Fleisch frisst Land – Über den Flächenverbrauch unserer Ernährung

Fleisch frisst Land – Über den Flächenverbrauch unserer Ernährung

05.09.2022

Weltweit wird die Hälfte des menschlich bewohnbaren Landes für die Landwirtschaft genutzt – zum Großteil für tierliche Lebensmittel. Sie tragen im Vergleich zu pflanzlichen Lebensmitteln jedoch nur wenig zur globalen Ernährung bei. So stellt sich die Frage, wie eine wachsende Weltbevölkerung ernährt werden kann und wie sich die Ernährung hierzulande auf den Flächenverbrauch auswirkt.

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Globale Flächen und unsere Ernährung

Eine Fläche von 40 Millionen Quadratkilometern der Erde – in etwa 10 Mal die Fläche der Europäischen Union – wird heute für Fleisch, Milch, Eier und Co. verwendet. Das entspricht 77 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche, aber nur 18 Prozent der global konsumierten Kalorien. Tierliche Lebensmittel belegen somit viel Fläche und tragen vergleichsweise wenig zur globalen Ernährung bei.

Die nachhaltige Nutzung der Flächen des Planeten erfordert jedoch einen fundamentalen Ernährungswandel hin zu einer (vorwiegenden) Pflanzenkost. Sie hat großes Potential: Eine Studie der University of Oxford zeigt auf, dass eine pflanzenbasierte Ernährung die Weltbevölkerung – nicht nur die heutigen 7,9 Milliarden, sondern auch die morgigen 10 Milliarden im Jahr 2050 – nachhaltig ernähren könnte.

Fleisch als flächenhungrigstes Lebensmittel

Die globalen Produktions- und Konsumptionsweisen von Fleisch tragen entscheidend zum Klimawandel, Biodiversitätsverlust sowie zur Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden bei. Es ist gerade auch die Frage nach dem Boden, die soziale und ökologische Probleme in Verbindung mit Fleisch aufzeigt. Denn kein anderes Lebensmittel benötigt so viel Fläche in der Produktion.

Der Flächenbedarf für Fleisch setzt sich dabei vor allem aus der Tierhaltung und zu einem wesentlich höheren Teil aus dem Futtermittelanbau zusammen. Tiere leben mittlerweile vor allem in industriellen Betrieben und auf engstem Raum. So hat in Österreich ein 110 Kilogramm schweres Schwein beispielsweise eine Fläche von 0,7 Quadratmetern zur Verfügung. Zu seiner Ernährung sind Futtermittel nötig. Sie werden im großen Stil aus anderen, vor allem südamerikanischen, Ländern eingeführt. So importiert Österreich jährlich 500.000 Tonnen Soja für die Ernährung von sogenannten Nutztieren.

Soja als beliebtes Futtermittel

Im Fall von Soja wird auch deutlich, wie Waldrodungen und Ernährung zusammenhängen: Weltweit entfallen etwa 80 Prozent der Waldrodungen auf die Landwirtschaft und damit in weiterer Folge auf unsere Ernährung. In Südamerika werden wertvolle und artenreiche Amazonas-Regenwälder und Cerrado-Savannen gerodet, um Platz für Tierhaltung und Futtermittelanbau zu machen.

Global betrachtet wird Soja zu etwa 80 Prozent für Tierfutter verwendet. Der Rest teilt sich auf Lebensmittel und Treibstoffe auf. Der Boom von Fleisch steht hier in enger Verbindung mit dem Boom von Soja und der dazugehörigen Entwaldung. Soja für pflanzliche Lebensmittel hingegen macht nur einen kleinen Teil aus und wird hierzulande vor allem über biologischen, regionalen Anbau bezogen.

Flächenfußabdruck von tierlichen und pflanzlichen Lebensmitteln

Wie groß ist nun der konkrete Unterschied zwischen tierlichen und pflanzlichen Lebensmitteln? Die bis dato umfangreichste Studie über die ökologischen Ernährungsauswirkungen gibt Antwort: Fleisch von Wiederkäuern – also von Rindern und Schafen – weist den höchsten Flächenbedarf auf. Aber auch Milch und Milchprodukte sowie Schweinefleisch belegen große Flächen. Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte können hingegen auf vergleichsweise wenig Fläche angebaut werden.

Joseph Poore und Thomas Nemecek, die Wissenschaftler der erwähnten Studie, beziehen den Flächenbedarf auf den Proteingehalt im Lebensmittel. Demnach wird für 100 Gramm Protein aus Fleisch von Mastrindern im globalen Durchschnitt eine Fläche von 164 Quadratmetern benötigt. Bei Schweinefleisch sind es 10 Quadratmeter und bei Hühnerfleich 7 Quadratmeter. Mit pflanzlichen Lebensmitteln kann der Proteinbedarf hingegen nachhaltiger gedeckt werden: Tofu benötigt nur 2,2 Quadratmeter, bei Getreide sind es 4,6 Quadratmeter. In anderen Worten: Legt man Tofu statt Rindfleisch aufs Teller, reduziert sich der Flächenbedarf um 99 Prozent.

 

Österreichische Ernährung mit großem Flächenfußabdruck

Unsere Ernährung belegt landwirtschaftliche Flächen im Inland und Ausland. Die omnivore Ernährung der Österreicher:innen – eine Kost reich an tierlichen Produkten wie Fleisch, Milch und Eiern – nimmt besonders viel Fläche in Anspruch (1.832 m2 pro Person und Jahr). Je niedriger der Konsum an Tierprodukten, desto niedriger der Flächenbedarf: Eine rein pflanzliche Ernährung hat daher den niedrigsten Flächenfußabdruck (629 m2 pro Person und Jahr) und senkt den Flächenbedarf damit im Vergleich zu einer omnivoren Ernährung um 66 Prozent.

Die Reduktion des Fleischkonsums hierzulande würde nicht nur Tierleid mindern, sondern hätte auch das Potential, zu einer nachhaltigeren und sozial gerechteren Flächennutzung auf der Welt beizutragen. Derzeit belegt Österreich für seine Ernährung weite Flächen im Ausland. Ein großer Teil entfällt hier auf Futtersoja (193.050 Hektar) aus Südamerika. Wenn der Fleischkonsum um etwa ein Fünftel sinken würde, würden keine Sojaimporte mehr benötigt werden. Eine entsprechend große Fläche könnte in den Anbauländern frei werden und für andere Zwecke verwendet werden. Auch Palmöl, das vor allem aus Südostasien stammt, könnte durch heimische Alternativen wie Raps- und Sonnenblumenöl ersetzt werden. Die nötige Fläche (121.316 Hektar) würde durch eine Reduktion des Fleischkonsums um 13 Prozent frei werden.

Land für heutige und zukünftige Generationen

Ein Wandel hin zu einer pflanzenbasierten Ernährung hat viele Vorteile: Es werden weniger landwirtschaftliche Flächen beansprucht und die österreichische Ernährungsautarkie kann gestärkt werden. Zudem ist sie gelebter Umwelt- und Tierschutz und auch für die eigene Gesundheit positiv. Eine pflanzliche Ernährung schont damit wertvolle Ressourcen wie Land – für heutige und zukünftige Generationen.