Fleisch- und Milchalternativen unter der Lupe: Vorteile für Umwelt, Ernährung und Gesundheit, Verbesserungspotenzial beim Preis
Fleisch- und Milchalternativen unter der Lupe: Vorteile für Umwelt, Ernährung und Gesundheit, Verbesserungspotenzial beim Preis
Eine Studie der Universität Oxford hat Fleisch- und Milchalternativen genau unter die Lupe genommen und kommt zu einem klaren Ergebnis: Pflanzliche Alternativen zu Fleisch und Milch sind nachhaltiger und gesünder als die entsprechenden tierischen Lebensmittel. Es gilt: Je weniger verarbeitet sie sind, desto besser.

Unsere Ernährung im Zentrum multipler Krisen
Die Klima-, Biodiversitäts- und Gesundheitskrisen haben im globalen Ernährungssystem eine gemeinsame Wurzel. So entfällt etwa ein Drittel der Treibhausgase weltweit auf unsere Ernährung, der Großteil auf Fleisch und Milch. Der hohe Konsum steht wiederum mit zahlreichen chronischen Krankheiten in Verbindung. Ein Ernährungswandel hin zu einer nachhaltigen Kost, die reich an pflanzlichen und arm an tierischen Lebensmitteln ist, wird daher zu einem Schlüssel im Kampf gegen die Klimakrise und zahlreiche weitere Krisen unserer Zeit.
Analyse aus mehreren Perspektiven
Wie ein nachhaltiges Ernährungssystem aussehen kann und welche Rolle Fleisch- und Milchalternativen darin spielen, hat Dr. Marco Springmann von der Universität Oxford untersucht. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Studien nimmt er dabei mehrere Perspektiven – eine ernährungsphysiologische, gesundheitliche, ökologische und preisliche – gleichzeitig in den Blick. Fleisch und Milch werden dabei mit unverarbeiteten Alternativen wie Soja, Erbsen und Bohnen sowie verarbeiteten Alternativen wie Pflanzenmilch, Tofu und Veggie-Burger verglichen.
Besser für Klima und Umwelt
Aus ökologischer Sicht überzeugen pflanzliche Fleisch- und Milchalternativen mit weit niedrigeren Emissionen von Treibhausgasen. Zudem verursacht die Produktion einen wesentlich kleineren Wasser- und Flächenfußabdruck. Die Umweltauswirkungen von pflanzlichen Fleisch- und Milchalternativen machen somit nur einen Bruchteil jener von Rindfleisch und Kuhmilch aus. Fleischalternativen verursachen 94–99 % weniger Treibhausgase, Milchalternativen 55–93 % weniger.

Besser für Ernährung und Gesundheit
Zudem zeigt sich aus ernährungsphysiologischer und gesundheitlicher Perspektive, dass pflanzliche Fleisch- und Milchalternativen tendenziell über ein besseres Nährstoffprofil verfügen. Sie enthalten mehr Ballaststoffe, weniger gesättigte Fettsäuren und kein Cholesterin. Über einen längeren Zeitraum konsumiert, können pflanzliche Alternativen zu einem niedrigeren Risiko für chronische Krankheiten beitragen. Die Substitution von Fleisch und Milch mit derselben Menge an Kalorien einer pflanzlichen Alternative würde so zu einer Reduktion der gesamtgesellschaftlichen Mortalität um 5–6 % führen.
Verbesserungsbedarf beim Preis
Die größte Barriere für einen Ernährungswandel offenbart sich im Preis, wobei sich innerhalb der Alternativprodukte große preisliche Unterschiede zeigen. Während unverarbeitete pflanzliche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte und Getreide günstiger als Fleisch und Milch sind, liegen die Preise von verarbeiteten Alternativprodukten höher.

Pflanzlich besser als tierisch, unverarbeitet besser als verarbeitet
Hülsenfrüchte an die Macht: So in etwa lassen sich die Resultate von Marco Springmanns Studie zusammenfassen. Unverarbeitete pflanzliche Lebensmittel wie Soja, Erbsen und Bohnen sind in puncto Ernährung, Gesundheit, Umwelt und Preis am vielversprechendsten. Verarbeitete pflanzliche Lebensmittel performen in allen vier Bereichen zwar etwas schlechter, jedoch noch immer wesentlich besser als Fleisch und Milch von Tieren.
Pflanzliches Potenzial muss politisch umgesetzt werden
Fleisch- und Milchalternativen verfügen im Kampf gegen die Klima- und Umweltkrisen unserer Zeit über ein enormes Potenzial. Zudem unterstützen sie die Gesundheit der Menschen. Um dieses Potenzial entfalten zu können, braucht es jedoch auch ein stärkeres Bekenntnis auf politischer Ebene. Nachhaltige pflanzliche Speisen sollten zum Standard in der öffentlichen Verpflegung werden. Steuer- und Subventionssysteme müssen umgestaltet werden, um Kostenwahrheit in der Ernährung zu erzeugen. Schließlich sollten nachhaltiges Obst und Gemüse sowie pflanzliche Fleisch- und Milchalternativen für alle leistbar und zugänglich werden.
Quelle
Springmann, Marco. 2024. A multicriteria analysis of meat and milk alternatives from nutritional, health, environmental, and cost perspectives. PNAS 121 (50). doi.org/10.1073/pnas.2319010121.
Dieser Artikel ist in unserer VEGAN.AT-Ausgabe 44 erschienen.


