Fällt Leder nicht sowieso wegen Fleisch an?

Fällt Leder nicht sowieso wegen Fleisch an?

17.03.2021

Wie Sie Tieren das Leben retten können!

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Ledererzeugung in der Welt

Leder als Abfallprodukt der Fleischindustrie, das kein zusätzliches Tierleid verursacht? Die Realität sieht leider anders aus: Leder wird oft als Abfallprodukt oder Naturprodukt dargestellt. Doch beides könnte nicht weiter von der Realität entfernt sein: Denn der Handel mit der Tierhaut ist ein milliardenschwerer Wirtschaftszweig, der nicht nur enormes Tierleid verursacht, sondern auch Umwelt und Gesundheit stark belastet.

Warum ist Leder kein Naturprodukt?

Fälschlicherweise wird Leder nachgesagt, ein Naturprodukt zu sein. Ein kurzer Blick auf die Lederproduktion zeigt, dass dem nicht so ist: Tierhäute müssen chemisch behandelt werden, um haltbar zu sein. Bei der Gerbung – also der Verarbeitung von roher Tierhaut zu Leder – werden zahlreiche Chemikalien eingesetzt, welche die Umwelt und Gesundheit schädigen. Pro Kilogramm roher Tierhaut werden bis zu einem halben Kilo Chemikalien eingesetzt. Am wichtigsten ist hierbei Chrom III, das sich mangels sachgemäßer Gerbung häufig zu Chrom IV wandelt – einer allergieauslösenden und erbgutschädigenden Substanz (1).

Warum ist Leder kein Abfallprodukt?

Die Leder- und Fleischindustrie sind eng miteinander verflochten. Es ist gerade die Gewinnung von Leder, welche die Schlachtung von Tieren noch rentabler macht. Neben dem Fleisch ist die Haut das ökonomisch wichtigste Produkt im Schlachthaus. So verbucht die globale Lederindustrie jährlich einen Umsatz von 82 Mrd. US-Dollar – darunter fällt der Handel mit rohen Häuten (6,2 Mrd. US-Dollar), gegerbtem Leder (22,3 Mrd. US-Dollar) und Leder in Schuhen (53,7 Mrd. US-Dollar). Zum Vergleich: Der Handelswert von Rind- und Kalbfleisch beträgt weltweit 29,2 Mrd. US-Dollar (2). Leder als Abfall? Weit gefehlt!

Warum leiden Tiere für Leder?

Die Nutzung von Tieren ist an Profitmaximierung und nicht am Tierwohl orientiert. So erleben sie einen Bruchteil ihrer natürlichen Lebenserwartung ehe sie getötet werden. Kastrationen, Hörnerkürzen, Schwanzkupieren – ohne Betäubung – das steht auch in der österreichischen Landwirtschaft an der Tagesordnung. Zudem kommen überfüllte Ställe, die das Ausleben jeglicher Bedürfnisse weitgehend verunmöglichen. Global betrachte stammt Leder vorwiegend aus Ländern mit schwachen oder nicht vorhandenen Tierschutzgesetzen. Zahlreiche Reportagen zeigen, dass das Tierleid ins Unermessliche steigt.

Welche Tiere werden für Leder verwendet?

Der Großteil des Leders stammt von Rindern, Schafen und Schweinen. Daneben werden auch sogenannte Exoten, wie beispielsweise Krokodile, Schlangen und Eidechsen, extra für deren Haut gezüchtet und gehalten. Auch Katzen und Hunde fallen in einigen Ländern der Lederindustrie zum Opfer. Im Gegensatz zu Katzen- und Hundefell darf aus ihnen gewonnenes Leder durchaus in der EU verkauft werden. Mangels aussagekräftiger Kennzeichnungspflicht ist für Konsument_innen weder ersichtlich woher das Leder stammt noch welches Tier dahintersteckt.

(2) & (3)

Woher stammen die Tiere?

Für Leder gibt es keine Pflicht zur Herkunftskennzeichnung. Das „Made in“ an Schuhen und Kleidern verrät nur, wo die Rohstoffe zur fertigen Ware verarbeitet wurden. Woher der Rohstoff Leder und die dahinterstehenden Tiere stammen, können die Konsument_innen nicht erkennen.  Mit 80 % stammt der Großteil des global verwendeten Leders aus Asien, vor allem aus China, Indien und Bangladesch. Auch Länder wie Brasilien und Argentinien, die für ihre Rindfleischproduktion bekannt sind, stellen bedeutende Lederproduzenten dar. Niedrige Umwelt- und Sozialstandards sowie fehlende Tierschutzgesetze machen es attraktiv in sogenannten Billiglohnländern Leder produzieren zu lassen – unter miserablen Bedingungen für Mensch und Tier.

(2)

Warum schadet Leder der Umwelt?

Die Chemikalien aus Gerbereien stellen eine starke Belastung für die Umwelt dar. Sie verschmutzen Luft, Wasser und Boden und stellen nicht nur für die Arbeiter_innen in der Fabrik, sondern auch für die Einwohner_innen in deren Nähe eine Gefahr dar. Besonders verheerend ist die Situation in außereuropäischen Gerbereien. Durch die ungefilterte Einleitung von chemischen Substanzen in Gewässer erkrankt die ansässige Bevölkerung häufig, etwa an Atemwegs- und Hautkrankheiten.

Boykott von Tierleidprodukten

Leder ist die Haut von empfindsamen Tieren und so ist dessen Herstellung immer mit Leid und Schmerz verbunden. Wie und wo die Tiere gelebt haben, deren Haut wir tragen, ist für Konsument_innen nicht erkennbar. Der Boykott von Leder ist ohnehin einfach: Zahlreiche vegane Alternativen sind bereits erhältlich. Neben klassischem Kunstleder wurden in den letzten Jahren außerdem innovative Produkte wie Ananas-, Apfel- und Pilzleder entwickelt.

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Quellen

(1) WDR (2019). So schmutzig ist die Herstellung von Leder. https://www.quarks.de/umwelt/so-schmutzig-ist-die-herstellung-von-leder/

(2) FAO (2016). World statistical compendium for raw hides and skins, leather and leather footwear 1999-2015. Rom: FAO.

(3) International Council of Tanners (2021). Statistics & Sources of Information. https://leathercouncil.org/information/statistics-sources-of-information/