Vegane Kosmetik- und Reinigungsmittel

Vegane Kosmetik- und Reinigungsmittel

23.01.2024

Die vegane Lebensweise bezieht alle Bereiche mit ein, so auch Kosmetika, Pflegeprodukte und Reinigungsmittel. Doch wo verstecken sich tierische Bestandteile und sogar Tierversuche? Und ist der Blick auf die Inhaltsstoffangaben ausreichend? 

Unglücklicherweise findet eine Vielzahl an Stoffen tierischen Ursprungs ihren Weg in Shampoos, Duschgels, Cremes, Lotionen sowie Kosmetikartikel vom Lippenstift bis zur Wimperntusche. Diese werden nicht aufgrund von höherer Qualität oder aus Mangel an Alternativen verwendet – sie sind schlichtweg günstiger, da sie als Nebenprodukte der riesigen Tierindustrie in großen Mengen anfallen. Fettsäuren aus Schweinemägen, Kollagen aus Schweine- oder Fischhäuten, Keratin aus Hörnern und Hufen, Knochenmehl oder sogar Fruchtwasser sind häufig verwendete Stoffe. Wollfett, Bienenwachs, Karmin aus Blattschildläusen, Perlen- oder Seidenpulver sind ebenfalls gängige Bestandteile konventioneller Pflege- und Kosmetikartikel.

Möchte man nun etwas über die Zusammensetzung eines konkreten Kosmetikprodukts erfahren, gestaltet sich das meist nicht gerade einfach: Die sogenannten INCI-Bezeichnungen („International Nomenclature of Cosmetic Ingredients“) stellen sich als eine Mischung aus lateinischen und englischen Wörtern dar, was vielen Verbraucher:innen erst einmal nicht weiterhilft. Das INCI-System ist eine in der EU und vielen anderen Ländern vorgeschriebene Richtlinie zur einheitlichen Kennzeichnung von Kosmetikprodukten. Dass ADEPS BOVIS, MEL oder CERA ALBA tierische Stoffe (Rindertalg, Honig und Bienenwachs) benennen, bleibt Nicht-Lateiner:innen wohl in der Regel verborgen. Farbstoffe werden als CI-Nummern (Color-Index Standard) angeführt. Gruppenbezeichnungen sind zulässig – so können enthaltene Duftstoffe und Duftstoffmischungen einfach als PARFUM angeführt werden. Zwar soll die einheitliche Bezeichnung beispielsweise Allergiker:innen helfen, für sie kritische Inhaltsstoffe zu identifizieren, aber für viele Veganer:innen stellt diese intransparente Darstellung einen Nachteil dar.

Bei Wasch- und Reinigungsmitteln ist nach der europäischen Detergenzienverordnung auf der Verpackung keine vollständige Auflistung der Inhaltsstoffe vorgeschrieben; nur bestimmte Angaben einschließlich der üblichen allergenen Duft- sowie Konservierungsstoffe müssen angegeben werden. Nur auf ihren Websites haben Hersteller:innen ein Datenblatt mit einer vollständigen Liste der INCI-Bezeichnungen aller Inhaltsstoffe anzuführen. 

Tierversuche

Die gute Nachricht: Tierversuche für Kosmetikartikel sowie kosmetische Inhaltsstoffe sind in der EU seit 2009 verboten. Das Verbot umfasst seit 2013 auch importierte Kosmetika. Wird ein Kosmetikprodukt also in der EU hergestellt oder dort verkauft, gilt ein generelles Verbot für Tierversuche. Aus der Sicht von Veganer:innen ist dies sehr erfreulich, wenngleich vor 2009 an Tieren getestete Produkte natürlich weiterhin verkauft werden dürfen.

Allerdings gilt das Tierversuchsverbot nur für Inhaltsstoffe, die ausschließlich in Kosmetika verwendet werden. Viele Inhaltsstoffe werden jedoch auch in anderen Produktgruppen (z. B. Wasch- und Reinigungsmitteln) verwendet, für die die EU Tierversuche teilweise sogar vorschreibt (Chemikalienverordnung REACH). Die EU-Richtlinien präsentieren sich somit uneinheitlich und zum Teil widersprüchlich.

Zertifizierte Produkte

Erfreulicherweise gibt es für vegan lebende Menschen dennoch mehr als genug Auswahl an ethisch vertretbaren Pflege- und Kosmetikprodukten sowie Wasch- und Reinigungsmitteln.

Das vegane V-Label, die Siegel des IHTN (Internationaler Herstellerverband gegen Tierversuche in der Kosmetik), der Vegan Society (Veganblume) und der ECEAE (European Coalition to End Animal Experiments; Leaping Bunny) sowie die PETA-Positivliste garantieren tierversuchsfreie Produkte und unterliegen strengen Kontrollen. Vorsicht: Naturkosmetik-Siegel und Siegel, die Tierversuchsheit garantieren, erlauben in der Regel gleichzeitig tierische Inhaltsstoffe. Halte dich daher am besten an das V-Label oder die Veganblume.

