Vegane Kosmetik- und Reinigungsmittel

Vegane Kosmetik- und Reinigungsmittel

02.04.2026

Die vegane Lebensweise umfasst alle Lebensbereiche – so auch Kosmetik, Pflegeprodukte und Reinigungsmittel. Doch wo genau verbergen sich tierische Bestandteile? Und inwiefern sind Tierversuche trotz gesetzlicher Verbote noch ein Thema? Reicht ein Blick auf die Inhaltsstoffliste aus, um wirklich tierleidfreie Produkte zu erkennen? Das schauen wir uns im Folgenden an.

Ein Produkt ist vegan, wenn es zwei zentrale Kriterien erfüllt: Es darf weder tierliche Inhaltsstoffe enthalten noch in irgendeiner Phase seiner Entwicklung an Tieren getestet worden sein. Doch wie lässt sich das zuverlässig erkennen? Damit du beim nächsten Einkauf informiert entscheiden kannst, geben wir dir hier einen kompakten Überblick – von den häufigsten tierlichen Inhaltsstoffen in Kosmetik und Reinigungsmitteln über die Grauzonen der Tierversuchsverbote bis hin zu den wichtigsten Vegan-Zertifizierungen, auf die du dich verlassen kannst.

Tierliche Inhaltsstoffe

Kosmetika

Der Einsatz tierlicher Inhaltstoffe in Kosmetikprodukten – wie Shampoos, Duschgels, Cremes, Lotionen und Make-Up-Produkten – ist gängiger Standard. Dabei handelt es sich keineswegs um hochwertigere oder alternativlose Substanzen, sondern schlichtweg um kostengünstige Nebenprodukte der Tierindustrie: Was in der Fleisch- und Milchindustrie als „Schlachtabfall“ anfällt, wird gerne zu günstigen Rohstoffen für die Kosmetikbranche verarbeitet.

Häufig verwendete tierische Bestandteile sind Fettsäuren (aus Schweinemägen), Kollagen (aus Schweine- oder Fischhäuten), Keratin (aus Hörnern, Hufen oder Federn), Knochenmehl, Fruchtwasser, Wollfett/Lanolin, Bienenwachs, Honig, Karmin (E 120, roter Farbstoff aus zermahlenen Schildläusen) und Perlen- und Seidenpulver für Glanzeffekte.

Wer sich über die Zusammensetzung eines Kosmetikprodukts informieren möchte, stößt schnell an Grenzen: Die INCI-Deklaration („International Nomenclature of Cosmetic Ingredients“) – eine EU-weit vorgeschriebene Kennzeichnung – besteht aus einer Mischung lateinischer und englischer Fachbegriffe, die für Lai:innen kaum zu entschlüsseln sind. Selbst Farbstoffe werden lediglich als kryptische CI-Nummern (Color Index) angegeben. Zudem sind pauschale Gruppenbezeichnungen wie „Parfum“ zulässig – ein Sammelbegriff, der sowohl synthetische als auch tierliche Duftstoffe umfassen kann.

Das INCI-System erleichtert zwar Allergiker:innen die Identifikation kritischer Inhaltsstoffe, für Veganer:innen erweist es sich jedoch als zu intransparent. Ohne detaillierte Kenntnisse der Fachbegriffe oder zusätzliche Recherche ist kaum nachvollziehbar, ob ein Produkt tatsächlich frei von tierlichen Bestandteilen ist.

Reinigungsmittel

Noch intransparenter wird es bei Wasch- und Reinigungsmitteln: Hier schreibt die europäische Detergenzienverordnung keine vollständige Deklaration der Inhaltsstoffe auf der Verpackung vor. Lediglich bestimmte allergene Duft- und Konservierungsstoffe müssen ausgewiesen werden – der Großteil der Zusammensetzung bleibt für Verbraucher:innen im Dunkeln. Erst auf den Websites der Hersteller:innen findet sich (oft gut versteckt) ein Sicherheitsdatenblatt mit der vollständigen INCI-Liste.

Diese Praxis erschwert es Veganer:innen zusätzlich, tierliche Inhaltsstoffe zu identifizieren. Denn während bei Kosmetik zumindest eine Teiltransparenz gesetzlich vorgeschrieben ist, müssen Reinigungsmittel oft erst mühsam online recherchiert werden – ein Aufwand, den viele scheuen. Dabei verstecken sich auch hier sehr häufig tierliche Rohstoffe aus „Schlachtabfällen“ wie Talg (festes Fett, zumeist aus Rindernierenfettgewebe), Galle (meist Rindergalle), tierische Enzyme und Milchsäure (aus Molke). Die Tenside in Waschmitteln werden z. B. oft aus Rindertalg hergestellt und in der herkömmlichen Seifenprodktion wird oft zu billigen Schlachtfetten gegriffen.

Hier heißt es aufpassen!

