Legen Hühner nicht sowieso Eier? | Vegane Gesellschaft Österreich

Legen Hühner nicht sowieso Eier?

13.03.2019

Wie Sie Hühnern und Küken das Leben retten können!

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Gackernde Hühner, die in kleinen Gruppen auf einem Bauernhof umherlaufen, scharren, picken und ihren Bedürfnissen nachgehen – so sieht das idyllische, von der Werbung vermittelte Bild eines Hühnerlebens aus. Die Realität ist jedoch eine andere: Die Haltung von Hühnern zählt zu den am stärksten industrialisierten Bereichen der Landwirtschaft und keine andere am Land lebende Tierart wird derart stark ausgebeutet. Weltweit werden jährlich etwa 50 Milliarden Hühner geschlachtet (1)!

Warum unterscheidet man "Masthühner" und "Legehennen"?

Hühner werden heute auf eine Nutzungsart – Fleisch oder Eier – gezüchtet. „Masthühner“ nehmen rasant zu und erreichen nach etwa einem Monat ihr Schlachtgewicht. „Legehennen“ hingegen sollen Höchstmengen an Eiern produzieren. Nach 4 Monaten beginnen die Hühner Eier zu legen. Durch das zuchtbedingte häufige Eierlegen leiden sie meist an Erkrankungen der Legeorgane, Osteoporose und Knochenbrüchen. Wildlebende Hühnerarten legen hingegen nur wenige Dutzend Eier pro Jahr. Nach intensiven 12-14 Monaten und über 300 gelegten Eiern sind „Legehennen“ körperlich ausgelaugt. Da ihre Legeleistung nachlässt, werden sie mit diesem Alter geschlachtet – lange vor ihrer natürlichen Lebenserwartung (2).

Warum werden männliche Küken getötet?

Küken erblicken in Brütereien das Licht der Welt ohne jemals ihre Mutter kennenzulernen. Bei den „Legehennenrassen“ werden nach dem Schlüpfen die männlichen Küken aussortiert und an ihrem ersten Lebenstag getötet, da sie keine Eier legen und im Vergleich zu „Masthühnern“ nur langsam zunehmen. Alleine in Österreich werden aus ökonomischen Motiven jährlich über 9 Millionen Küken (3) erstickt, zerhäckselt oder einfach im Abfallbehälter entsorgt.

Wie lebt ein Huhn in der Landwirtschaft?

In der Bodenhaltung, der häufigsten Haltungsform in Österreich, dürfen 6.000 Individuen pro Halle gehalten werden und 7 bis 9 Hennen müssen sich einen Quadratmeter teilen. In der Freilandhaltung gelten dieselben Anforderungen für den Innenbereich. Pro Henne muss zusätzlich ein Auslauf von 8 m2 im Freien gegeben sein (4). Aufgrund hoher Besatzdichten, mangelnder Bewegungsfreiheit und fehlender Beschäftigungsmöglichkeiten kommt es zu physischen und psychischen Problemen, die von Langeweile und Aggressivität bis zu Federpicken und Kannibalismus reichen (2). Statt die Ursachen des Problems zu bekämpfen, wird zu Maßnahmen wie dem Schnabelkürzen gegriffen – was in den ersten Lebenstagen sogar ohne Betäubung erlaubt ist (4).

Quelle: (3)(5)(6)

Warum konsumieren wir noch immer Käfigeier?

Die Käfighaltung von Legehennen ist in Österreich seit 2009 und in der restlichen EU seit 2012 verboten. Sogenannte ausgestaltete Käfige, die kaum eine Verbesserung darstellen, sind hierzulande bis 2020 erlaubt (4). In den meisten EU-Ländern ist kein Verbot in Sicht. Da die Lebensmittelindustrie und Gastronomie, im Gegensatz zum Handel, keiner Kennzeichnungspflicht der Eier unterliegen und Eier aus Käfighaltung importiert werden dürfen, konsumieren Österreicher_innen in Restaurantspeisen, Fertig- und Backwaren häufig Käfigeier ohne es zu ahnen (7).

