Müssen Schafe nicht sowieso geschoren werden? | Vegane Gesellschaft Österreich

Müssen Schafe nicht sowieso geschoren werden?

14.11.2019

Wie Sie Schafen und Lämmern das Leben retten können!

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Wollerzeugung in der Welt

Zufriedene Schafe, die schmerzlos geschoren werden? Die Realität sieht leider anders aus: Das Image der Wolle als Naturprodukt bröckelt: Grausame Praktiken, wie das Mulesing, beengende Haltungsbedingungen und tage- bis wochenlange Lebendtierexporte sind eng mit der Wollwirtschaft verflochten.

Warum müssen Schafe (nicht) geschoren werden?

Zahlreiche Mythen rund um Schafe und ihre Wolle sind hartnäckig in vielen Köpfen verankert. So müsse man Schafe von ihrer Wolle befreien, ansonsten wäre ihnen schlichtweg zu heiß. Doch ähnlich wie bei Katzen und Hunden passt sich das Fell der Schafe an die Jahreszeiten an und schützt durch seine isolierende Wirkung vor Hitze und Kälte. Dass die Wolle zahlreicher Schafrassen heute überaus stark wächst und zum Problem für die Tiere werden kann, liegt an der Zucht durch Menschenhand, die sich an möglichst hoher Ausbeute orientiert.

Warum gleich die Schur keinem einfachen Haarschnitt?

Schafe werden jährlich geschoren, vereinzelt zwei- bis dreimal. Die Schur kann keinesfalls mit einem gemütlichen Friseurbesuch verglichen werden: Schafscherer werden meist im Akkord, nicht nach Stunden bezahlt. So steht die Quantität klar über der Qualität oder in diesem Fall über dem Tierwohl. Pro Schaf stehen meist knapp zwei Minuten zur Verfügung. Äußerst grobe Behandlung und blutige Verletzungen sind häufige Konsequenzen.

Was ist das Mulesing?

Ein besonders tragisches Schicksal widerfährt den Merinoschafen, von denen etwa die Hälfte der Wolle weltweit stammt. Sie haben zuchtbedingt eine sehr faltige Haut und in den zahlreichen Hautfalten sammeln sich Feuchtigkeit und Urin, was Insekten anzieht und diese zur Eiablage verlockt. Die Schafe werden infolgedessen von den schlüpfenden Insekten angeknabbert und gefressen. Als Alternative wählen Landwirt_innen die Methode des Mulesing: Dabei wird eine handtellergroße Fläche rund um den Anus der Tiere ausgeschnitten – ohne Betäubung oder Schmerzmittel – um das zuchtbedingte Problem des Insektenbefalls zu vermeiden.(1)

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Warum ist Wolle kein tierisches Nebenprodukt?

Fleisch, Milch, Wolle – Schafe werden auf verschiedenste Weise vom Menschen genutzt. Immer wieder kursiert das Gerücht, dass Wolle ein Nebenprodukt von Schaffleisch und -milch sei. So könne Wolle ohne ethische Bedenken genutzt werden, eine Nicht-Nutzung käme einer Verschwendung gleich. Hier wird jedoch ein essentieller Punkt übersehen: Wolle ist schlichtweg kein Nebenprodukt, sondern Ressource einer milliardenschweren Industrie. (2) Die kommerziell gehandelte Wolle stammt beinahe ausschließlich von Einnutzungsrassen, die auf starkes Wollwachstum gezüchtet wurden. Bei der bedeutendsten Schafrasse – Merino – spielt das Fleisch eine wirtschaftlich vernachlässigbare Rolle. (1)

Wohin mit den ausgedienten Schafen?

Die Schafe werden getötet, sobald sie nicht mehr produktiv genug sind. Produktionsweltmeister Australien ist auf den Wollhandel fokussiert, das Interesse an Schaffleisch ist quasi nicht existent. Deswegen wird ein Großteil der ausgedienten Schafe in berühmtberüchtigten Lebendtierexporten nach Asien verschifft – wochenlang harren sie unter katastrophalen Bedingungen, meist in den eigenen Exkrementen stehend und ohne genügend Essen und Trinken, aus, bis sie an der Endstation ankommen sind. Am Ende jedes Schaflebens steht der Gang in den Schlachthof und somit klebt auch an Wolle jede Menge Blut! (4)

Wirtschaft

Die österreichische Schafwirtschaft ist nicht wettbewerbsfähig mit den Preisen und der Qualität am Weltmarkt. Bedenkt man, dass hierzulande weit unter einem Prozent der Wolle hergestellt wird, überrascht es nicht, dass die Wolle in unserer Kleidung beinahe ausschließlich importiert wird. Eine führende Position im Wollhandel nehmen Australien und Neuseeland ein – sie alleine scheren über ein Viertel der Wolle weltweit. Der globale Produktionswert von Wolle beträgt etwa 7,8 Milliarden US-Dollar jährlich. So übersteigt das Geschäft mit Wolle den Produktionswert von Schafmilch um beinahe 40 %. (2) Der Mythos, dass Wolle ein Nebenprodukt der Schafhaltung sei, kann so ein für alle Mal begraben werden!

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Boykott von Tierleidprodukten

Wie und wo die Schafe gelebt haben, deren Wolle wir verwenden, ist für Konsument_innen nicht am Kleidungsstück erkennbar. Ein Verzicht fällt jedoch ohnehin nicht schwer: Zahlreiche nachhaltige, pflanzliche Materialien sind bereits am Markt vertreten! Dass durch öffentlichen Druck durchaus ein Wandel in der Modeindustrie zu erreichen ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass immer mehr Unternehmen Mohair, die leidvoll hergestellte Wolle von Angoraziegen, aus ihrem Sortiment verbannen. (6)

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Quellen

(1) PETA (2019). The Wool Industry https://www.peta.org/issues/animals-used-for-clothing/wool-industry/ (Zugegriffen: 01.11.2019).
(2) FAO (2016). Value of Agricultural Production. http://www.fao.org/faostat/en/#data/QV (Zugegriffen: 01.11.2019).
(3) Statistik Austria (2019). Schlachtungsstatistik. Wien: Statistik Austria.
(4) Statistik Austria (2019). Viehbestandserhebungen (Schweine, Schafe und Ziegen). Wien: Statistik Austria.
(5) PETA (2019). Live Export by the Wool Industry. https://www.peta.org/issues/animals-used-for-clothing/wool-industry/wool-live-export/ (Zugegriffen: 01.11.2019).
(6) PETA Asia (2018). Over 340 Fashion Retailers Around the World Are Banning Mohair After Seeing PETA’s Investigation. https://www.petaasia.com/news/fashion-retailers-around-the-world-are-banning-mohair-after-seeing-petas-investigation/ (Zugegriffen: 01.11.2019).