Generell besteht bei allen Produkten, die Fette oder Fettsäuren enthalten, die Möglichkeit, dass diese nicht vegan sind. Hier eine Liste einiger häufig verwendeter Stoffe tierlicher Herkunft mit INCI-Bezeichnungen:

  • ADEPS BOVIS Rindertalg
  • ADEPS SUILLUS  Schweinefett
  • BUTYRIS LAC POWDER Buttermilchpulver
  • BUTYRUM Butter
  • CAPRAE BUTYRUM Ziegenbutter
  • CAPRAE LAC EXTRACT Ziegenmilchextrakt
  • CAPRAE LAC Ziegenmilch
  • CERA ALBA Bienenwachs
  • CREAM Sahne
  • EQUAE LAC, MARE MILK Stutenmilch
  • GADI LECUR OIL Dorschleberöl, Lebertran
  • LAC Kuhmilch
  • LAC POWDER Kuhmilchpulver
  • LACTIS LIPIDA Kuhmilchfett
  • LANOLIN Wollfett
  • LANOLIN, LANOLIN CERA Wollwachs
  • MARE MILK LIPIDS Stutenmilchfett
  • MEL Honig
  • MUSTELA OIL Nerzöl
  • OVUM Hühnerei
  • OVUM OIL Fette aus dem Hühnereigelb
  • OVUM SHELL POWDER Hühnereischalenpulver
  • PISCES EXTRACT Fischextrakte
  • PISCUM LECUR OIL Fischleberöl
  • PISCUM OVUM EXTRACT Fischeiextrakt
  • QUARK CHEESE Quark
  • ROYAL JELLY Gelée Royale, Weiselfuttersaft
  • SALMO OVUM EXTRACT Lachseiextrakt
  • SERICA EXTRACT Seidenextrakt
  • SERICA POWDER Seidenpulver
  • SERICA Seide
  • SHEEP MILK Schafsmilch
  • SHELLAC Schellack
  • WHEY Molke
  • YOGURT Joghurt

Tierversuche

Eine gute Nachricht vorweg: Seit 2009 sind Tierversuche für fertige Kosmetikartikel sowie deren Inhaltsstoffe in der EU verboten – ein Meilenstein für Tierrechte und die Transparenz für Verbraucher:innen. Seit 2013 gilt dieses Verbot sogar für importierte Kosmetikprodukte. Wird ein Kosmetikprodukt also in der EU hergestellt oder hier verkauft, darf es nicht an Tieren getestet worden sein. Für Veganer:innen ist das ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung – auch wenn Kosmetikprodukte, die vor 2009 getestet wurden, weiterhin im Handel erhältlich sein dürfen.

Doch hier offenbart sich ein immenses Schlupfloch: Das Tierversuchsverbot für Kosmetika gilt nur für Stoffe, die ausschließlich in Kosmetikprodukten verwendet werden. Sehr viele Inhaltsstoffe (wie Konservierungsmittel, Emulgatoren oder Duftstoffe) werden jedoch sowohl Kosmetika als auch in anderen Produktkategorien (wie Reinigungsmitteln und Pestiziden) eingesetzt - wodurch für diese Inhaltstoffe das Tierversuchsverbot für Kosmetika nicht mehr greift. Im Gegenteil: Für diese Produktkategorien schreibt die EU-Chemikalienverordnung REACH Tierversuche in bestimmten Fällen sogar explizit vor!

Diese eklatante Widersprüchlichkeit in den EU-Richtlinien führt zu der paradoxen Situation, dass beispielsweise ein Lippenstift eigentlich nicht an Tieren getestet werden darf, das darin enthaltene Parfümöl aber sehr wohl im Tierversuch getestet werden muss, wenn es beispielweise auch in einem Reinigungsmittel eingesetzt wird.

Verlässliche Orientierung: Vegan-Zertifizierung & Labels

Wer auf der sicheren Seite sein möchte, setzt konsequent auf vertrauenswürdige Vegan-Zertifizierungen, die nicht nur Tierversuche, sondern auch tierliche Inhaltsstoffe ausschließen:

  • V-Label: Das V-Label der Veganen Gesellschaft Österreich ist das älteste Vegan-Siegel Europas (seit 1996), prüft auf Tierversuchsfreiheit und rein vegane Inhaltstoffe und gilt als besonders zuverlässig. Im Zertifizierungsprozess werden sämtliche Inhalts- sowie Verarbeitungshilfsstoffe geprüft um sicherzustellen, dass weder das Endprodukt noch einzelne Komponenten jemals an Tieren getestet wurden oder tierlichen Ursprungs sind.
  • Veganblume: Für das Vegan-Siegel der britischen Vegan Society werden ebensfalls Rezeptur und Lieferkette auf Tierversuchsfreiheit und rein vegane Inhaltstoffe (inklusive versteckter tierischer Spuren wie Aromen oder Farbstoffe) geprüft. Es ist internationel etabliert und wird auch von global agierenden Marken genutzt.
  • PeTA-Approved-Vegan -Label: Die PeTA-Approved-Vegan-Kennzeichnung (PeTA Approved Vegan Global Animal Test Policy) prüft ebenfalls auf Tierversuchsfreiheit und tierliche Inhaltsstoffe.
    • Achtung: Das PeTA-Approved-Vegan-Logo unterscheidet sich nur durch den kleinen Zusatz "Vegan" vom verbreiteteren „PeTA Approved-Logo", das zwar auch Tierversuchsfreiheit kennzeichnet, nicht jedoch die Abwesenheit tierlicher Inhaltsstoffe. Die beiden Labels sehen sich zum Verwechseln ähnlich, daher ist hier genaues Hinschauen gefragt.