Gesundheit

Eier gelten als hervorragende Quelle von Proteinen, die nicht zufällig auch Eiweiß genannt werden. Der Mythos, dass Eier und Fleisch für eine adäquate Proteinversorgung und insbesondere für den Muskelaufbau essentiell wären, blieb lange Zeit bestehen. Doch mit einer gut geplanten, veganen Ernährung können alle Nährstoffbedürfnisse bestens gedeckt werden. Hülsenfrüchte, Sojaprodukte, Getreide, Nüsse und Samen sind ausgezeichnete Quellen pflanzlichen Proteins. Eier hingegen enthalten neben Protein auch hohe Mengen Cholesterin und als ungesund geltende gesättigte Fettsäuren.

Umwelt

Die Produktion von tierischen Lebensmitteln trägt entscheidend zu Umweltproblemen – wie Klimawandel, Wasserknappheit und Artensterben – bei (8). Hühner werden zu einem großen Teil mit Soja gefüttert. Weltweit landen etwa 85 % der Sojaernte in den Futtertrögen von Tieren (9). So steht der Konsum von Fleisch und Eiern in einem direkten Zusammenhang mit Waldrodungen, etwa des südamerikanischen Amazonas-Regenwaldes. Eine umweltfreundliche Alternative sind Hülsenfrüchte: Die Treibhausgasemissionen und der Wasserbedarf sind im Vergleich zu Fleisch und Eiern wesentlich geringer (10)(11)(12).

Quelle: (10)(11)(12)

Pflanzliche Alternativen

Beim Kochen und Backen können Eier einfach durch pflanzliche Lebensmittel ersetzt werden. Je nachdem, ob Geschmack, Farbe, bindende oder auflockernde Eigenschaften von Eiern in einer Speise gewünscht sind, eignen sich unterschiedliche Alternativen. Rezepte für vegane Eierspeise, Omeletts, Torten und Kuchen finden sich unter www.vegan.at/kochen-ohne-ei.

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Quellen

(1) World Economic Forum (2019). This is how many animals we eat each year. www.weforum.org/agenda/2019/02/chart-of-the-day-this-is-how-many-animals-we-eat-each-year/ (Zugegriffen: 01.03.2019).

(2) Wolfschmidt, M. (2016). Das Schweinesystem: Wie Tiere gequält, Bauern in den Ruin getrieben und Verbraucher getäuscht werden. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag.

(3) Statistik Austria (2018). Geflügelproduktion. Wien: Statistik Austria.

(4) Verordnung der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen über die Mindestanforderungen für die Haltung von Pferden und Pferdeartigen, Schweinen, Rindern, Schafen, Ziegen, Schalenwild, Lamas, Kaninchen, Hausgeflügel, Straußen und Nutzfischen. Letzte Änderung durch BGBl. II Nr. 151/2017. (1. Tierhaltungsverordnung). Anlage 2, Abs. 2.8.

(5) Statistik Austria (2018). Versorgungsbilanz für Eier. Wien: Statistik Austria.

(6) Statistik Austria (2018). Versorgungsbilanz für Fleisch nach Arten 2017. Wien: Statistik Austria.

(7) Greenpeace (2018). Nachhaltigkeit im Test. Versteckte Käfigeier in verarbeiteten Produkten. www.greenpeace.at/assets/uploads/pdf/presse/FactSheet_Versteckte%20Eier.pdf (Zugegriffen: 01.03.2019)

(8) Food and Agriculture Organization of the United Nations (2006). Livestock’s long shadow. Environmental issues and options. Rom: FAO.

(9) WWF (2016). Soja: Wunderbohne mit riskanten Nebenwirkungen. www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/produkte-aus-der-landwirtschaft/soja/soja-wunderbohne-mit-riskanten-nebenwirkungen/ (Zugegriffen: 01.03.2019)

(10) Poore, J. & Nemecek, T. (2018). Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers. Science, 360: 987-992.

(11) Mekonnen, M. & Hoekstra, A. (2012). A Global Assessment of the Water Footprint of Farm Animal Products. Ecosystems, 15: 401-415.

(12) Food and Agriculture Organization of the United Nations (2015). Five things we learned from the launch of the International Year of Pulses. www.fao.org/pulses-2016/news/news-detail/en/c/345401/ (Zugegriffen: 01.03.2019).