Blutbild: Welche Werte sollten Veganer:innen testen lassen?

Blutbild: Welche Werte sollten Veganer:innen testen lassen?

24.05.2019

Allen Österreicher:innen wird empfohlen, im Zuge der Gesundenuntersuchung einmal jährlich relevante Parameter in Blut und Urin kontrollieren zu lassen. Dies dient vor allem dazu, gesundheitliche Risikofaktoren rechtzeitig zu erkennen. Das von der Krankenkasse finanzierte Blutbild beschränkt sich jedoch auf die gängigen Gesundheitsrisiken, die bei Allesesser:innen häufig auftreten. Dazu zählen unter anderem erhöhte Cholesterinwerte und ein hoher Blutzucker. Während diese Werte bei Veganer:innen meist vorbildlich sind, sollte der Fokus bei einer pflanzlichen Ernährung auf der Überprüfung bestimmter als kritisch geltender Nährstoffe wie Vitamin B12 liegen.

Wir empfehlen daher zusätzlich zu den üblichen Parametern die Abklärung folgender Werte:

Vitamin B12

  • Vitamin B12 (Gesamtkonzentration im Serum): Dieser Wert wird üblicherweise gemessen, wenn Vitamin B12 überprüft werden soll. Er umfasst sowohl die biologisch aktiven Formen des Vitamins B12 (Holo-TC) als auch inaktive (Haptocorrine I + II). Insbesondere niedrige Konzentrationen lassen aber keinen Rückschluss auf die Menge biologisch aktiven Vitamins B12 zu. Deshalb sollte bei Werten von < 350 ng/ml (bzw. < 260 pmol/l) zusätzlich Holo-TC bestimmt werden.
  • Holo-Transcobalamin (Holo-TC): Dieser Wert sollte bei niedrigen Vitamin-B12-Konzentrationen bestimmt werden. Um nicht doppelt zur Blutabnahme zu müssen, ist es sinnvoll, Holo-TC gleich mit Vitamin B12 gemeinsam testen zu lassen.
    Hinweis: In Österreich werden die Kosten für Holo-TC und teilweise auch Gesamt-Vitamin-B12 leider nicht von der Kasse übernommen. Je nach Labor können sie stark variieren. Unter www.vegan.at/holo-tc-kosten geben wir daher eine Übersicht über Labore, die einen Holo-TC-Test anbieten, sowie die jeweiligen Preise für sowohl Holo-TC als auch Gesamt-Vitamin-B12.

Vitamin D

Da wir in unseren Breitengraden während der Wintermonate kein Vitamin D in der Haut bilden können, kann der Spiegel in dieser Zeit deutlich abfallen. Wir empfehlen daher eine Untersuchung von 25-Hydroxy-Vitamin-D (25-OH-Vitamin-D) im Herbst. So kann aufgrund der Ergebnisse entschieden werden, ob und in welcher Höhe eine Supplementierung während der Wintermonate notwendig ist.

Eisen

Da der Serum-Eisenspiegel starken Schwankungen unterliegt, ist er zur Diagnostik eines Eisenmangels ungeeignet. Ferritin und Transferrinsättigung sind die zwei aussagekräftigsten Parameter zur Beurteilung des Eisenstatus.

  • Ferritin: Eisen wird in Form des Proteinkomplexes Ferritin im Körper gespeichert. Dieser Wert zeigt frühzeitig an, ob ein Eisenmangel vorliegt.
  • Transferrinsättigung: Das Protein Transferrin ist für den Transport von Eisen im Blut zuständig. Die Transferrinsättigung gibt in Prozent an, wie stark Transferrin mit Eisen gesättigt ist. Eisenmangel kann der Grund für eine zu niedrige Transferrinsättigung sein.

Jod

  • TSH: Anhand des Hormons TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) wird die Schilddrüsenfunktion beurteilt. So lassen sich Krankheiten wie Schilddrüsenunter- und -überfunktion feststellen. Diese können unter anderem durch einen Jodmangel ausgelöst werden. Zur genaueren Abklärung können außerdem die Schilddrüsenhormone T3 und T4 gemessen werden.
  • 24-Stunden-Jodausscheidung im Urin: Dieser Test kann zusätzlich zu TSH durchgeführt werden, wird jedoch nur von wenigen Laboren angeboten.

Zusätzlich können bei Interesse folgende Werte bestimmt werden:

Omega-3-Fettsäuren

Zur Überprüfung der Fettzufuhr kann ein Fettsäureprofil einschließlich Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren erhoben werden.

Selen

Die Selenbestimmung im Vollblut gibt Hinweise auf den Selenlangzeitstatus der Person. Die Analyse aus Plasma bzw. Serum stellt hingegen die momentane Versorgungslage dar.

Zink

Der genaue Zinkversorgungsstatus des Menschen ist eher schwer zu bestimmen, da der Gehalt im Plasma durch verschiedene Faktoren wie Stress und Entzündungen beeinflusst wird. Außerdem sorgen Regulationsmechanismen dafür, dass der Spiegel mit Zink aus den Speichern aufrecht erhalten wird, wenn über längere Zeit zu wenig von dem Nährstoff mit der Nahrung zugeführt wird. Die Zinkanalytik in Plasma bzw. Serum gilt dennoch als übliches diagnostisches Vorgehen.

Achtung: Kalzium!

Die Kalziumkonzentration im Serum schwankt nur in sehr engen Grenzen. Wird dem Körper zu wenig Kalzium mit der Nahrung zugeführt, kann Kalzium aus den Knochen freigesetzt werden. Der Kalziumgehalt im Blut sagt daher nichts über die Versorgungslage des Körpers aus. Alternativ kann Parathormon bestimmt und/oder eine Knochendichtemessung durchgeführt werden. In jedem Fall sollten Veganer:innen bewusst auf eine ausreichende Kalziumzufuhr achten.

Fazit: Blutwerte bei veganer Ernährung

Neben den üblichen Parametern sollten Veganer:innen Vitamin B12, Vitamin D, Ferritin und TSH testen lassen. Wir empfehlen außerdem die Bestimmung von Holo-Transcobalamin und Transferrinsättigung. Zusätzlich können die 24-Stunden-Jodausscheidung im Urin, Selen, Zink und ein freies Fettsäureprofil interessante Informationen bieten. Zu beachten bleibt, dass Blutwerte lediglich eine Momentaufnahme darstellen und auch Messfehler nie ausgeschlossen werden können. Stärkere Abweichungen von der Norm können somit hilfreiche Hinweise auf Nährstoffmängel und/oder Krankheiten liefern. Für eine genaue Diagnose ist jedoch eine Wiederholung des Bluttests in Kombination mit weiteren Untersuchungsmethoden notwendig.

Vegane Nährwerttabelle zum Download: Nährwerttabelle

Webinar zum Nachschauen

In seinem kostenlosen Webinar klärt der Allgemeinmediziner Dr. Markus Kolm über Laborwerte bei pflanzlicher Ernährung auf. Es kann hier nachgesehen werden.

Foto: fotolia.com | sonne_fleckl