DGE-Positionspapier zu veganer Ernährung | Vegane Gesellschaft Österreich

DGE-Positionspapier zu veganer Ernährung

14.04.2016

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) hat kürzlich ein eigenes Positionspapier zu veganer Ernährung veröffentlicht. Darin wird in erster Linie die Nährstoffaufnahme bei veganer Ernährung analysiert, worauf aufbauend konkrete Handlungsempfehlungen zur Vermeidung möglicher Defizite gegeben werden. Aber auch die Vorteile einer pflanzenbetonten Kost werden in der 11-seitigen Stellungnahme angesprochen. Die DGE reagiert damit auf die seit einigen Jahren stark steigende Anzahl vegan lebender Menschen im deutschen Sprachraum.

Obst

Positive Effekte pflanzlicher Ernährung

Eine vegane Ernährung hat deutliche Vorteile hinsichtlich der Lebensmittelauswahl: Während eine hohe Zufuhr von rotem Fleisch und insbesondere Fleischerzeugnissen das Risiko für bestimmte Erkrankungen wie einige Krebsarten erhöht, können hohe Anteile an ballaststoffreichen Getreideprodukten sowie Obst und Gemüse das Risiko für viele Krankheiten senken. Dazu gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus Typ 2. Eine vegane Ernährung ist nicht nur frei von Fleisch, aber reich an Obst, Gemüse und ballaststoffreichen Getreideprodukten, sondern zeichnet sich darüber hinaus durch eine hohe Aufnahme an sekundären Pflanzenstoffen aus. Somit „kann angenommen werden, dass eine pflanzenbetonte Ernährungsform [...] gegenüber der in Deutschland üblichen Ernährung mit einer Risikosenkung für ernährungsbedingte Krankheiten verbunden ist.“, schlussfolgert die DGE.

Nährstoffzufuhr bei veganer Ernährung

Pflanzenbetonte Ernährungsweisen gehen mit einer guten Versorgung mit verschiedenen Vitaminen wie Vitamin C, Vitamin E, Thiamin und Folat sowie Mineralstoffen wie Magnesium und Kalium einher. Ebenso enthält eine vegane Ernährung viele Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, während weniger gesättigte Fettsäuren als bei der omnivoren Kost und kein Cholesterin aufgenommen werden. Die DGE erwähnt diese Vorteile, konzentriert sich in ihrem Positionspapier jedoch auf die potentiell kritischen Nährstoffe, zu denen in erster Linie Vitamin B12 zählt. Da dieses in einer für den Menschen verfügbaren Form in pflanzlichen Lebensmitteln fast nicht vorkommt, empfiehlt die DGE die Integration von Nährstoffpräparaten oder angereicherten Lebensmitteln sowie eine regelmäßige Blutkontrolle. Als Biomarker stehen hierfür die Blutkonzentration von Vitamin B12, Holotranscobalamin, Methylmalonsäure im Serum und Homocystein im Plasma zur Verfügung. Zu beachten ist, dass keiner dieser Biomarker als alleiniger Parameter zur Beurteilung der Vitamin-B12-Versorgung geeignet ist.

Mögliche Schwierigkeiten sieht die DGE jedoch auch in der Versorgung mit Protein bzw. unentbehrlichen Aminosäuren, langkettigen Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA) sowie den Vitaminen Riboflavin und Vitamin D und einigen Mineralstoffen (Kalzium, Eisen, Jod, Zink, Selen). Im Rahmen einer übersichtlichen Tabelle werden pflanzliche Nährstofflieferanten vorgestellt, mit denen die als potentiell kritisch benannten Nährstoffe abgedeckt werden können.

Potenziell kritische Nährstoffe bei veganer Ernährung und pflanzliche Nährstofflieferanten

