Ist die vegane Gastronomie in der Krise?

Ist die vegane Gastronomie in der Krise?

25.08.2025

„Kein McPlant mehr bei McDonalds“ oder „Swing Kitchen Holding insolvent“ waren unerfreuliche Schlagzeilen in den letzten Wochen und Monaten. In der Folge gab es verunsicherte Fragen und Folgemedienberichte, ob die vegane Gastronomie jetzt in der Krise ist. Wir wollen die Debatte gerne versachlichen und bringen Gegenargumente ins Spiel.

Ausschank eines Lokals mit einem Mitarbeiter

Schwere Zeiten für die Gastronomie

Kaum ein Thema ist derzeit so präsent: Die Inflationsrate ist hoch, wodurch auch die Löhne und Energiekosten und infolgedessen auch die Preise in der Gastronomie steigen. Das bremst die Bestell- und Kauflaune leider nachhaltig. Außerdem haben sich die Konsumgewohnheiten seit der Coronapandemie geändert: Es wird allgemein weniger auswärts gegessen und wenn man sich dann einmal etwas gönnen möchte, gibt es bestimmte Ansprüche an Qualität und Auswahl.

Darüber hinaus liegt die Fluktuation in der Gastronomie selbst in normalen Jahren bei 20 % – das heißt, dass jeder fünfte Betrieb wieder zusperrt. Dazu kommt auch noch, dass viele Betriebe trotz steigender Löhne über Fachkräftemangel klagen, weil sich Mitarbeiter:innen während der Pandemie oder wegen der Arbeitsbedingungen umorientiert haben.

Nicht nur vegane Insolvenzen

Allein im ersten Halbjahr 2025 meldete der Kreditschutzverband im Bereich Gastronomie/Beherbergungsbetriebe eine stolze Anzahl von 422 Insolvenzanträgen. Darunter ist beispielsweise auch die Schnitzelkette Wienerwald, die weltweit einst 1.200 Filialen hatte.

Uns ist bekannt, dass zu dieser Zahl auch eine Swing-Kitchen-Filiale in Österreich und die Holding der Swing Kitchen zählt. Das sind aber nur 2 von 422 Insolvenzen, also ein verschwindend geringer Anteil von 0,5 % (siehe Grafik). Diese Zahl spricht also eher für die Resilienz der veganen Gastronomie, da es im Verhältnis zur Anzahl an Veganer:innen (5 % der österreichischen Bevölkerung) deutlich mehr Insolvenzen von Betrieben gibt, die Fleisch anbieten (99,5 % der Insolvenzen).

120 rote Punkte vs. 1 grüner Punkt verdeutlichen die Insolvenzen von konventionellen Gastronomiebetrieben (rot) und veganen Betrieben (grün) im 1. Halbjahr 2025 in Österreich

Bad oder Best Practice?

In vielen Medienberichten wurde der früher von McDonald’s angebotene McPlant erwähnt, der nie vegan war, weil neben dem veganen Beyond-Meat-Patty auch Käse und eine Sauce mit tierischen Bestandteilen enthalten waren. Wenn diese beiden unveganen Komponenten für eine vegane Version abbestellt wurden, blieb nur ein Burger mit Ketchup übrig. Aus unserer Sicht ein taktischer Fehler – und kein Wunder, dass die Nachfrage ausblieb. Abgesehen davon, dass mit der Einstellung des McPlant das Ende des Veggie-Booms herbeigeredet wurde, gibt es bei McDonald’s noch immer ein Patty aus Gemüse und daher weiterhin eine vegetarische Option. Ein Trend in Richtung Fleisch ist insofern nicht erkennbar.

Burger King beschritt in den letzten Jahren einen ganz anderen Weg: Dort können alle Burger auch mit pflanzlichem Patty bestellt werden und erfreuen sich großer Beliebtheit. Außerdem werden alle Burger standardmäßig mit veganer Mayonnaise zubereitet.

Einzelhandel mit veganem Rekordabsatz

Im Einzelhandel könnte es auf jeden Fall nicht besser laufen, wie Nicole Berkmann von SPAR berichtet. Im Gespräch mit der Kleinen Zeitung erzählte sie, dass die Eigenmarke SPAR Veggie mit einer Absatzsteigerung von 13 % die am stärksten wachsende Eigenmarke ist.

Verena Wiederkehr, Head of Plant-Based Business Development bei BILLA, kann sogar ein Wachstum von mehr als 23 % bestätigen. Michael Kunz, der CEO von Lidl, spricht im Branchenmagazin REGAL (Ausgabe 8/2025) sogar von einem Absatzplus von 80 % bei der veganen Eigenmarke Vemondo.

Fleischkonsum in Österreich von 2014 bis 2023: von 65 kg 2014 bis zu 57,6 kg 2023 ein Rückgang von 11,3 %

Trend geht weg vom Fleisch ...

Seit der Jahrtausendwende ist der Fleischkonsum in Österreich enorm gesunken. Allein in den letzten zehn Jahren verzeichneten die Versorgungsbilanzen der Statistik Austria einen Rückgang von 65 kg (2014) auf 57,6 kg (2023) pro Kopf und Jahr und somit ein sattes Minus von 11,3 %. Mehr dazu unter vegan.at/zahlen.

... und hin zu mehr Pflanzlichem!

Immer mehr Gastronomiebetriebe erkennen, dass es sich bei dieser Entwicklung nicht um einen kurzfristigen Trend, sondern um eine nachhaltige Bewegung handelt, und nehmen vegane Speisen in ihr Angebot auf. Das beweisen auch große Restaurantketten wie Vapiano, IKEA Restaurants, Billa Marktküche oder Burger King, wie unser Restaurantketten-Ranking aus dem Vorjahr zeigt. Ob Fleischesser:in, Flexitarier:in oder Veganer:in – ein rein pflanzliches Gericht schmeckt allen!

Medienberichte & Quellen