Klima im Wandel - Wie uns Pflanzen vor der drohenden Umweltkatastrophe retten können | Vegane Gesellschaft Österreich

Klima im Wandel - Wie uns Pflanzen vor der drohenden Umweltkatastrophe retten können

19.09.2019

In puncto Klimawandel jagt ein trauriger Rekord den anderen: 2015 bis 2018 waren die wärmsten je gemessenen Jahre. Mit Schneechaos im Winter und Tropennächten im Sommer haben zahlreiche österreichische Regionen in den letzten Monaten hautnah die Konsequenzen des Klimawandels erlebt. Um die im Pariser Abkommen vereinbarten Klimaziele zu erreichen und die globale Erwärmung unter 2 °C zu halten, dürfen die Ursachen und Lösungen nicht nur in den Bereichen Industrie, Energie und Transport gesucht werden. Es muss auch ein fokussierter Blick auf die Landwirtschaft und Ernährung geworfen werden!

Ein Leben innerhalb der planetaren Grenzen

Die klimatische Belastungsgrenze der Erde ist erreicht: Schon heute liegen die CO2-Konzentrationen gemessen in Parts per Million bei 415 ppm und überschreiten die tragfähige Grenze von 350 ppm deutlich. Eine der zentralen Ursachen des Klimawandels geht von der Ernährung aus: Laut FAO entfallen alleine auf tierische Lebensmittel 18 % der Treibhausgase – somit mehr als auf den gesamten globalen Transport! Durch Bevölkerungs- und Wohlstandswachstum wird erwartet, dass sich die Umweltauswirkungen weiter verschärfen: Laut Prognosen werden die ernährungsbedingten Treibhausgase im Jahr 2050 etwa um 87 % höher sein als 2010. Treibend ist dabei die erwartete Nachfragesteigerung nach Fleisch und Milch. Doch welche Strategien sind am effektivsten, um die drohende Klimakatastrophe abzuwenden? Ein Forscher_innenteam rund um Marco Springmann von der University of Oxford untersuchte Umweltschutzmaßnahmen in den Bereichen Technologie, Lebensmittelverschwendung und Ernährungsänderung. Fleischliebenden Technologieverfechter_innen dürfte das Ergebnis schwer im Magen liegen. Denn technologische Effizienzsteigerungen und Vermeidung von Lebensmittelverschwendung reichen alleine nicht aus, um die Treibhausgasemissionen auf ein umweltverträgliches Maß zu reduzieren. Selbst bei äußerst ambitionierten Zielen, wie einer 75-prozentigen Vermeidung von Lebensmittelverschwendungen, sei dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Nachhaltiges Essen für alle

Eine drastische Reduktion des Fleisch- und Milchkonsums in westlichen Ländern sei unumgänglich, um den Kollaps des Weltklimas zu vermeiden. Eine Ernährung gemäß nationaler und internationaler Empfehlungen würde die prognostizierten ernährungsbedingten Treibhausgase zumindest um 29 % senken. Eine flexitarische Ernährung, die vorrangig aus pflanzlichen Lebensmitteln und sehr seltenem Fleischkonsum besteht, senkt die Treibhausgase um 56 %. Bürger_innen aus westlichen Ländern müssten ihren Konsum an Rindfleisch um 90 % und an Milch um 60 % reduzieren, um aus ökologischer Sicht den Planeten nicht überzustrapazieren. Hingegen sollten Hülsenfrüchte fünf Mal so häufig am Speiseplan stehen.

"Die Treibhausgasemissionen können ohne Umstellung auf eine stärker pflanzenbasierte Ernährung nicht ausreichend gesenkt werden." - Marco Springmann et al. (2018)

Tierische Lebensmittel und Treibhausgase

Die Produktion von Fleisch, Milch und Eiern ist ressourcenintensiv und zieht zahlreiche Umweltauswirkungen nach sich. Sie trägt zu der Verschmutzung von Wasser und Luft, dem Artensterben und der Überdüngung bei – und zu den bedeutendsten Treibhausgasen, die für die globale Erwärmung verantwortlich sind: Kohlendioxid (CO2) ist das berühmt-berüchtigte Treibhausgas und entsteht nicht nur im Energie-, Transport- und Industriesektor, sondern auch in der Landwirtschaft. Problematisch sind hier insbesondere Waldrodungen zum Anbau von Futtermitteln und zur Schaffung von Weiden. Methan (CH4) wirkt 28 Mal so stark wie CO2 und entsteht vor allem durch Verdauungstätigkeiten von Rindern und anderen Wiederkäuern sowie die Lagerung und Ausbringung von Gülle. Etwa zwei Drittel des äußerst potenten Lachgases (N2O) – es wirkt 265 Mal so stark wie CO2 – entfallen auf Tierhaltung, Futtermittelproduktion und Düngermanagement.

Klimaschutz beginnt am Teller

Die Lösung zahlreicher Umwelt- und Gesundheitsprobleme liegt also auf unserem Teller. Um die ambitionierte und essentielle Ernährungsänderung zu ermöglichen, ist ein starkes Bekenntnis von politischen Institutionen wichtig, das meist vermisst wird. Doch die Macht der Konsument_innen darf nicht vergessen werden: Mit unserem täglichen Essen können wir zur nachhaltigen Gestaltung des Ernährungssystems beitragen. Das persönliche Ernährungsverhalten zu ändern erfordert meist eine ordentliche Portion Motivation und Wille. Um Interessierten das geschmackvolle Ausprobieren der pflanzlichen Lebensweise zu erleichtern, haben wir das kostenlose Unterstützungsangebot „Dein veganer Monat“ geschaffen. So können wir gemeinsam den Weg in eine nachhaltige Zukunft gehen!

Quelle: Springmann, M. et al. (2018). Options for keeping the food system within environmental limits. Nature 562: 519-525.