Interview mit Felix Hnat: vegan vor 15 Jahren und heute

Interview mit Felix Hnat: vegan vor 15 Jahren und heute

01.03.2016

Felix, du lebst nun seit ca. 15 Jahren vegan, seit 10 Jahren beschäftigst du dich beruflich mit dem Thema. Wie war es damals, 2001, vegan zu leben und was hat sich seither verändert?

Es überrascht mich selbst immer wieder, dass es schon so lange her ist, aber es stimmt tatsächlich. Ich lebe nun schon seit 2001 vegan. Es ist heute kaum mehr vorstellbar, wie es damals war, vegan zu leben. Damals gab es in den größeren Supermärkten in der Stadt weißen Tofu, zwei Sorten Gemüseaufstrich und Sojamilch für 2,70 €. Heute findet sich in jeden Dorf-SPAR oder Dorf-Billa eine breite Palette an kostengünstigen veganen Alternativen. Wir leben heute sozusagen im veganen Schlaraffenland.

Wie viele Veganer_innen und Vegetarier_innen gab es damals und wie hat sich die Zahl seither verändert?

Das Konzept vegan war weitgehend unbekannt, dementsprechend gab es keine Zahlen. Die Quote der Vegetarier_innen lag bei ca. 2 % der Bevölkerung. Im Jahr 2006 lagen wir dann bei 3 %, dann hat der sogenannte Vegan-Boom eingesetzt und heute sind es ca. 11 % (laut IFES 2013 inkl. Erfahrungswerten der Veganen Gesellschaft Österreich). Vegan leben zurzeit 80.000 Menschen in Österreich. Unser Magazin VEGAN.AT hat eine Auflage von 30.000 Stk. und unsere Facebook-Präsenz verfolgen über 40.000 Menschen.

Wie war das öffentliche Image von vegan lebenden Menschen?

Nicht vorhanden bis negativ. Vegan galt als ungesund, als Mangelernährung und Spleen. Heute gilt es medial hingegen als gesund. Es wird fast nur positiv berichtet und viele Promis wie Bill Clinton, Samuel L. Jackson, Leonardo Di Caprio oder Pamela Anderson sowie Sportler_innen wie der stärkste Mann Deutschlands Patrik Baboumian oder die österreichische Box-Staatsmeisterin Melanie Fraunschiel leben vegan.

Hat die Vegane Gesellschaft Österreich bei dieser Entwicklung eine Rolle gespielt?

Insgesamt handelt es sich um eine internationale Entwicklung, wobei Österreich im Ländervergleich recht gut dasteht, was die Produktpalette im Supermarkt und die Anzahl der Restaurants betrifft. Insofern denke ich schon, dass wir mitgeholfen haben, diese Entwicklung zu gestalten. Durch unsere Zusammenarbeit mit Supermärkten wie SPAR, Billa, Merkur sowie Hofer gab es schon relativ früh gut erkennbare vegane Produkte, weil der Lebensmitteleinzelhandel das europäische V-Label als Gütesiegel verwendet hat. Auch unser von der EU gefördertes Projekt Vegucation, im Rahmen dessen wir eine vegan-vegetarische Kochausbildung für berufsbildende Schulen ins Leben gerufen haben, war sicher ein Erfolg. Unser VEGAN.AT-Magazin, unsere Website und unsere Veranstaltungen sollen seriöse Infos vermitteln und pflanzliche Alternativen aufzeigen.

Wie wird die Entwicklung weitergehen?

Ich denke, es wäre unrealistisch zu denken, dass plötzlich alle Menschen vegan leben könnten. Ich sage immer „Vegan ist das neue Bio“. Damit meine ich nicht, dass vegan wichtiger ist als bio. Ich meine damit, dass es Parallelitäten bei den Entwicklungen gab. Früher war Bio ein Minderheitenprogramm, inzwischen liegen wir bei 25 % Bio-Lebensmittel. Allerdings ist zu beobachten, dass fast niemand zu 100 % streng nur bio konsumiert. Aber fast alle kaufen bio, sofern erhältlich und verfügbar. Auch bei vegan verschwimmen zunehmend die Grenzen. Die Gruppe der Flexitarier_innen wird immer relevanter. Es handelt sich um Menschen, die sich nicht in eine Schublade einordnen lassen wollen, aber bewusst auf Fleisch verzichten und verstärkt vegan konsumieren. Beispielsweise ist bekannt, dass 80 % des Volumens der vegetarischen Fleischalternativen von allesessenden Menschen gekauft werden.

Was kannst du Firmen empfehlen, die vegane Produkte auf den Markt bringen wollen oder vegan-freundliche Geschäftsideen verfolgen?

Die Zeit ist reif! Ich würde allen empfehlen, mit uns Kontakt aufzunehmen. Vielleicht können wir weiterhelfen, z.B. mit unserem Gütesiegel, mit Veranstaltungen oder einfach nur Erfahrungsaustausch. In 15 Jahren habe ich viel gesehen. In Wien gab es mal ein „Café Vegan“, welches leider nach einer Woche wieder zusperren musste.

Zum Schluss noch: Was war dein lustigstes Erlebnis in den 15 Jahren, welches mit vegan zu tun hatte?

Ich bin mehrmals pro Jahr in Schulen eingeladen. Einmal fragte nach einem Vortrag ein Schüler: „Und, wie viel haben Sie abgenommen, seitdem Sie vegan sind?“ In Wahrheit hatte ich zu dem Zeitpunkt stolze 110 kg auf 193 cm und seit meiner Umstellung auf vegan 35 kg zugenommen.

Foto: Osaka