Vegan in der Gemeinschaftsverpflegung: So wird das pflanzliche Angebot gesund und ausgewogen!

Vegan in der Gemeinschaftsverpflegung: So wird das pflanzliche Angebot gesund und ausgewogen!

03.09.2025

Wollen Betriebsrestaurants, Mensen, Krankenhäuser & Co. mit einem zeitgemäßen Angebot aufwarten, kommen sie um vegane Speisen mittlerweile nicht mehr herum. Aus Gründen der Nachhaltigkeit und der Gesundheitsförderung werden diese von Fachgesellschaften sowie dem österreichischen Gesundheitsministerium ausdrücklich empfohlen.

Foto eines Kantinenbuffets mit pflanzlichen Speisen in mehreren Behältnissen und einem Schid mit der Aufschrift Vegan

Ein rein pflanzliches Angebot zur Verfügung zu stellen, bedeutet jedoch nicht, Fleisch, Milchprodukte und Eier wegzulassen und dafür Nudeln mit Tomatensauce, Reis mit Gemüse oder Pommes mit Salat zu servieren. Vegane Mahlzeiten sollen vielfältig und ansprechend zusammengestellt sein, bunt und attraktiv aussehen und gleichzeitig den Bedarf an wichtigen Nährstoffen abdecken.

Ausgewogene vegane Speisen basieren im Wesentlichen auf Gemüse und Obst, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten und Sojaprodukten sowie Nüssen, Ölsamen und hochwertigen Ölen.

Abbildung eines vegaen Ernährungstellers mit allen wichtigen Nahrungsmittelgruppen

Um vollwertige und nährstoffdeckende Speisen zu gewährleisten, sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Proteinquelle integrieren: Vegane Gerichte müssen ausreichend Eiweiß enthalten. Gute pflanzliche Proteinlieferanten sind Hülsenfrüchte (Bohnen, Linsen, Erbsen, Kichererbsen, Lupinen), Tofu, Tempeh, Seitan, Sojagranulat/-schnetzel/-medaillons sowie Erbsenproteinschnetzel. Optimal sind Kombinationen aus Getreide (oder Kartoffeln) und Hülsenfrüchten (oder Sojaprodukten), denn durch die Kombination der enthaltenen Aminosäuren steigt die Proteinqualität. Einfache Beispiele sind Spaghetti mit Linsenbolognese, Chili sin Carne mit Bohnen und Mais, Tofu-Bällchen mit Letscho und Dinkelreis, Erdäpfel-Linsen-Curry, Hummus mit Vollkornbrot oder Falafel-Wraps. Eine Studie, die die Proteinqualität von veganen Mensa-Gerichten untersucht hat, hat ergeben, dass hier noch großer Verbesserungsbedarf besteht. Bereits durch den Austausch von Beilagen auf Weizenbasis wie Baguette durch nährstoffreiche Alternativen wie Quinoa oder Buchweizen kann die Qualität deutlich erhöht werden (Hansen et al. 2025). Am effektivsten ist es jedoch, auf eine hochwertige Proteinquelle wie Tofu zu achten.
  • Energiegehalt berücksichtigen: Aufgrund des hohen Ballaststoffanteils ist die Energiedichte von rein pflanzlichen Gerichten oft niedriger als bei herkömmlichen Speisen. Das hat gesundheitliche Vorteile, kann aber auch dazu führen, dass pflanzliche Angebote nicht ausreichend sättigen. Dies lässt sich durch größere Portionen und/oder den Einsatz von energiedichten Lebensmitteln wie Nüssen, Ölsamen und hochwertigen Ölen kompensieren.
  • Jodiertes Speisesalz nutzen: Da Jod in pflanzlichen Lebensmitteln kaum vorkommt, sollte ausschließlich jodiertes Speisesalz verwendet werden. Darüber hinaus ist der gelegentliche Einsatz von Algen mit moderatem Jodgehalt wie Nori-Algen begrüßenswert – etwa in Form von Gurken- und Avocado-Sushi, Misosuppe oder koreanischem Bibimbap mit gerösteten Norialgenstreifen.
  • Bei Pflanzenmilch auf Kalziumanreicherung achten: Pflanzliche Drinks auf Basis von Soja, Hafer, Mandel & Co. sollten immer mit Kalzium versetzt sein. Das gilt auch für Joghurtalternativen. Die Anreicherung mit weiteren Nährstoffen wie Vitamin B12, Vitamin D und Jod ist ebenfalls vorteilhaft. Weitere Kalziumquellen wie Tofu und dunkelgrünes Gemüse (z. B. Grünkohl, Brokkoli, Rucola) sollten regelmäßig auf dem Speiseplan stehen.
  • Vollkorn bevorzugen: Vollkorngetreide liefert viele wichtige Nährstoffe wie Eisen und Zink und spielt daher eine besonders wichtige Rolle in der pflanzlichen Ernährung. Produkte wie Nudeln und Brot sollten im Idealfall aus Vollkorngetreide bestehen. Aus gesundheitlichen Gründen und um mehr Abwechslung auf den Teller zu bringen, ist auch der Einsatz von alternativen Getreidesorten wie Hirse, Dinkelreis und Gerste sowie Pseudogetreide wie Quinoa, Amarant und Buchweizen zu empfehlen.
  • Rapsöl als Standardöl: Rapsöl eignet sich gut als Öl zum Kochen und Braten, da es ein optimales Fettsäuremuster aufweist und eine gewisse Menge an Omega-3-Fettsäuren enthält. Auch Olivenöl sowie spezielles Bratöl (High-oleic-Sonnenblumenöl) können fürs Kochen und Braten teilweise zum Einsatz kommen. Ergänzend sind Lein- und Walnussöl für Salate und Rohkost ideal, um die Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren zu gewährleisten.
  • Mit Nüssen, Ölsaaten und Sprossen ergänzen: Durch die Zugabe dieser Lebensmittel lässt sich die Nährstoffversorgung über pflanzliche Speisen deutlich verbessern – insbesondere was potenziell kritische Nährstoffe wie Eisen, Zink und Vitamin B1 betrifft. Sie eignen sich als Topping für Salate und Bowls. Nüsse und Ölsaaten lassen sich zudem sehr vielfältig einsetzen. In pürierter Form bereichern sie die pflanzliche Küche in Form von cremigen Dips, Aufstrichen und nährstoffreichen Alternativen für Frischkäse und Sauerrahm (z. B. Cashewkerne, Sonnenblumenkerne, Mandeln). Muse wie Tahin und Erdnussmus können zudem als Saucen für Salate, Falafel, Sommerrollen etc. genutzt werden.
  • Für eine Vitamin-C-Quelle sorgen: Eisen kann aus pflanzlichen Lebensmitteln wesentlich besser aufgenommen werden, wenn gleichzeitig Vitamin C vorhanden ist. Daher sollte in vollwertigen Gerichten, die aus eisenreichen Lebensmitteln wie Hülsenfrüchten, Vollkorngetreide, Nüssen und Ölsamen bestehen, immer auch eine Vitamin-C-Quelle wie Beeren, Zitrusfrüchte, Paprika oder Brokkoli enthalten sein. Gute Kombinationen sind z. B. mit Linsen gefüllte Paprika, Falafel mit Krautsalat oder Quinoa-Salat mit Zitronendressing. Meist wird dadurch auch die Zinkaufnahme verbessert, denn viele Vitamin-C-reiche Lebensmittel enthalten gleichzeitig Zitronensäure, was wiederum die Zinkabsorption deutlich steigert.

