Wiener Würstelstände bleiben auch im Februar vegan

Wiener Würstelstände bleiben auch im Februar vegan

05.02.2026

Nach einem Monat mit einem zu 100 % pflanzlichen Menü geht die „Wurst isst Wurst“-Aktion in die zweite Runde.

Inmitten der aktuellen Debatte um das EU-weite Verbot von Begriffen wie „Veggie-Wurst“ stellt Mike Lanner die österreichische Institution Würstelstand auf den Kopf. Der Betreiber des treffend benannten Wiener Würstelstands stellte im Veganuary zwei seiner drei Standorte um und verkaufte rein pflanzliche Wurstgerichte. Dass die Aktion für Aufmerksamkeit sorgen wird, war Lanner klar, aber das riesige Medieninteresse überraschte ihn dennoch. Als Antwort darauf wurde der Veganuary kurzerhand in den Vebruary verlängert.

© Dominik Farkas

Schon seit der Eröffnung 2019 sind vegane Speisen ein fixer Bestandteil des Wiener Würstelmenüs, mittlerweile ist dieses rund ums Jahr zu 60 % pflanzlich. Anfangs wurden sie dafür belächelt, erinnert sich Lanner. Mittlerweile ist die vegane Bosna nach der tierischen Version die zweitbeliebteste Wurst. „Eine Wurst ist eine gefüllte Haut, mehr nicht. Da dürfen auch gerne Schwammerl und Gemüse drin sein“, hält der gebürtige Salzburger dem geplanten Bezeichnungsverbot entgegen. Deshalb gibt es an den beiden Standorten in der Pfeilgasse und bei Spittelau nun nur mehr Pflanzliches.

Reges Interesse

Die „Wurst isst Wurst“-Aktion soll einen Beitrag zum Diskurs über Klima, Ernährung und Esskultur leisten – das ist angesichts der unzähligen Medienberichte eindeutig gelungen. „Wenn man am Würstelstand plötzlich als ‚woker Wappler‘ gilt, dann weiß man, dass man etwas angestoßen hat“, meint Lanner. Von Schnappatmung bis Enthusiasmus waren alle Reaktionen dabei, die meisten Skeptiker:innen konnten aber doch überzeugt werden.

Die Teilnahme am Veganuary soll nicht nur ein symbolisches Zeichen setzen, sondern unterstützt auch wichtige Tierschutzarbeit: 50 Cent eines jeden verkauften Gerichts gehen an den Verein gegen Tierfabriken (VGT).

Seit 2024 wird die nationale Veganuary-Kampagne von der Veganen Gesellschaft Österreich umgesetzt. Obmann Felix Hnat freut sich über den Erfolg und das große Interesse der Wiener:innen: „Die Aktion beweist, dass veganes Essen längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Am Wiener Würstelstand trifft man nicht nur Veganer:innen, sondern vielmehr Flexitarier:innen, die das pflanzliche Angebot begeistert annehmen und zum Probieren vorbeischauen.“

Felix Hnat (links), Obmann der Veganen Gesellschaft Österreich, überzeugte sich bei der Eröffnung vom breiten Veganuary-Angebot. Rechts: Wiener Würstelstand-Betreiber Mike Lanner. © Wiener Würstelstand

Bosna, Backhendl & Hot Dogs aus Austernpilzen

Die Zutaten für das Veganuary-Menü liefern die lokalen Produzenten Hut & Stiel, der Mauracherhof und die Bio-Manufaktur Hiel. Acht verschiedene pflanzliche Gerichte landen auf den typischen Papptellern. Zu probieren gibt es unter anderem die klassische Currywurst aus Seitan und die Original Bosna mit Austernpilzwürsteln, den Kopenhagen Dog (Seitanwurst, Gurkerl, Röstzwiebeln und Remoulade) und das Southern Style Backhendl (Austernpilze in veganer Buttermilch mit eingelegten Zitronen). Auch die ausgefallenen Beilagen Kukuruzi Fritti mit Zitrusmayo und veganem Feta sowie die Rohscheiben mit Gochujang Mayo und Kimchi kommen gut an.

Vom Veganuary in den Vebruary

Nach einem Monat mit einem zu 100 % pflanzlichen Menü verlängert der Wiener Würstelstand das vegane Wurstexperiment nun in den Februar. Viele Gäst:innen äußerten den Wunsch, das neue Menü weiter probieren zu wollen. Darauf antwortet der Betrieb mit weiteren neuen Wurstkreationen. Drei Wochen im Jänner reichen laut Lanner nicht aus, um eine für die Wiener:innen so grundlegende Frage seriös zu beantworten: Darf eine vegane Wurst am Wiener Würstelstand Wurst sein? Die große Neugierde und der Andrang sprechen wohl für sich.