Tierethikklassiker

Tierethikklassiker

14.10.2021

Die Tierethik stellt das Mensch-Tier-Verhältnis in das Zentrum ihres Erkenntnisinteresses und beschäftigt sich mit der moralischen Bewertung von menschlichem Handeln im Zusammenhang mit tierlichen Lebewesen. Vor allem seit dem 20. Jahrhundert ist eine Vielzahl an tierethischen Theorien entstanden, die um eine essentielle Frage kreisen: Dürfen wir Tiere nutzen und wenn ja, auf welche Art und Weise? 

Mittlerweile ist es weitgehender Konsens geworden, dass Tiere moralisch zu berücksichtigende Lebewesen sind. Doch wie diese moralische Berücksichtigung von Tieren philosophisch argumentiert werden kann und welche praktischen Konsequenzen daraus erwachsen, wird von Tierethiker_innen unterschiedlich beantwortet.

Einen der prägendsten Einflüsse üben hierbei Peter Singers Utilitarismus und Tom Regans Pflichtethik aus. Wer sich eingehend mit der Tierethik auseinandersetzen will, kommt an deren Werken „Animal Liberation“ (1975) und „The Case for Animal Rights“ (1983) nicht vorbei. Denn bis heute stellen sie die Grundpfeiler sowohl der Tierethik als auch der Tierbefreiungs- und Tierrechtsbewegung dar.

Tierethik. kurz + verständlich

Wer sich allerdings nicht sofort auf ausgewählte und komplexe Theorien stürzen möchte, wird Gefallen an einem einführenden Werk finden. „Tierethik. kurz + verständlich“ von Friederike Schmitz (2017) erfüllt auf knapp über 200 Seiten genau diesen Zweck. Wie der Titel verspricht, werden kurz und verständlich die grundlegenden Konzepte der Tierethik vorgestellt. Somit nehmen Regans Rechtsansatz und Singers Interessensansatz einen prominenten Platz ein. Deren teils komplex ausformulierte Theorien werden auf ihre essentiellen Argumente heruntergebrochen und mit anschaulichen Beispielen untermauert. So kann auch ein Publikum, das bisher wenig Berührungspunkte mit philosophischen Texten hatte, leicht folgen. Darüber hinaus besticht das Buch durch eine konsequente Verbindung von Theorie und Praxis. Denn Kapitel mit theoretischen Ansätzen und praktischen Fragen wechseln sich ab. Das Buch erlaubt somit nicht nur das Kennenlernen von philosophischen Konzepten, sondern auch deren Anwendung auf alltägliche (Aus-)Nutzungsweisen von Tieren. Die Degradierung von Tieren zu Nahrungs-, Unterhaltungs-, Versuchs- und Jagdobjekten wird kritisch behandelt und mit ethischen Argumenten angereichert. Das kompakte Buch ist somit ein wertvoller Alltagsbegleiter für alle, die im Namen von Tieren handeln und debattieren.

Tipp: Das Buch kann zum Preis von 8,20 € in unserem Shop unter shop@vegan.at bestellt werden!

Friederike Schmitz
Tierethik. kurz + verständlich

Compassion Media
September 2017
212 Seiten, 8,20 €
ISBN 978-3-9816425-5-1

Animal Liberation

In „Animal Liberation“ baut Peter Singer seine utilitaristische Tierethik auf dem Prinzip der gleichen Interessensabwägung und der Leidensfähigkeit auf. Demnach sind alle leidensfähigen Lebewesen und ihre Interessen moralisch zu berücksichtigen. Die Zugehörigkeit zu einer Spezies oder das Besitzen von Eigenschaften neben der Leidensfähigkeit, wie beispielsweise Rationalität, ist für die Aufnahme in die moralische Gemeinschaft irrelevant. Demnach sind die Interessen von menschlichen nicht über jene von nicht-menschlichen Lebewesen zu stellen. Die moralische Bewertung einer Handlung erfolgt in einem utilitaristischen Sinne danach, ob sie zum „größtmöglichen Glück für die größtmögliche Zahl“ beiträgt. Folglich können aber auch Interessen abgewogen und gegeneinander aufgerechnet werden, was zu einem vielfach kritisierten Trade-off führen kann. Singer illustriert seine Thesen in „Animal Liberation“ vor allem anhand der Tier(aus)nutzung zu Nahrungs- und Forschungszwecken und liefert damit eine einfach verständliche und bis heute einflussreiche Theorie der Tierethik.

Peter Singer
Animal Liberation: The Definitive Classic of the Animal Movement

Harper Perennial Modern Classics
Februar 2009
368 Seiten, 12,99 €
ISBN 978-0-06-171130-5

The Case for Animal Rights

Wenngleich beide, Tom Regan und Peter Singer, einen egalitären Ansatz in ihrer Tierethik verfolgen und speziesistische Haltungen, also Diskriminierungen basierend auf der Spezieszugehörigkeit, zurückweisen, so lassen sich fundamentale Unterschiede in den Argumentationsweisen identifizieren. In „The Case for Animal Rights“ gründet Regan seine Tierethik in einem deontologischen Rechtsansatz und weist den utilitaristischen Interessensansatz scharf zurück. Lebewesen mit einem inhärenten Wert – sogenannte „Subjekte eines Lebens“ – besitzen demnach unveräußerliche Rechte und dürfen nicht einer Nutzenabwägung zwischen Individuen unterworfen werden. Folglich werden jegliche Handlungen, die moralisch berücksichtigungswürdige Lebewesen auf einen Eigentums- oder Ressourcenstatus reduzieren, abgelehnt. Bei Regan gelten jene Lebewesen als „Subjekte eines Lebens“, die nicht nur über Leidensfähigkeit verfügen, sondern auch über bestimmte kognitive und emotionale Eigenschaften, die beispielsweise bei den meisten einjährigen und älteren Säugetieren vorhanden sind. Regan hat mit „The Case for Animal Rights“ einen Klassiker der Tierethik publiziert und die ethische Debatte um eine gleichermaßen komplexe und bedeutende Theorie ergänzt.

Tom Regan
The Case for Animal Rights

University of California Press
Oktober 2004
480 Seiten, 29,43 €
ISBN 978-0-520-24386-6