Macht's die Milch? Gesundheitliche Aspekte von Kuhmilch und ihren pflanzlichen Alternativen

Macht's die Milch? Gesundheitliche Aspekte von Kuhmilch und ihren pflanzlichen Alternativen

10.08.2020

„Milch macht müde Männer munter“ – der bekannte und zugleich bizarre Werbeslogan aus den 50er Jahren verdeutlicht das stark geförderte positive Image der Kuhmilch. Die Botschaft ist fragwürdig, der Wahrheitsgehalt wissenschaftlich nicht bestätigt. Dass Milchtrinken für unsere Knochen wichtig sei, haben wir jedoch spätestens in der Volksschule gelernt. Täglich bekamen wir unsere "gesunde Schulmilch" vorgesetzt, die wahlweise auch aus zuckrigem Kakao oder mit Zusatzstoffen versetzter Vanillemilch bestand. Bis heute bemüht sich die Milchindustrie, den guten Ruf des „weißen Golds“ zu bewahren. Mit Maßnahmen wie dem Weltmilchtag und Werbung, die saftige Wiesen, glückliche Kühe und ein gesundes Naturprodukt vorgaukelt, soll der Milch-Mythos aufrechterhalten werden. Kuhmilch wäre gesund, weil sie viel Kalzium und Vitamin D enthielte und diese zur Osteoporose-Prävention notwendig wären, heißt es immer wieder.

Ein Großteil der erwachsenen Weltbevölkerung verträgt keine Kuhmilch

Meist unbeachtet bleibt dabei die Tatsache, dass viele Menschen unter Laktoseinoleranz leiden und somit Milch gar nicht vertragen. Wie auch alle anderen Säugetiere hat der Mensch ursprünglich nach dem Säuglingsalter die Fähigkeit verloren, Milchzucker zu verdauen. Erst vor ca. 7500 Jahren sind in Gegenden, in denen intensiv Milchwirtschaft betrieben wurde, Mutationen entstanden, die dazu führten, dass manche Personen im Erwachsenenalter Laktose verdauen können. Doch bis heute verträgt der Großteil der Menschheit keine Kuhmilch: Weltweit geht man von 75 % Laktoseintoleranz bei der erwachsenen Bevölkerung aus, in Österreich wird die Zahl auf 15 – 20 % geschätzt.

 

 

Kuhmilch schadet den Nieren von Säuglingen

Aufgrund der großen Unterschiede in der Milch-Zusammensetzung verschiedener Spezies ist Kuhmilch auch für menschliche Säuglinge kein ideales Lebensmittel. Der hohe Proteingehalt kann bei Menschenbabys zur Beeinträchtigung der Nierenfunktion führen, weshalb sie keine reine, unverdünnte Kuhmilch bekommen dürfen. Zusätzlich zählt Kuhmilch-Allergie zu den häufigsten Lebensmittelallergien im Säuglings- und Kindesalter.

Wie gesund ist Kuhmilch?

Kuhmilch hat viele Vorteile: Sie enthält Kalzium, Eiweiß, zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe. Dennoch lassen aktuelle Untersuchungen daran zweifeln, dass sie uneingeschränkt empfehlenswert ist. So könnte es sein, dass ein zu hoher Konsum zu Entzündungsreaktionen im Körper führt und womöglich Alterungsprozesse beschleunigt. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Milchkonsum das Risiko für Prostatakrebs und andere Krebserkrankungen erhöhen kann. Eine große Kohortenstudie aus Schweden ergab sogar, dass das Sterberisiko bezogen auf einen bestimmten Zeitraum bei starken Milchtrinker_innen höher war.