Die nachstehende Tabelle bietet eine Orientierung für die Gestaltung von veganen Speisen in der Betriebsverpflegung.

Lebensmittelqualitäten und -häufigkeiten für ein veganes Verpflegungsangebot für Frühstück, Zwischenverpflegung und Mittagessen an 5 Verpflegungstagen

Getreide, Getreideprodukte, Kartoffeln

  • Vollkornprodukte (z. B. Haferflocken, Vollkornnudeln, Vollkornbrot)
  • Alternative Getreidearten (z. B. Hirse, Rollgerste, Dinkelreis)
  • Pseudogetreide (Quinoa, Amarant, Buchweizen)
  • Müsli (ohne Zusatz von Zucker/sonstigen Süßungsmitteln)
  • Kartoffeln, roh oder vorgegart
  • Parboiled Reis oder Naturreis

Mind. 10 (mind. 2 x täglich)
Ca. 800 g

Davon:

  • mind. 75 % als Vollkornprodukte

5 x (1 x täglich)
Ca. 750 g

Davon:

  • mind. 1 x Vollkornprodukte
  • max. 1 x Kartoffelerzeugnisse

Gemüse und Salat

  • Gemüse, frisch oder tiefgekühlt
  • Dunkelgrünes Gemüse (z. B. Grünkohl, Brokkoli, Pak Choi)
  • Salat
  • Rohkost

mind. 10 × (mind. 2 × täglich)
Ca. 700 g

Davon:

  • mind. 3 × als Rohkost
  • mind. 1 × dunkelgrünes Blattgemüse (ca. 100 g)

5 × (1 × täglich)
Ca. 900 g

Davon:

  • mind. 2 × als Rohkost
  • mind. 1 × dunkelgrünes Blattgemüse (ca. 100 g)

