Vegan in Südkorea: Kulinarische Entdeckungsreise
Vegan in Südkorea: Kulinarische Entdeckungsreise
K-Pop, Skincare, Hightech, Streetfood – für all das ist Südkorea mittlerweile bekannt. Jedes Jahr lockt das Land Millionen von Reisenden an, die die facettenreichen Städte und Landschaften kennenlernen möchten. Doch wie einfach (und vor allem: wie delikat) reist es sich rein vegan durch Südkorea? Nur so viel vorweg: Gute Vorbereitung ist auf dieser Reise entscheidend. Und: Kimchi ist fast nie vegan.
von Barbara Hanko

Ausblick von der Sky-Capsule über die Bucht von Busan | Alle Fotos © Barbara Hanko
Anreise aus Österreich
Die Südkorea-Reise beginnt mit einem entspannten Flug: Von Wien reist man mit Korean Air direkt nach Seoul. Die pflanzliche Verpflegung an Bord kann einfach im Vorfeld bestellt werden. Sie besteht aus zwei größeren Mahlzeiten und einem Snack; geschmacklich sind alle Mahlzeiten mehr als zufriedenstellend und beinhalten viel Reis und Gemüse.
In Seoul angekommen, versorgt man sich am besten mit Bargeld und – ganz wichtig – einer aufladbaren Transportkarte, die nicht nur für die Öffis verwendet werden kann. Mit T-Money, das im ganzen Land gültig ist, kann man in sämtlichen Convenience-Stores, vielen Shops, Cafés und Bäckereien bezahlen. Wer in Seoul bleiben möchte und nur ein unkompliziertes Öffi-Ticket sucht, kann auch die sogenannte Climate-Card erwerben, die einmalig für einen gewünschten Zeitraum aufgeladen wird, sodass alle Öffis in Seoul mit einer Flatrate genutzt werden können.
Die Hauptstadt Seoul
Nun kann man sich ins (vegane) Abenteuer stürzen. Als eine der Hauptstädte mit einer großen Streetfood-Szene kann Seoul mit unzähligen Essensmöglichkeiten unter freiem Himmel und auf Märkten aufwarten. Obwohl koreanisches Streetfood oft alles andere als pflanzenbasiert ist, finden sich einige schmackhafte Highlights, die in Erinnerung bleiben.
Probiere unbedingt einen Hotteok: dicke fluffige Pancakes, die süß oder herzhaft gefüllt sind und auf den großen Märkten der Stadt frisch in reichlich Öl herausgebacken werden. Viele Marktstände, zum Beispiel auf dem Gwanjang-Markt, bieten auch das berühmte Bibimbap an, ein Gemüse-Reis-Gericht, das gerne individuell angepasst wird.

Links die fluffigen Pancakes Hotteok, rechts Bibimbap im Lokal Vegan Insa in Seoul
Abseits der Streetfood-Märkte gibt es in Seoul eine überschaubare Menge an Restaurants und Cafés, die sich auf pflanzliche Küche spezialisiert hat. Oft sind diese Lokale sehr zentral gelegen, recht klein und gut mit Sightseeing zu verbinden. Schade ist aber, dass in den vergangenen Jahren einige vegane Geschäfte (zum Beispiel rein vegane Bäckereien) wieder schließen mussten. Prüfe daher genau, ob die recherchierten Lokale noch existieren (siehe Tipps).
Beginnen wir mit Kaffee und allerlei Süßem: Schreibe einen Brief an dein zukünftiges Ich und genieße dabei einen pflanzlichen Latte im Nuldam Space, ganz in der Nähe des berühmten Gyeongbokgung-Palasts. Wenn du auf etwas Herzhaftes Lust hast, probiere veganes Korean Fried Chicken, Bulgogi, Teigtaschen (Mandu) oder herzhafte Suppen mit Reiskuchen (Tteokbokki) im Vegan Insa, wo du in einem traditionellen koreanischen Haus speisen kannst, nachdem du durch die engen Gassen des Bukchon-Hanok-Village geschlendert bist. Etwas mehr in Richtung Fusionsküche geht das Plantude nahe der momentan gehypten Starfield-Library und einiger Einkaufszentren, die zum Stöbern und Shoppen einladen.