Das V-Label wird in Österreich direkt von der Veganen Gesellschaft vergeben und zertifiziert Lebensmittel bereits seit 1996. Inzwischen werden auch Kosmetika und andere Nonfood-Artikel kontrolliert. Dabei werden sämtliche Inhaltsstoffe und Verarbeitungshilfsstoffe offengelegt und geprüft. Ebenso wird überprüft, ob die Produkte oder dafür entwickelte Inhaltsstoffe an Tieren getestet wurden.

Eine Liste mit Geschäften und Online-Shops, die vegane und tierversuchsfreie Kosmetik- und Pflegeprodukte anbieten, gibt’s im VGT-Einkaufsführer oder im Ethik.Guide von animal.fair. Die Drogerieketten DM und Bipa bieten inzwischen ein reichhaltiges Programm an größtenteils veganer und umweltfreundlicher Kosmetik sowie Pflege, Wasch- und Putzmittel. Maran Vegan in Wien führt eine umfangreiche Produktpalette; so wie auch die meisten Reformhäuser und Biogeschäfte österreichweit. Das Unternehmen Lush, das für seine kreativen Seifen und Badezusätze bekannt ist, hat auch Hygieneartikel im Angebot.

Generell lohnt sich auch der Griff zu zertifizierter Naturkosmetik mit Rohstoffen aus biologischem Anbau, weil diese Produkte in den meisten Fällen schonender für die eigene Haut und die Umwelt sind. Der Wiener Seifenhersteller Alles Seife hat zum Beispiel ein tolles Angebot an handgemachten, veganen und palmölfreien Seifen und Badekosmetik (auch im Onlineshop erhältlich). Auch die Tiroler Seifenmanufaktur Alpine Cosmetics stellt biologische, mit dem V-Label zertifizierte Seifen aller Art her. Die Pflegeprodukte von Cara by NUSSYY (erhältlich bei SPAR) sind vegan und bio-zertifiziert – die Auswahl reicht hier von Zahncreme über Ringelblumensalbe bis zu Handseife und Duschgel.

Viele Ideen für deinen veganen Einkauf bietet dir auch unsere Übersicht über vegane Produkte in Österreich - natürlich alle unabhängig zertifiziert mit dem V-Label.

Hier heißt es aufpassen!

Achte besonders auf die Zusammensetzung von Waschmittel (Tenside werden z. B. oft aus Rindertalg hergestellt) und Seife (auch hier wird oft zu billigen Schlachtfetten gegriffen). Generell besteht bei allen Produkte, die Fette oder Fettsäuren enthalten, die Möglichkeit, dass diese nicht vegan sind.

Die Stoffe mit den folgenden INCI-Bezeichnungen sind überdies tierischer Herkunft (Beispiele):

  • ADEPS BOVIS Rindertalg
  • ADEPS SUILLUS Schweinefett
  • BUTYRIS LAC POWDER Buttermilchpulver
  • BUTYRUM Butter
  • CAPRAE BUTYRUM Ziegenbutter
  • CAPRAE LAC EXTRACT Ziegenmilchextrakt
  • CAPRAE LAC Ziegenmilch
  • CERA ALBA Bienenwachs
  • CREAM Sahne
  • EQUAE LAC, MARE MILK Stutenmilch
  • GADI LECUR OIL Dorschleberöl, Lebertran
  • LAC Kuhmilch
  • LAC POWDER Kuhmilchpulver
  • LACTIS LIPIDA Kuhmilchfett
  • LANOLIN Wollfett
  • LANOLIN, LANOLIN CERA Wollwachs
  • MARE MILK LIPIDS Stutenmilchfett
  • MEL Honig
  • MUSTELA OIL Nerzöl
  • OVUM Hühnerei
  • OVUM OIL Fette aus dem Hühnereigelb
  • OVUM SHELL POWDER Hühnereischalenpulver
  • PISCES EXTRACT Fischextrakte
  • PISCUM LECUR OIL Fischleberöl
  • PISCUM OVUM EXTRACT Fischeiextrakt
  • QUARK CHEESE Quark
  • ROYAL JELLY Gelée Royale, Weiselfuttersaft
  • SALMO OVUM EXTRACT Lachseiextrakt
  • SERICA EXTRACT Seidenextrakt
  • SERICA POWDER Seidenpulver
  • SERICA Seide
  • SHEEP MILK Schafsmilch
  • SHELLAC Schellack
  • WHEY Molke
  • YOGURT Joghurt

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Tierische Inhaltsstoffe können auch in Mode, Textilien und Accessoires enthalten sein.