Hülsenfrüchte

Bohnen, Linsen, Erbsen, Kichererbsen, Lupinen

mind. 1 x
ca. 100 g

mind. 3 x
ca. 300 g

Pflanzliche Alternativen zu Fleisch, Wurst, Fisch und Eiern

Proteinreiche Alternativen wie Tofu, Tempeh, Seitan, Sojagranulat/-schnetzel/-medaillons, Erbsenproteinschnetzel, Sonnenblumenkerngranulat

mind. 1 ×
ca. 100 g

Davon:

  • max. 1 × stark verarbeitete küchenfertige Alternativen (z. B. bereits fertig zubereitetes Schnitzel)

Obst

Obst, frisch oder tiefgekühlt

  • ohne Zusatz von Zucker und sonstigen Süßungsmitteln
  • möglichst saisonal und regional

10 × (2 × täglich)
ca. 1400 g

mind. 3 ×
ca. 300 g

Davon:

  • mind. 1 × als Stückobst

Nüsse und Ölsamen

  • Ungesalzen
  • Nüsse und Samen mit Omega-3-Fettsäuren (z. B. Walnüsse, Leinsamen)
  • Als Mus (z. B. Tahin, Erdnussmus, Mandelmus)

4 x
ca. 100 g

mind. 2 x
ca. 50 g

Öle und Fette

  • Rapsöl
  • Lein-, Walnuss-, Soja-, Olivenöl
  • Margarine aus den genannten Ölen

Rapsöl ist Standardfett
ca. 80 g

Rapsöl ist Standardfett
ca. 35 g

Pflanzliche Alternativen zu Milch und Milchprodukten

  • Pflanzliche Milchalternativen (angereichert mit Kalzium, möglichst auch mit Jod, Vitamin B2, Vitamin B12, Vitamin D) wie Soja- und Hafermilch
  • Pflanzliche Alternativen zu Milchprodukten wie Sojajoghurt
    → jeweils ohne Zusatz von Zucker und sonstigen Süßungsmitteln

mind. 10 × (mind. 2 × täglich)
ca. 1400 g

mind. 2 ×
ca. 100 g

Getränke

  • Wasser
  • kalziumhaltiges Mineralwasser (mind. 150 mg Kalzium/L)
  • Früchte-, Kräutertee
    → jeweils ohne Zusatz von Zucker und sonstigen Süßungsmitteln

Getränke sind jederzeit verfügbar
davon:

  • mind. 5 × kalziumhaltiges Mineralwasser (ca. 1,5 L)

Getränke sind jederzeit verfügbar

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Weiterführende Informationen

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Gerne unterstützen wir Sie dabei, ein attraktives pflanzliches Angebot für Ihre Verpflegungseinrichtung zu gestalten. Laden Sie sich jetzt kostenlos unser umfassendes Informationspaket herunter und melden Sie sich unter info@vegan.at oder telefonisch unter +43 1 909 2 101 10, wenn Sie an unseren individuellen Schulungen interessiert sind.

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Egal, ob es sich dabei um ein Betriebsrestaurant, eine Mensa, ein Krankenhaus oder einen Kindergarten handelt: Nutz gern unsere E-Mail-Vorlage, um deine Einrichtung zu einem größeren veganen Angebot zu motivieren. Zudem kannst du unser umfassendes Informationspaket herunterladen und an Interessierte weiterleiten. Benötigst du weitere Unterstützung, melde dich gern unter info@vegan.at bei uns.

Vegane Rezepte für die Großküche

Externe Links zu veganen Angeboten in der Gemeinschaftsverpflegung

Quellen

Hansen Bente, Dahl Kristin, Bosy-Westphal Anja, Enderle Janna. 2025. Protein quality of vegan and vegetarian university canteen dishes of the Studentenwerk Schleswig-Holstein using the example of the University of Kiel. Ernährungs Umschau (72:1), 2–9.

IN FORM. 2023. DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Betrieben, Behörden und Hochschulen. Vegane Kost, 6. Auflage.

Klug Alessa, Barbaresko Janett, Alexy Ute, Kühn Tilman, Kroke Anja, Lotze-Campen Hermann, Nöthlings Ute, Richter Margrit, Schader Christian, Schlesinger Sabrina, Virmani Kiran, Conrad Johanna, Watzl Bernhard on behalf of the German Nutrition Society (DGE). 2024. Update of the DGE position on vegan diet – Position statement of the German Nutrition Society (DGE). Ernährungs Umschau (71:7), 60–84.

Österreichische Gesellschaft für Ernährung ÖGE. 2024. Vegane Ernährung – FAQs und Empfehlungen für die praktische Umsetzung, Wien.

Bildquelle: Jason