Offener Brief an Totschnig: Wirtschaft und Verbände warnen vor Veggie-Burger-Verbot

Offener Brief an Totschnig: Wirtschaft und Verbände warnen vor Veggie-Burger-Verbot

21.11.2025

Unmittelbar vor der Sondersitzung des EU-Ministerrats fordert ein breites Bündnis ein deutliches Nein aus Österreich.

Anfang Oktober stimmte das Plenum des EU-Parlaments mit den Stimmen aller FPÖ-Abgeordneten für ein weitreichendes Verbot von Wörtern wie „Burger“, „Steak“, „Schnitzel“ oder „Würstel“. Am 24. November werden in einer Sitzung des Sonderausschusses Landwirtschaft nun die Positionen der EU-Mitgliedsstaaten in Brüssel festgelegt.

Seit dem Sommer 2025 beschäftigt sich das EU-Parlament trotz weitreichender Kritik mit dem Verbot von gängigen Bezeichnungen auf pflanzlichen Lebensmitteln.

Der österreichische Agrarminister Norbert Totschnig (ÖVP) sprach sich im Rat zwar für eine Regelung aus, aber wie er letztendlich abstimmen wird, bleibt offen. Die großen Supermarktketten Billa, Spar, Lidl, Hofer sowie zahlreiche weitere Unternehmen und der Handelsverband fordern den Minister nun in einem offenen Brief auf, im Namen Österreichs gegen das Verbot zu stimmen.

Bereits vor der ersten Abstimmung am 7. Oktober schlossen sich EU-weit über 600 Organisationen, darunter branchenführende Unternehmen sowie Umwelt-, Ernährungs- und Tierschutzverbände, der Kampagne No Confusion (www.noconfusion.org) an.

Keine Verwechslungsgefahr

Der Verein für Proteinvielfalt in Österreich (VPO), der den Brief im Namen der Organisationen veröffentlichte, möchte verdeutlichen, dass Begriffe wie „veganer Burger“ für pflanzliche Alternativen längst in der Gesellschaft etabliert sind und nachweislich nicht für Verwirrung sorgen. Zudem sind die Produkte bereits den geltenden EU-Vorgaben entsprechend unmissverständlich gekennzeichnet.

Das zeigen auch zahlreiche Erhebungen über die Präferenzen der EU-Bürger:innen, die den aktuellen Marktstandard und die Verwendung jener vertrauten Begriffe ausdrücklich befürworten: Der Europäische Verbraucherverband (BEUC), die höchste Konsument:innenschutzbehörde der EU, sprach sich aufgrund der fehlenden Notwendigkeit gegen ein Verbot aus. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) erhielt in den vergangenen 15 Jahren keine einzige Beschwerde über den irrtümlichen Verzehr eines pflanzlichen Burgers.

Chancen für die regionale Wirtschaft

Mit einem Marktanteil von nur einem Prozent würden pflanzliche Fleischalternativen in Österreich keine Bedrohung für die tierische Produktion darstellen, betont der VPO. Viel eher eröffnen sie neue Chancen für die Landwirtschaft, etwa durch den Anbau von hochwertigem Pflanzenprotein, das neue Einkommensquellen schaffen könnte.

Die umfangreichen Änderungen bei Verpackung und Kennzeichnung, die infolge eines Verbots notwendig wären, würden erheblichen Aufwand und Kosten für Hersteller:innen bedeuten. Auch das heimische Innovationspotenzial ist durch das neue Gesetz gefährdet: Namensverbote würden die Investitionen in pflanzliche Alternativen von Start-ups bis zu Konzernen ausbremsen und Österreichs Chancen als Innovationsstandort schwächen.

Eigentlich längst beschlossene Sache

Nachdem sich das EU-Parlament bereits 2020 gegen ein Veggie-Burger-Verbot ausgesprochen hatte, folgte 2024 ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das die Verwendung von Begriffen wie „Burger“, „Wurst“ und „Steak“ für pflanzliche Alternativen in der gesamten EU schützt. Der EuGH befand die momentane FIC-Verordnung (Food Information to Consumers) als ausreichend. Auch die Kommission sieht keinen Bedarf für eine neue Regelung.

Der Antrag wurde im Plenum am 8. Oktober mit 355 Stimmen dafür, 247 Stimmen dagegen und 30 Enthaltungen angenommen.

Von einer französischen Abgeordneten aus der Schwesterpartei der ÖVP wurde das Thema vor dem Sommer erneut auf die Agenda im EU-Parlament gebracht, wo es im Unterausschuss des Parlaments durchgewunken wurde. Bei der Abstimmung am 8. Oktober votierte die FPÖ geschlossen für ein Verbot der Worte „Burger“ und Co. Die Grünen, SPÖ und NEOS stimmten dagegen. Die ÖVP war uneinig – es gab Stimmen dafür, dagegen und Enthaltungen.