Asiatische Fusionsküche im veganen Lokal Plantude und ein Schnappschuss aus dem Gyeongbokgung-Palast
Apropos Shopping: Falls du dich für Korean Skincare interessierst, kommst du an Olive Young nicht vorbei. Bei diesem Kosmetikriesen sind viele Produkte als vegan deklariert und falls du dennoch Fragen haben solltest, sind die Mitarbeiter:innen erstaunlich gut über vegane Kosmetik informiert. Du interessierst dich für Vintage-Shopping? Auch hier bietet Seoul sehr viele Möglichkeiten: Staune über perfekt sortierte Läden wie Balbal im Viertel Gangnam oder Market in U in Seongdong, wo man gepflegte nachhaltige Teile zu fairen Preisen bekommt.
Ab und zu muss es aber auch schnell gehen: Wenn man Snacks für zwischendurch sucht, geht man am besten in einen Convenience-Store – kompakte, prall gefüllte Geschäfte, in denen man so ziemlich alles für den täglichen Gebrauch bekommt. Hier ist das pflanzliche Angebot allerdings eingeschränkt und das Vegan-Label sucht man meist vergeblich. Schnelle Snacks aus der Kühltheke (auf Reis- oder Tofubasis) enthalten nahezu immer tierische Bestandteile, auch wenn man das auf den ersten Blick nicht vermuten würde. Neben Nüssen und abgepacktem Obst sind deshalb vor allem heiße Süßkartoffeln ein guter Snack to go. Sicher schmackhaft, aber für mich leider in keinem einzigen Convenience-Store auffindbar waren die berühmten, als vegan deklarierten Reisecken in Dreiecksform (Samgak Kimbap), die in diversen Vegan-Foren erwähnt werden.
Ab in den Süden: Busan
Im Südosten des Landes liegt Südkoreas zweitgrößte Stadt Busan. Die Stadt am Japanischen Meer erreichst du bequem mit dem KTX-Schnellzug. Busan – weit weniger touristisch als Seoul – strahlt trotz seiner über drei Millionen Einwohner:innen eine gewisse Ruhe und Gelassenheit aus. Viele Einheimische verbringen ihre Freizeit in den zahlreichen Parks an der Küste oder direkt am Strand. Das milde Klima ermöglicht es, auch in den kälteren Monaten viel draußen unterwegs zu sein. Wer ein paar Tage in Busan einplant, sollte unbedingt den imposanten Tempel Haedong Yonggungsa besuchen, der direkt an einer felsigen Küste gelegen ist. Fahre danach mit dem Haeundae-Beach-Train oder der Sky-Capsule des Haeundae-Blueline-Parks und genieße die atemberaubende Aussicht auf die Bucht von Busan. An klaren Tagen kann man sogar einen Blick auf die japanische Insel Tsushima erhaschen.
Nach den vielen Outdoor-Aktivitäten benötigt man sicher eine pflanzliche Stärkung: Auch wenn die Auswahl an veganen Lokalen in Busan nicht allzu groß ist, bietet die Stadt doch einige Highlights. Hausgemachtes pikantes Kimchi, Currys und allerlei Tofugerichte stehen bei Ecotopia auf der Karte, einer kleinen veganen Oase, die von einem Mutter-Tochter-Duo betrieben wird. Sehr zu empfehlen ist auch das Soban Vegan, ein winziges Lokal einer älteren Dame. Sie bietet zwar nur wenige Gerichte an, aber die möchte man am liebsten alle probieren. Meine Highlights: scharfer Eintopf mit Seidentofu (Tofu Jjigae) und knuspriger Reis mit Gemüse und einer süß-sauren Sauce (Nurungji Tangsu).

