Blutbild: Welche Werte sollten Veganer:innen testen lassen?
Allen Österreicher:innen wird empfohlen, im Zuge der Gesundenuntersuchung einmal jährlich relevante Parameter in Blut und Urin kontrollieren zu lassen. Dies dient vor allem dazu, gesundheitliche Risikofaktoren rechtzeitig zu erkennen. Das von der Krankenkasse finanzierte Blutbild beschränkt sich jedoch auf die gängigen Gesundheitsrisiken, die bei Allesesser:innen häufig auftreten. Dazu zählen unter anderem erhöhte Cholesterinwerte und ein hoher Blutzucker. Während diese Werte bei Veganer:innen meist vorbildlich sind, sollte der Fokus bei einer pflanzlichen Ernährung auf der Überprüfung bestimmter als kritisch geltender Nährstoffe wie Vitamin B12 liegen.
Wir empfehlen daher zusätzlich zu den üblichen Parametern die Abklärung der folgenden Werte.
Vitamin B12
- Vitamin B12 (Gesamtkonzentration im Serum): Dieser Wert wird üblicherweise gemessen, wenn Vitamin B12 überprüft werden soll. Er umfasst sowohl die biologisch aktiven Formen des Vitamins B12 (Holo-TC) als auch inaktive (Haptocorrine I + II). Insbesondere niedrige Konzentrationen lassen aber keinen Rückschluss auf die Menge von biologisch aktivem Vitamin B12 zu. Deshalb sollte bei Werten von < 350 ng/l (bzw. < 260 pmol/l) zusätzlich Holo-TC bestimmt werden.
- Holo-Transcobalamin (Holo-TC): Dieser Wert sollte bei niedrigen Vitamin-B12-Konzentrationen bestimmt werden. Um nicht doppelt zur Blutabnahme zu müssen, ist es sinnvoll, Holo-TC gleich mit Vitamin B12 gemeinsam testen zu lassen.
Hinweis: In Österreich werden die Kosten für Holo-TC und teilweise auch für Gesamt-Vitamin-B12 leider nicht von der Kasse übernommen. Je nach Labor können die Preise stark variieren. Unter www.vegan.at/holo-tc-kosten geben wir daher eine Übersicht über Preise für Holo-TC und weitere Vitamin-B12-Werte.
Vitamin D
Da wir in unseren Breitengraden während der Wintermonate kein Vitamin D in der Haut bilden können, kann der Spiegel in dieser Zeit deutlich abfallen. Wir empfehlen daher eine Untersuchung von 25-Hydroxy-Vitamin-D (25-OH-Vitamin-D) im Herbst. So kann aufgrund der Ergebnisse entschieden werden, ob und in welcher Höhe eine Supplementierung während der Wintermonate notwendig ist.
Eisen
Der Serum-Eisenspiegel unterliegt starken Schwankungen und ist dager zur Diagnostik eines Eisenmangels ungeeignet. Ferritin und Transferrinsättigung sind die zwei aussagekräftigsten Parameter zur Beurteilung des Eisenstatus.
- Ferritin: Eisen wird in Form des Proteinkomplexes Ferritin im Körper gespeichert. Dieser Wert zeigt frühzeitig an, ob ein Eisenmangel vorliegt.
- Transferrinsättigung: Das Protein Transferrin ist für den Transport von Eisen im Blut zuständig. Die Transferrinsättigung gibt in Prozent an, wie stark Transferrin mit Eisen gesättigt ist. Eisenmangel kann der Grund für eine zu niedrige Transferrinsättigung sein.
Jod
- Jod/Kreatinin-Quotient: Die Bestimmung des Jod/Kreatinin-Quotienten
im Urin gilt als ein wichtiges Maß für die Jodversorgung
im Körper. Da Jod neben Vitamin B12 als der zweite besonders zu beachtende Nährstoff gilt, empfehlen wir dessen Überprüfung anhand dieses
Parameters. Er spiegelt die kurzfristige Jodaufnahme der letzten Tage wider. - 24-Stunden-Jodausscheidung im Urin: Dieser Test kann alternativ durchgeführt werden. Er hat eine deutlich höhere Aussagekraft, da er die exakte Jodmenge erfasst, die der Körper an einem Tag ausscheidet. Er ist jedoch relativ aufwändig und wird nur von wenigen Laboren angeboten.
- TSH: Anhand des Hormons TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) wird die Schilddrüsenfunktion beurteilt. So lassen sich Krankheiten wie Schilddrüsenunter- und -überfunktion feststellen. Diese können unter anderem durch einen Jodmangel ausgelöst werden. Zur genaueren Abklärung können außerdem die Schilddrüsenhormone freies Trijodthyronin (fT3) und freies Thyroxin (fT4) gemessen werden.
Zusätzlich können bei Interesse die folgenden Werte bestimmt werden:
Omega-3-Fettsäuren
Zur Überprüfung der Fettzufuhr kann ein Fettsäureprofil einschließlich Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren erhoben werden.
Selen
Die Selenbestimmung im Vollblut gibt Hinweise auf den Langzeitstatus und ist daher zu bevorzugen. Die Analyse aus Plasma bzw. Serum stellt dahingegen nur die momentane Versorgungslage dar.
Zink
Der genaue Zinkversorgungsstatus des Menschen ist eher schwer zu bestimmen, da der Gehalt im Plasma von verschiedenen Faktoren wie Stress und Entzündungen beeinflusst wird. Außerdem sorgen Regulationsmechanismen dafür, dass der Spiegel mit Zink aus den Speichern aufrechterhalten wird, wenn über längere Zeit zu wenig von dem Nährstoff mit der Nahrung zugeführt wird. Daher ist auch bei Zink Vollblut die bessere Wahl. Die Zinkanalytik in Plasma bzw. Serum gilt dennoch als übliches diagnostisches Vorgehen.
Achtung: Kalzium!
Die Kalziumkonzentration im Serum schwankt nur innerhalb von sehr engen Grenzen. Wird dem Körper mit der Nahrung zu wenig Kalzium zugeführt, kann Kalzium aus den Knochen freigesetzt werden. Der Kalziumgehalt im Blut sagt daher nichts über die Versorgungslage des Körpers aus. Alternativ kann Parathormon bestimmt und/oder eine Knochendichtemessung durchgeführt werden. In jedem Fall sollten Veganer:innen bewusst auf eine ausreichende Kalziumzufuhr achten.
Hinweis: Blutwerte stellen lediglich eine Momentaufnahme dar. Zudem können Messfehler nie ausgeschlossen werden. Stärkere Abweichungen von der Norm können hilfreiche Hinweise auf Nährstoffmängel und/oder Krankheiten liefern. Für eine genaue Diagnose ist jedoch eine Wiederholung des Bluttests in Kombination mit weiteren Untersuchungsmethoden notwendig.
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Online-Vortrag zum Nachschauen
In seinem kostenlosen Online-Vortrag klärt der Allgemeinmediziner Dr. Markus Kolm über Laborwerte bei pflanzlicher Ernährung auf. Du kannst es jederzeit nachsehen!







