugt, bleiben sie dabei. Und wenn die vegane Ernährung immer mehr zunimmt, hat sie auch Zukunft. Auch ökologische Aspekte sprechen dafür, dass sie zukunftsweisend ist.

Findet die vegane Ernährung Erwähnung in Ihren Büchern?

Ja, ich gehe immer auch darauf ein. Mein letztes Buch heißt „Die neue Aromaküche“ und hier wird unter anderem aufgezeigt, welche unglaublichen pharmakologischen Wirkungen Kräuter und Gewürze auf den Körper haben – vor allem auf den Fettstoffwechsel und den Zuckerstoffwechsel.

Vielen Dank für das interessante Interview, Herr Prof. Dr. Metka!