Potenziell kritischer Nährstoffa Pflanzliche Nährstofflieferanten Anmerkungen zur veganen Ernährungb
Protein Hülsenfrüchte, Nüsse, Getreide (Vollkorn), Ölsamen, Kartoffeln über den Tag verteilt und gezielt kombiniert (z. B. Getreide + Hülsenfrüchte, Sojaprodukte und/oder Ölsamen) verzehren
  • Bei Verzehr vielfältiger pflanzlicher Proteinquellen wie Getreide, Hülsenfrüchte und Kartoffeln, über den Tag verteilt [83] und einer ausreichenden Energiezufuhr [84] kann der Proteinbedarf gedeckt werden [85, 86]. Ob dies auch bei Kleinkindern möglich ist, ist unklar. Nach Young und Pellett kann eine Ernährung auf ausschließlich pflanzlicher Basis bei Kombination verschiedener Proteinquellen durchaus ein normales Wachstum von Kindern ermöglichen [83]. Demgegenüber kann laut Krajcovicova-Kudlackova et al. der Bedarf an unentbehrlichen Aminosäuren in Phasen hohen Bedarfs wie dem Wachstum nicht ausschließlich durch pflanzliches Protein gedeckt werden, da die Proteinqualität von pflanzlichem Protein niedriger ist als die von tierischem Protein [87].
  • Durch die gezielte Kombination verschiedener pflanzlicher Proteinquellen kann die Proteinqualität der täglichen Proteinzufuhr und damit die Zufuhr aller unentbehrlichen Aminosäuren erhöht werden [88, 89].
  • Bei Säuglingen und Kindern ist der Anteil des Bedarfs an unentbehrlichen Aminosäuren am Proteinbedarf im Vergleich zu Erwachsenen höher [90]. Während des Wachstums muss daher besonders auf eine ausreichende Zufuhr an Protein und den unentbehrlichen Aminosäuren sowie auf eine ausreichende Energiezufuhr geachtet werden.
langkettige n3-Fettsäuren mit Mikroalgenölen angereicherte Lebensmittel
  • Bei einer strikten veganen Ernährungsweise wird kaum Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) zugeführt. Außerdem ist die Umwandlung der n3-Fettsäure α-Linolensäure (ALA; z. B. aus Leinsamen, Walnüssen, Raps oder daraus hergestellten Ölen) zu EPA und DHA limitiert [91].
  • Öle aus Mikroalgen enthalten DHA [92–94]. Die Mikroalgenöle aus den Mikroalgen Ulkenia und Schizochytrium sind als Novel Food zugelassen [95, 96].
Vitamin D einige Speisepilze (z. B. Champignons, Pfifferlinge), mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel Vitamin D nimmt unter den Vitaminen eine Sonderstellung ein, da es sowohl über die Ernährung zugeführt als auch vom Menschen selbst durch Sonnenbestrahlung gebildet werden kann [30].
Riboflavin Ölsamen, Nüsse, Hülsenfrüchte, verschiedene Gemüsearten (z. B. Brokkoli, Grünkohl) und Vollkorngetreide
Vitamin B12 mit Vitamin B12 angereicherte Lebensmittel
  • Vegane Ernährung enthält bei ausschließlichem Verzehr nicht angereicherter Lebensmittel kaum Vitamin B12.
  • Lebensmittel pflanzlicher Herkunft können durch bakterielle Gärung, wie z. B. bei Sauerkraut, Spuren von Vitamin B12 enthalten. Es ist allerdings nicht klar, ob die enthaltene Form des Vitamin B12 für den Menschen verwertbar ist. Außerdem sind die Mengen so gering, dass eine bedarfsdeckende Zufuhr damit nicht möglich ist [2].
  • Shiitake-Pilze enthalten Vitamin B12, wobei die enthaltene Menge stark schwanken kann [97]. Auch Meeresalgen wie Nori können Vitamin B12 liefern. Hierbei muss auf einen deklarierten moderaten Jodgehalt geachtet werden. Sie sind aber als alleinige Vitamin-B12-Quelle aufgrund der unklaren Bioverfügbarkeit bzw. enthaltenen inaktiven Form des Vitamin B12 ungeeignet [97–102].
  • Spirulina und andere Produkte mit Cyanobakterien, die als natürliche Vitamin-B12-Quelle für sich vegan ernährende Personen ausgelobt werden, enthalten kein für den Menschen wirksames Cobalamin und sind für die Bedarfsdeckung ungeeignet [102].
  • Veganer können mit herkömmlichen Lebensmitteln einschließlich fermentierten Lebensmitteln ihre Vitamin-B12-Versorgung nicht sicherstellen. Für eine ausreichende Vitamin-B12-Zufuhr ist die Einnahme eines Vitamin-B12-Präparats notwendig [32, 33].
Calcium Gemüse (z. B. Brokkoli, Grünkohl, Rucola), Nüsse (z. B. Haselnüsse und Paranüsse), Hülsenfrüchte, Fleischersatz aus Soja („texturiertes Sojaprotein“), Tofu, Mineralwasser (calciumreich, > 150 mg/L), mit Calcium angereicherte Lebensmittel
Eisen Hülsenfrüchte, Ölsamen, Nüsse, Vollkorngetreide und verschiedene Gemüsearten (z. B. Spinat, Schwarzwurzeln)
  • Der gleichzeitige Verzehr von Lebensmitteln, die reich an Vitamin C oder anderen organischen Säuren sind, verbessert die Eisenverfügbarkeit [2].
  • Substanzen wie Phytate und Polyphenole (z. B. in Tee und Kaffee) können die Eisenabsorption vermindern [2, 103]. Schwarzer Tee und Kaffee sollte nicht direkt vor, während und nach Mahlzeiten mit hohem Eisengehalt getrunken werden.
  • Vor allem Schwangere und Stillende sollten – wie allgemein empfohlen – bei nachgewiesenem Eisenmangel ein Eisenpräparat einnehmen.
Jod
  • jodiertes und fluoridiertes Speisesalz sowie damit hergestellte Lebensmittel (wie allgemein empfohlen)
  • mit Meeresalgen versetztes Meersalz mit definiertem Jodgehalt oder gelegentlich Verzehr von Meeresalgen mit moderatem Jodgehalt, wie z. B. Nori
  • Getrocknete Algenprodukte mit einem Jodgehalt von > 20 mg/kg stuft das Bundesinstitut für Risikobewertung als gesundheitsschädlich ein und rät vom Verzehr ab [104].
  • Goitrogene (kropffördernde) Substanzen in pflanzlichen Lebensmitteln wie Kohlgewächsen, Sojabohnen und Süßkartoffeln können die Bioverfügbarkeit von Jod mindern, was bei sehr niedriger Jodzufuhr bedeutsam sein kann [2].
  • Vor allem Schwangere und Stillende sollten – wie allgemein empfohlen – nach Abschätzung der individuellen Versorgung und Rücksprache mit dem Arzt Jodtabletten einnehmen.
Zink Vollkorn, Hülsenfrüchte, Ölsamen, Nüsse Zubereitungsverfahren wie Sauerteiggärung und Keimung verbessern die Bioverfügbarkeit [2].
Selen Kohl- (z. B. Brokkoli, Weißkohl), Zwiebelgemüse (z. B. Knoblauch, Zwiebeln), Pilze, Spargel und Hülsenfrüchte, Paranüsse Der Gehalt in pflanzlichen Lebensmitteln variiert je nach Anbaugebiet stark, da er vom Selengehalt der Böden abhängig ist [2].

