Ernährung in Österreich – Schwere Kost für die Umwelt

Ernährung in Österreich – Schwere Kost für die Umwelt

12.04.2021

Was wäre, wenn sich alle Österreicher_innen vegan ernähren würden? Die Universität für Bodenkultur (BOKU) ist unter anderem dieser Frage nachgegangen und hat den Einfluss von unterschiedlichen Ernährungsweisen auf den Klimawandel und Flächenbedarf untersucht. Klar ist: Zur Erreichung des Pariser Klimaabkommens und Begrenzung der globalen Temperaturerhöhung auf unter 1,5 Grad bedarf es hierzulande eines fundamentalen Ernährungswandels hin zu einer (möglichst) pflanzlichen Kost.

Status Quo und Alternativen

Derzeit ist die österreichische Ernährung im Durchschnitt weder als gesund noch als umweltverträglich zu bezeichnen. Mit einem Fleischkonsum von 63 kg pro Kopf und Jahr wird drei Mal mehr Fleisch gegessen, als die Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) empfiehlt. Der Konsum an Gemüse und Obst ist hingegen zu gering. Das stößt nicht nur der Gesundheit schwer auf, sondern auch der Umwelt. Nachhaltige Alternativen stellen Ernährungsformen reich an pflanzlichen und biologischen Lebensmitteln dar. Wie groß das ökologische Einsparungspotential ist, haben Martin Schlatzer und Thomas Lindenthal von der BOKU berechnet. Verglichen wurden vier Ernährungsformen: die omnivore Durchschnittsernährung, eine fleischreduzierte Ernährung, eine vegetarische sowie eine vegane Kost. Bei der fleischreduzierten Ernährung wurde mit einem Konsum entlang der ÖGE-Richtlinien gerechnet. Die vegetarische Kost enthält Eier und Milch(produkte), während die vegane Kost aus rein pflanzlichen Lebensmitteln besteht. Beide wurden mithilfe der Empfehlungen der Gießener Ernährungspyramiden berechnet.

Klimaschutz beginnt am Teller

Die Bekämpfung der Klimakrise kann ohne einen tiefgehenden Wandel unserer Konsum- und Produktionsweisen nicht gelingen. Dazu zählt zweifelsohne auch die Ernährung und Landwirtschaft. So entfallen beispielsweise laut Vereinten Nationen 14,5 % bis 18 % der globalen Treibhausgase alleine auf tierische Lebensmittel. Das schlägt sich auch in den österreichischen Ernährungsmustern nieder: Mit einer veganen Ernährung (439 kg CO2eq pro Kopf und Jahr) lassen sich im Vergleich zur omnivoren Ernährung (1.467 kg CO2eq pro Kopf und Jahr) die ernährungsbedingten Treibhausgase um 70 % senken. Ein Umstieg auf eine vegetarische bzw. fleischreduzierte Ernährung würde ein Einsparungspotential von 48 % bzw. 28 % erzielen.

Fleisch frisst Land

Ein ähnliches Bild wie bei der Klimawirkung zeichnet sich beim Flächenbedarf von Ernährungsformen ab. Land stellt hierbei eines der wertvollsten wie auch umkämpftesten Güter dar. In Österreich offenbart sich dies durch die zunehmende Flächenkonkurrenz, etwa zwischen Landwirtschaft, Industrie, Verkehr und Wohnen, und den steigenden Flächenverbrauch durch Bodenversiegelung. Darüber hinaus belegt Österreich durch die Importe von Futtersoja und Palmöl nennenswerte Flächen in anderen Ländern. Vor allem der hohe Konsum an Tierprodukten und daher hohe Import von Futtersoja steht in einem engen Zusammenhang mit der südamerikanischen Regenwaldzerstörung, die den Biodiversitätsverlust und Klimawandel weiter anheizt. Was auf unserem Teller landet, hat somit weitreichende Konsequenzen für Menschen in Österreich wie auch darüber hinaus. Auch beim Flächenvergleich zeigt sich, je pflanzenbasierter die Ernährung ist, desto besser. So belegt eine vegane Ernährung 629 m2 pro Kopf und Jahr. Das Einsparungspotential beläuft sich auf 66 % im Vergleich zur omnivoren Ernährung, die 1.832 m2 belegt.

Fleischreduktion mindert Soja- und Palmölimporte

Pflanzenbasierte Ernährungsweisen weisen somit einen weit geringeren Flächenfußabdruck auf. Durch einen Ernährungswandel würden nennenswerte Flächen in Österreich frei werden. Diese könnten genutzt werden, um mehr Soja für Nahrungs- und Futtermittel sowie mehr Raps und Sonnenblumen als Ersatz für Palmöl anzubauen. So könnte, ohne Inanspruchnahme von zusätzlichem Boden, die österreichische Ernährungsautarkie erhöht und die Importabhängigkeit verringert werden. Zudem ergibt sich das Potential, dass die exportierenden Länder so eine sozial und ökologisch verträglichere Flächenpolitik fördern.

In Zahlen gegossen bedeutet das Folgendes: Bei einer Fleischreduktion um 21 % würde in Österreich eine Fläche von knapp unter 200.000 ha frei werden, die zum Futtermittelanbau genutzt werden könnte und den Sojaimport ersetzen würde. Wenn die Österreicher_innen 34 % weniger Fleisch zu sich nehmen würden, könnte nicht nur das Soja selbst angebaut werden, sondern auch so viel Raps und Sonnenblumen, um den Import an Palmöl komplett zu ersetzen.

 

 

Pflanzliche Ernährung als Schlüssel zur Nachhaltigkeit

Forschungsergebnis um Forschungsergebnis bestätigt, dass eine nachhaltige Entwicklung sowie eine Bekämpfung der Klimakrise ohne einen fundamentalen Ernährungswandel hin zu einer veganen oder zumindest pflanzenbasierten Kost nicht glücken kann. Hierzu braucht es laut den Studienautoren der BOKU eine ernstgemeinte Förderung von veganen Ernährungsoptionen und eine starke Reduktion des Fleischkonsums. Einige der vorgeschlagenen Maßnahmen sind tief in den Aktivitäten der Veganen Gesellschaft verankert, wie die Bewusstseinsbildung und Wissensvermittlung hinsichtlich gesundheitlicher und ökologischer Ernährungsauswirkungen wie auch die Förderung des pflanzlichen Angebots in der Gastronomie durch unsere Projekte Vegucation und GVnachhaltig. Wir arbeiten auch zukünftig mit vollem Einsatz an diesen Aktivitäten – für eine lebenswerte Welt für alle lebenden Wesen!

Quelle: Schlatzer, Martin und Lindenthal, Thomas. 2020. Einfluss von unterschiedlichen Ernährungsweisen auf Klimawandel und Flächeninanspruchnahme in Österreich und Übersee (DIETCCLU). Endbericht von StartClim2019.B in StartClim2019: Weitere Beiträge zur Umsetzung der österreichischen Anpassungsstrategie. Auftraggeber: BMLFUW, BMWF, ÖBf, Land Oberösterreich.