Diese Labels prüfen sowohl auf Tierversuchsfreiheit als auch auf rein vegane Inhaltstoffe:


Achtung, diese Labels prüfen zwar auf Tierversuchsfreiheit, nicht aber auf Ausschluss tierlicher Inhaltstoffe:

  • PeTA-Approved-Label: Die PeTA-Approved-Kennzeichnung (PeTA Approved Global Animal Test Policy) prüft nur auf Tierversuchsfreiheit, nicht aber auf tierliche Inhaltsstoffe.
    • Achtung: Dieses Logo unterscheidet sich nur durch die Abwesenheit des kleinen Zusatzes "Vegan" vom „PeTA Approved Vegan-Label" (siehe oben), das neben Tierversuchsfreiheit auch die Abwesenheit tierlicher Inhaltsstoffe prüft. Die beiden Labels sehen sich zum Verwechseln ähnlich, daher ist hier genaues Hinschauen gefragt.
  • Leaping Bunny: Das Siegel der European Coalition to End Animal Experiments (ECEAE) garantiert zwar Tierversuchsfreiheit, prüft aber nicht auf tierliche Inhaltsstoffe. 
  • IHTN-Siegel: Das Siegel des Internationalen Herstellerverbands gegen Tierversuche in der Kosmetik (IHTN) bestätigt Tierversuchsfreiheit und berücksichtigt zusätzlich ethische Kriterien wie Umweltstandards, prüft aber ebenfalls nicht auf tierliche Inhaltstoffe. 

Wichtig zu wissen: Auch viele Naturkosmetik-Siegel (z. B. BDIH, Ecocert) garantieren zwar Tierversuchsfreiheit, erlauben aber tierische Inhaltsstoffe wie Bienenwachs, Lanolin oder Milchproteine. 

Fazit: Wer vegane, tierversuchsfreie Produkte sucht, sollte daher immer gezielt nach dem V-Label, der Veganblume oder dem PeTA-Approved-Vegan-Label Ausschau halten – oder die Inhaltsstofflisten sehr genau kennen und studieren.

Zertifizierte Produkte

Auch in den Bereichen Kosmetik und Reinigungsmittel ist ein konsequent veganer Lebensstil einfach und genussvoll möglich! Eine Liste mit Geschäften und Online-Shops, die vegane und tierversuchsfreie Kosmetik- und Pflegeprodukte anbieten, gibt’s im VGT-Einkaufsführer oder im Ethik.Guide.

Die Drogerieketten dm und BIPA bieten inzwischen reichhaltige Programme an veganer und umweltfreundlicher Kosmetik sowie Pflege, Wasch- und Putzmittel an. Bei BIPA sind z. B. die mit dem V-Label zertifizierten Pflege- und Stylingprodukte für lockiges und welliges Haar der Marke Bali Curls by Hank Ge erhältlich; bei dm gibt es u. a. Produkte für Haut und Haar vom Naturkosmetikhersteller alverde. Der vegane Supermarkt Maran Vegan in Wien führt eine umfangreiche Produktpalette; so wie auch die meisten Reformhäuser und Biogeschäfte österreichweit. Das Unternehmen Lush, das für seine tierversuchsfreien Seifen und Badezusätze bekannt ist, hat auch viele vegane Artikel im Angebot. Die Wiener Seifenhersteller:innen Alles Seife haben ein tolles Angebot an handgemachten, zu 100 % veganen und palmölfreien Seifen und Badekosmetik (auch im Onlineshop erhältlich). Auch die Tiroler Seifenmanufaktur Alpine Cosmetics stellt biologische, sogar V-Label-zertifizierte Seifen aller Art her. Die Pflegeprodukte von Cara by NUSSYY (erhältlich bei SPAR) sind vegan und bio-zertifiziert – die Auswahl reicht hier von Zahncreme über Ringelblumensalbe bis zu Handseife und Duschgel.

 

Fazit: Zum Glück bedeutet ein veganer Lebensstil auch im Lebensbereich Kosmetik, Pflege und Reinigung längst keinen Verzicht mehr – im Gegenteil: Die Auswahl an ethisch vertretbaren Pflege-, Kosmetik- und Reinigungsprodukten war noch nie so groß wie jetzt! 

Wer vegane Produkte ohne Kompromisse sucht, kann sich auf vertrauenswürdige Zertifizierungen wie das V-Label verlassen: Sie bieten zuverlässige Orientierung und garantieren neben dem Verzicht auf Tierversuche auch jenen auf tierliche Inhaltsstoffe – geprüft in der gesamten Lieferkette. So wird bewusster Konsum einfach: Ein Blick aufs Vegan-Siegel genügt und du kannst mit gutem Gewissen zugreifen. 

 

Du hast noch mehr Tipps rund um vegane Kosmetika und Reinigungsmittel? Super – wir freuen uns auf deinen Input an info@vegan.at. Danke!

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