Ausblick über das Kulturdorf Gamcheon und eine Auswahl der pflanzlichen Köstlichkeiten im Lokal Soban Vegan in Busan
Auch Busan ist bekannt für seine vielen Cafés, doch nur wenige sind wirklich vegan-freundlich. Man sollte nicht davon ausgehen, überall pflanzliche Milchalternativen zu bekommen, auch vegane Croissants oder Kuchen habe ich leider nicht gefunden. An touristischeren Orten, etwa im sehenswerten Kulturdorf Gamcheon, einem Stadtteil mit bunt bemalten Häuschen und engen, steilen Gässchen, bieten einige Essensstände Fruchtspieße oder Milktea mit Haferdrink an, auch vegane Waffeln werden verkauft. Ein Ort zum längeren Verweilen, der sehr positiv heraussticht, befindet sich gleich angrenzend an die bekannte Jeonpo-Coffee-Street. Hier reiht sich ein Café an das nächste. Im Or Whatever kannst du in einem minimalistisch-trendigen Ambiente Avocadotoast, Quinoasalat sowie wunderbare pflanzliche Milchtees probieren.
Lass deinen Tag nach einer anstrengenden Entdeckungstour mit vielen Leckereien in einem der vielen Antiquariate in der Bosu-Book-Street ausklingen – und vielleicht findest du dort sogar ein veganes Kochbuch inmitten unendlicher Bücherberge.
Abseits der Großstädte
Südkorea ist ein kleines Land, weshalb auch abgelegenere Orte gut mit dem Zug, Bus oder einem Mietauto erreichbar sind (vergiss nicht auf deinen internationalen Führerschein!).
Zu jeder Jahreszeit eine Reise wert ist ein Trip in den Osten des Landes, in die Provinz Gangwon-do. Dort erwarten dich malerische Küstenstädte, die Olympiastadt Pyeongchang und vor allem eine wunderschöne Berglandschaft, die auch bei Einheimischen populär ist und im Zuge von Wandertouren oder Skiurlauben gern erkundet wird.
Leider ist es in den abgelegeneren Regionen schwierig mit dem veganen Angebot. In größeren Hotels westlicher Ketten sind zumindest beim Frühstück vegane, aber auch glutenfreie Alternativen oft klar gekennzeichnet. Falls man länger in einem Hotel bleibt, könnte Halbpension dazugebucht werden, aber bei der Anreise sollte unbedingt nach pflanzlichen Optionen beim Abendessen gefragt werden. Leider bieten viele Restaurants abseits größerer Hotels kein einziges veganes Gericht an.

Ein Einblick in die Karte des Ecotopia und die Bosu-Book-Street in Busan
Ansonsten kann mit Hilfe einer Übersetzungsapp in Bäckereien nachgefragt werden, ob die Produkte Butter oder Ei enthalten, was oft der Fall ist. Es wird meist direkt hinter dem Verkaufsraum gebacken und das Personal ist eigentlich immer gut informiert. Wenn man nicht fündig wird, bekommt man in fast jedem Convenience-Store die schon erwähnten heißen Süßkartoffeln. Und wenn man schon mal im Nordosten Südkoreas unterwegs ist, sollte man unbedingt den dort sehr populären Suguk-Tee probieren, ein natürlich süßes Aufgussgetränk aus Hortensienblättern.
Natürlich bietet Südkorea noch viel mehr! Meine Empfehlung ist daher: Plane zehn bis vierzehn Tage ein, um dir einen guten Überblick verschaffen, hier und da ein bisschen länger verweilen und stressfrei von A nach B reisen zu können. Klar, auch ein zweiwöchiger Trip ermöglicht es dir nicht, dieses faszinierende Land in all seinen Facetten kennenzulernen. Wenn du aber das erste Mal nach Südkorea reist und dich abseits der bekannten Pfade bewegen möchtest, ist mein Essens- und Kulturguide vielleicht das Richtige für dich. Gute Reise!
6 Tipps für Südkorea
- Installiere die App Naver – Google Maps wird in Südkorea an seine Grenzen stoßen und dich oft ratlos zurücklassen. Meist hält Naver auch aktuelle Infos zu Lokalen und deren Öffnungszeiten bereit.
- Kauf dir eine Transportkarte für die Öffis (T-Money für das ganze Land, Climate-Card für Seoul).
- Lerne ein paar Wörter Koreanisch und kommuniziere ab und zu mit Übersetzungsapps – auch, um nach Inhaltsstoffen wie Fleisch, Fisch, Milch, Eiern usw. zu fragen.
- Nutze die günstigen Zugverbindungen und verzichte auf stressige Autofahrten. Aber Achtung: Buche einige Wochen im Voraus, um dir einen Platz zu sichern.
- Hab immer ein wenig Bargeld dabei, um dich durch das kulinarische Streetfood-Angebot zu schlemmen.
- Frag vor dem Essen nach! Viele scheinbar pflanzliche Gerichte enthalten tierische Inhaltsstoffe. Bei traditionellem Kimchi sind es Fischsauce oder getrocknete Garnelen, bei der bekannten Würzpaste Gochujang Rinderbrühe-Pulver. Auch Weißbrot enthält oft Eier, Milch und Butter.