Die natürliche Funktion der Milch ist es, junge Säugetiere zu ernähren und deren Wachstum zu fördern. Daher enthält sie neben lebensnotwendigen Nährstoffen auch mehrere anabole Hormone. Zur Erhöhung der Milchproduktion wurden Kühe so gezüchtet, dass sie höhere Spiegel des Hormons Insulin-like growth factor 1 (IGF-1) produzieren – ein wesentlicher Faktor für die Steuerung des Zellwachstums. Hohe IGF-1-Spiegel stehen beim Menschen jedoch in Verbindung mit Krebsentstehung. Hinzu kommt, dass Kühe heutzutage die meiste Zeit, in der sie gemolken werden, schwanger sind. Dadurch sind ihre Spiegel an Östrogenen, Gestagenen und anderen Hormonen in der Regel deutlich erhöht, was auch zu erhöhten Hormonspiegel in der Kuhmilch führt. Und schließlich können Kuhmilch und Produkte daraus aufgrund der heute üblichen Rinderhaltung mit Antibiotika-Rückständen verunreinigt sein.

Studien stellen Schutz vor Osteoporose infrage

Wegen ihres hohen Kalziumgehalts galt bisher, dass Kuhmilch vor Osteoporose schütze oder diese zumindest verzögere. Die bereits oben erwähnte schwedische Studie stellt diese Erkenntnisse infrage: Frauen im Alter zwischen 39 und 74 Jahren hatten bei dieser Untersuchung ein erhöhtes Knochenbruch-Risiko, wenn sie mehr als drei Becher Milch pro Tag tranken. Noch mehr Bedeutung kommt zwei aktuellen Metaanalysen zu: Unabhängig voneinander ziehen sie das Fazit, dass ein hoher Kuhmilch-Konsum das Risiko für Knochenbrüche und Osteoporose nicht reduziert.

Pflanzliche Kalziumquellen

Tatsache ist, dass Kalzium für die Knochen wichtig ist. Wer sich ausreichend mit dem Mineralstoff versorgen möchte, ist aber nicht auf Kuhmilch und Käse angewiesen. Grüne Gemüsesorten wie Brokkoli und Grünkohl, Tofu, kalziumreiches Mineralwasser, Sesam und Tahin, Chia- und Mohnsamen zählen zu den besonders reichhaltigen Quellen. Auch Mandeln, Leinsamen, Hülsenfrüchte, getrocknete Feigen und viele weitere pflanzliche Lebensmittel tragen zur Versorgung bei.

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Pflanzenmilch statt Kuhmilch

Viel Kalzium enthalten auch angereicherte Pflanzendrinks. Im Gegensatz zu Kuhmilch sind sie cholesterinfrei und können mit einem besseren Fettsäureprofil aufwarten: Während Milchfett großteils aus gesättigten Fettsäuren besteht, kommen in pflanzlichen Milchsorten vorwiegend ungesättigte Fettsäuren vor. Diese können zu einer Senkung des LDL-Cholesterinspiegels beitragen und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren. Besonders hervorzuheben ist hierbei Sojamilch, die unter anderem Omega-3-Fettsäuren enthält. Auch ihre Isoflavone können sich positiv auf unsere Gesundheit auswirken: Studien haben gezeigt, dass der regelmäßige Verzehr von Soja-Lebensmitteln dazu beitragen kann, das Risiko von Herzerkrankungen, bestimmten Krebsformen und Osteoporose zu verringern. Neben all diesen Vorteilen ist der Proteingehalt von Sojamilch mit ca. 3 g pro 100 ml vergleichbar hoch wie bei Kuhmilch. Das macht sie zu einer ausgezeichneten, ernährungsphysiologisch adäquaten Alternative mit gesundheitlichem Zusatznutzen.

Pflanzliche Vielfalt nutzen

Wer keine Sojamilch mag, kann aus einer Vielzahl weiterer Pflanzendrinks wählen: Neben den Klassikern aus Hafer, Mandel, Kokos und Reis werden mittlerweile Milchvarianten aus Lupine, Cashew, Quinoa, Hanf, Walnuss oder auch Haselnuss angeboten. Inzwischen gibt es spezielle Sorten, die sich besonders gut für den Kaffee eignen („Barista“), besonders proteinreiche Drinks und natürlich Pflanzenmilch aus biologischem Anbau. Durchprobieren lohnt sich, für jeden Geschmack ist etwas dabei!