Fußnoten

  1. Referenzwerte für die Zufuhr dieser Nährstoffe siehe [30] und dge.de/wissenschaft/referenzwerte
  2. Über die hier genannten Hinweise zur Einnahme von Präparaten hinaus gelten für Veganer, wie für die Allgemeinbevölkerung, die Empfehlungen zur Vitamin-K-Gabe bei Neugeborenen (orale Gabe von 3 x 2 mg Vitamin K) sowie zur Vitamin-D-Gabe bei Säuglingen (täglich 10 μg Vitamin D) und zur Einnahme eines Folsäurepräparats bei Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten (täglich 400 μg synthetische Folsäure); die Folsäureeinnahme sollte spätestens 4 Wochen vor Beginn der Schwangerschaft anfangen und während des ersten Drittels der Schwangerschaft beibehalten werden [30].

Vegane Ernährung bei Kindern, Schwangeren und Stillenden

Hinsichtlich der veganen Ernährung in speziellen Lebensphasen wie Kindheit, Schwangerschaft und Stillzeit äußert sich die DGE vorsichtig. Aktuelle aussagekräftige Studien fehlen derzeit noch, um die Versorgungssituation umfassend beurteilen zu können. Da in diesen sensiblen Lebensphasen generell ein höheres Risiko für Nährstoffdefizite besteht, müsse veganen Schwangeren, Stillenden und Kindern vom Säuglingsalter über die gesamte Wachstumsphase bis hin zu Jugendlichen gesonderte Aufmerksamkeit gelten. Wichtig sei die Auswahl von hochwertigen, nährstoffreichen Lebensmitteln sowie die regelmäßige Überprüfung der Nährstoffversorgung durch Ernährungsberater und Ärzte, um die Zufuhr einzelner Nährstoffe durch den genau kalkulierten Verzehr angereicherter Lebensmittel oder Nährstoffpräparate zu optimieren.

Lebensmittelauswahl bei veganer Ernährung

Die Nachfrage nach veganen Fertig- und Ersatzprodukten steigt rasant. Eine gesunde vegane Ernährung basiert jedoch auf natürlichen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse einschließlich Hülsenfrüchten, Getreide, Nüsse und Ölsamen sowie hochwertigen Ölen. Auch für die Lebensmittelauswahl werden anhand einer Tabelle Tipps gegeben.

