Österreichische Ärztezeitung: Umweltmediziner_innen raten zu pflanzenbetonter Ernährung

Österreichische Ärztezeitung: Umweltmediziner_innen raten zu pflanzenbetonter Ernährung

13.02.2021

Das derzeitige Ernährungssystem mit einem hohen Anteil tierischer Produkte trägt fast ein Drittel zu den globalen Treibhausgas-Emissionen bei. In einem umfangreichen Artikel, publiziert in der Österreichischen Ärztezeitung vom 10.02.2021, warnen Umweltmediziner_innen vor den negativen Folgen des hohen Fleischkonsums auf die planetare sowie menschliche Gesundheit. Um diese zu reduzieren, sollten tierische Proteinquellen zu großen Teilen durch pflanzliche Lebensmittel ersetzt werden.

Tierische Produkte: Gefahr für das Klima und die biologische Vielfalt

In den letzten Jahrzehnten ist es durch die bisherige Nutzung der Ressourcen zum Klimawandel, dem Verlust der biologischen Vielfalt und zu Störungen des Stickstoffkreislaufs gekommen. Die weltweit hohe Nachfrage nach Fleisch und anderen tierischen Produkten hat entscheidend dazu beigetragen.

Die Zahlen sprechen für sich: Die Tierhaltung verursacht 14,5 % der gesamten Treibhausgas-Emissionen. Würden alle Menschen ihren Fleischkonsum deutlich reduzieren oder ganz auf vegane Ernährung umsteigen, könnten bis zu 3.500 Millionen Hektar Weide und 375 Millionen Hektar Ackerland der Natur zurückgeführt werden – was zu einer großen Kohlenstoffaufnahme durch wieder wachsende Vegetation führen würde.

Landnutzung und Wasserverbrauch

Derzeit wird rund die Hälfte der gesamten bewohnbaren Fläche für die Landwirtschaft genutzt. Davon entfallen 77 % allein auf die Tierzucht sowie den Anbau von Futtermitteln und die Nutzung von Weiden, obwohl tierische Produkte nur 17 % der Kalorien liefern. Für den Anbau von Pflanzen werden hingegen lediglich 23 % genutzt. Eine pflanzenbetonte Ernährung gilt somit auch als Schlüssel für Ernährungssicherheit.

Der Anteil der Landwirtschaft am gesamten Wasserbrauch beträgt 70 %. Wiederum wird hier der größte Teil für die Fleischproduktion eingesetzt. Eine Umstellung auf vegetarische Ernährung könnte 35 bis 55 % des Wassers einsparen.

Conclusio

Die steigende globale Nachfrage nach Fleisch und anderen tierischen Lebensmitteln hat eine planetare und menschliche Gesundheitskrise zur Folge. Die derzeit insbesondere in den „westlichen“ Ländern üblichen Ernährungsgewohnheiten sind nicht gesund und die Produktionsmuster nicht nachhaltig. Zum Schutz der Umwelt und zur Verbesserung der menschlichen Gesundheit sehen die Autor_innen eine globale Ernährungsumstellung mit einer gesteigerten Aufnahme pflanzlicher Lebensmittel anstelle von tierischen als notwendig an. Dabei sollten pflanzliche Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse, Samen, Pilze und hochwertige Pflanzenöle sowie pflanzliche Alternativen für Milch- und Fleischprodukte im Mittelpunkt stehen. Um die Menschen zum vermehrten Konsum pflanzlicher Lebensmittel zu ermutigen, müssen Nachhaltigkeitskriterien in nationalen lebensmittelbasierten Ernährungsrichtlinien integriert werden. Damit könnten nicht nur Treibhausgase-Emissionen und Biodiversitätsverluste reduziert, sondern auch Millionen Menschenleben gerettet und Krankheiten verhindert werden.