Lebensmittelgruppen in der vollwertigen Ernährung (Mischkost) und in der veganen Ernährung

Lebensmittel Vollwertige Ernährung (Mischkost) nach DGE (Orientierungswerte für Erwachsene) [80, 81] Vegane Ernährung nach der Gießener vegetarischen Lebensmittelpyramide [2]
Gruppe 1: Getreide, Getreideprodukte, Kartoffeln täglich
  • 4−6 Scheiben (200−300 g) Brot oder
    3−5 Scheiben (150−250 g) Brot und
    50−60 g Getreideflocken und
  • 1 Portion (200−250 g) Kartoffeln (gegart) oder
    1 Portion (200−250 g) Nudeln (gegart) oder
    1 Portion (150−180 g) Reis (gegart)
Produkte aus Vollkorn bevorzugen
etwa 2−3 Mahlzeiten pro Tag, z. B. Vollkornbrot, Kartoffeln, Reis
Gruppe 2: Gemüse (inkl. Hülsenfrüchte) und Salat täglich
  • mindestens 3 Portionen (400 g) Gemüse:
    300 g gegartes Gemüse und 100 g Rohkost/Salat oder
    200 g gegartes Gemüse und 200 g Rohkost/Salat
mindestens 400 g bzw. 3 Portionen Gemüse (für die Calciumversorgung häufiger dunkelgrünes Gemüse wählen)
Gruppe 3: Obst (inkl. Nüsse) täglich
  • mindestens 2 Portionen (250 g) Obst
mindestens 300 g bzw. 2 Portionen Obst pro Tag, frisches Obst ergänzen durch maximal 50 g Trockenfrüchte und Säfte;
Nüsse und Samen: 30−60 g pro Tag (v. a. Mandeln und Sesam liefern viel Calcium)
Gruppe 4: Milch und Milchprodukte täglich
  • 200−250 g fettarme Milch und Milchprodukte und
  • 2 Scheiben (50−60 g) fettarmen Käse
entfällt; stattdessen:
Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen, Kichererbsen und Linsen: 1−2 Mahlzeiten pro Woche und Sojaprodukte (Sojamilch, -jogurt, Tofu, Tempeh, etc. ...) und weitere Proteinquellen (z. B. Seitan): 50−150 g/Tag
Gruppe 5: Fleisch, Wurst, Fisch und Eier wöchentlich
  • 300−600 g fettarmes Fleisch (zubereitet) und fettarme Wurst und
  • 1 Portion (80−150 g) fettarmen Seefisch (zubereitet) und
  • 1 Portion (70 g) fettreichen Seefisch (zubereitet) und
  • bis zu 3 Eier (inkl. verarbeitetes Ei)
Gruppe 6: Öle und Fette täglich
  • 10−15 g Öl (z. B. Raps-, Walnuss- oder Sojaöl) und
  • 15−30 g Margarine oder Butter
naturbelassene pflanzliche Öle und Fette:
2−4 Esslöffel pro Tag – für die Versorgung mit n3-Fettsäuren v. a. Raps-, Lein- und Walnussöl wählen
Gruppe 7: Getränke täglich
  • rund 1,5 L, bevorzugt energiefreie/-arme Getränke
calciumreiches Wasser und andere alkoholfreie, kalorienarme Getränke: täglich 1−2 L
außerdem
  • Jodiertes und fluoridiertes Speisesalz sparsam verwenden.
  • Vitamin D nimmt unter den Vitaminen eine Sonderstellung ein, da es sowohl über die Ernährung zugeführt als auch vom Menschen selbst durch Sonnenbestrahlung gebildet werden kann.
  • Sonnenlicht (mind. 15 Min./Tag) für Vitamin D
  • Bei veganer Ernährung sollte die sichere Versorgung mit Vitamin B12 und D durch entsprechende Nährstoffpräparate abgesichert werden.

Vergleich mit internationalen und nationalen Empfehlungen

Die bekannteste Stellungnahme zum Thema vegane Ernährung stammt von der Academy of Nutrition and Dietetics aus den USA, größte und bekannteste Fachgesellschaft für Ernährung der Welt. Sie vertritt schon seit vielen Jahren die Position, dass eine gut geplante vegane Ernährung allen Ernährungsempfehlungen gerecht werden kann und für alle Altersgruppen angemessen ist. Ausdrücklich schließt sie auch Schwangerschaft, Stillzeit und Kindheit mit ein. Dieser Position folgen Fachgesellschaften anderer Länder wie etwa das National Research Council in den Ernährungsempfehlungen für Australien und das portugiesische National Programme for the Promotion of a Healthy Diet. Kritische Stimmen hinsichtlich einer veganen Ernährung für Kinder, Schwangere und Stillende kommen vor allem aus dem deutschen Sprachraum. So wird beispielsweise in den Empfehlungen der Ernährungskomission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin eine vegane Ernährung ohne die Einnahme von Nährstoffpräparaten für Säuglinge abgelehnt.

Fazit und Positionierung der DGE

Laut DGE ist eine vegane Ernährung dann bedarfsgerecht möglich, wenn bestimmte Punkte beachtet werden:

  • die dauerhafte Einnahme eines Vitamin-B12-Präparats sowie die regelmäßige ärztliche Überprüfung der Vitamin-B12-Versorgung,
  • die gezielte Auswahl nährstoffdichter Lebensmittel und angereicherter Lebensmittel, um die Nährstoffversorgung sicherzustellen,
  • gegebenenfalls die ärztliche Überprüfung mit weiteren kritischen Nährstoffen und bei einem Mangel die Ernährung umstellen und über Nährstoffpräparate oder angereicherte Lebensmittel die kritischen Nährstoffe solange zuführen, bis der Mangel behoben ist,
  • Beratung von einer qualifizierten Ernährungsfachkraft.

Eine vegane Ernährung in Schwangerschaft, Stillzeit, Kindes- und Jugendalter empfiehlt die DGE nicht, rät jedoch auch nicht ausdrücklich davon ab. Wer sich dazu entscheide, sollte unbedingt die oben genannten Punkte beachten.

Kommentar der Veganen Gesellschaft Österreich

Mit dem Positionspapier der DGE gibt es nun erstmals offizielle Empfehlungen zur veganen Ernährung im deutschen Sprachraum. Die DGE spielt nicht nur in Deutschland eine zentrale Rolle bei ernährungswissenschaftlichen Fragen, sondern hat auch einen wesentlichen Einfluss auf Entscheidungen und Empfehlungen in Österreich. Da der Anteil vegan lebender Menschen derzeit im deutschen Sprachraum rapide steigt, war es dringend notwendig, dass die DGE entsprechend reagiert und konkrete Handlungsempfehlungen veröffentlicht. Daher begrüßen wir als Vegane Gesellschaft Österreich die Publikation der DGE. Die ausführlichen Empfehlungen zur Nährstoffzufuhr, insbesondere Vitamin B12, und zur Lebensmittelauswahl sind gründlich recherchiert und entsprechen weitgehend unseren eigenen Empfehlungen. Leider wirken sowohl die Zusammenfassung als auch das Fazit deutlich kritischer als die Stellungnahme selbst, wodurch leicht der Eindruck entstehen kann, dass die DGE von einer veganen Ernährung prinzipiell abraten würde, weil das Risiko, einen Nährstoffmangel zu bekommen, zu groß wäre. Gleichzeitig wird auch die starke Skepsis der DGE gegenüber Nährstoffpräparaten deutlich, wobei offenbar vergessen wird, dass auch Tierfutter mit Vitamin B12 angereichert wird und somit auch bei einer gewöhnlichen Mischkost Vitamin B12 großteils über eine indirekte Supplementierung aufgenommen wird. Des weiteren fehlen in der Zusammenfassung und im Fazit Hinweise auf die Vorteile einer veganen Ernährung komplett. Etwas unklar bleibt auch, warum die DGE einen Mangel an essentiellen Aminosäuren befürchtet, da diese problemlos über verschiedene pflanzliche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Sojaprodukte, Getreide sowie Nüsse und Ölsamen aufgenommen werden können. Insgesamt gewinnt man den Eindruck, als wäre nach wie vor Skepsis seitens der DGE gegenüber der veganen Ernährung vorhanden. Man spricht bevorzugt von den Vorteilen einer „pflanzenbetonten“ Ernährung und vermeidet es, ausführlich auf die großen Kohortenstudien mit Veganer_innen, die Adventist Health Study 2 und die EPIC Oxford Study, einzugehen, die beeindruckende Ergebnisse hinsichtlich Krankheitsprävention und Lebenserwartung zeigen. Dennoch ist das Positionspapier mit seinen konkreten Handlungsempfehlungen ein wichtiger Schritt, der einmal mehr zeigt, dass das Thema Veganismus bereits in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.