Vegane Kosmetik und Mode
Vegane Kosmetik und Mode
Veganismus ist mehr als eine Ernährungsweise – er ist eine Haltung, die sich auf alle Lebensbereiche auswirkt. Oft versteckt sich Tierleid in Produkten, die wir täglich nutzen: in unserer Kosmetik, unserer Kleidung und scheinbar harmlosen Alltagsgegenständen. Hier erfährst du, wie du deinen Konsum tierfreundlich gestalten kannst.
Schönheit ohne Kompromisse: Vegane Kosmetik
Sehr viele Kosmetikprodukte enthalten tierliche Inhaltsstoffe, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind. Deren Liste ist lang und beinhaltet sowohl Stoffe von toten und lebendigen Wirbeltieren (zum Beispiel tierische Öle und Fette, Plazenta und Fruchtwasser von Säugetieren, Hormone, Milch, Eier, Gelatine) als auch von Wirbellosen (zum Beispiel Bienenwachs, Honig, Gelée Royal, Karmin). In Kosmetikprodukten stammen tierische Öle und Fette vor allem von Schweinen, Rindern, Walen, Haien, Emus, Nerzen und Schildkröten. In einigen Fällen fallen die Rohstoffe als billige Schlachtabfälle an, in anderen werden die Tiere nur zur Gewinnung dieser Stoffe „gezüchtet“.
Die INCI-Deklarationen („International Nomenclature of Cosmetic Ingredients“) – die EU-weit vorgeschriebenen Kennzeichnungen der Inhaltsstoffe – sind für Lai:innen kaum zu entschlüsseln. Ohne detaillierte Kenntnisse oder zusätzliche Recherche ist kaum nachvollziehbar, ob ein Produkt tatsächlich frei von tierlichen Bestandteilen ist.
Leider sind auch Tierversuche weiterhin ein Thema: Zwar sind sie seit 2013 für fertige Kosmetikartikel sowie deren Inhaltsstoffe in der EU verboten, doch immense Schlupflöcher erschweren eine transparente Einsicht. Das Gesetz gilt nicht rückwirkend, was zur Folge hat, dass Produkte, die vor März 2013 an Tieren getestet wurden, weiterhin verkauft werden dürfen. Zudem gilt das Tierversuchsverbot für Kosmetika nur für Stoffe, die ausschließlich in Kosmetikprodukten verwendet werden. Sehr viele Inhaltsstoffe werden jedoch sowohl in Kosmetika als auch in anderen Produktkategorien (wie Reinigungsmitteln) eingesetzt – und fallen damit nicht mehr in das Tierversuchsverbot für Kosmetika.
Das heißt: Wenn ein Unternehmen nachweisen kann, dass ein Stoff nicht nur in Kosmetika, sondern etwa auch in Putzmitteln verwendet wird, sind Tierversuche weiterhin zulässig.
Es geht auch vegan! Auch in den Bereichen Kosmetik und Reinigungsmittel ist ein konsequent veganer Lebensstil einfach und genussvoll möglich. Eine Liste mit Geschäften und Online-Shops, die vegane und tierversuchsfreie Kosmetik- und Pflegeprodukte anbieten, gibt’s im VGT-Einkaufsführer oder im Ethik.Guide. Sehr niederschwellig bieten die Drogerieketten dm und BIPA mit ihren Eigenmarken Alverde bzw. BiGood inzwischen vegane Kosmetik-, Pflege-, Wasch, Reinigungs- und Haushaltsprodukte an.
Praktische Hilfe bei der Suche nach veganen Produkten (frei von tierlichen Inhaltsstoffen und nicht an Tieren getestet) können Apps wie CodeCheck (prüft auf vegane Inhaltsstoffe) oder Bunny Free (prüft auf Tierversuchsfreiheit) sein.
Achtung: Begriffe wie „cruelty-free“ bedeuten nicht automatisch vegan. Manche Marken verzichten zwar auf Tierversuche, nutzen aber trotzdem tierliche Stoffe – oder umgekehrt.
Wichtig: Wer sicher sein will, dass Pflegeprodukte wirklich vegan sind – also frei von tierlichen Inhaltsstoffen sind und weder als Endprodukt noch als Inhaltsstoff oder in einem vorhergehenden Produktionsschritt an Tieren getestet wurde – sollte unbedingt auf vegane Zertifizierungen und Siegel wie das V-Label, die Veganblume oder das PeTA-Approved-Vegan-Logo achten.

Mode mit Verantwortung
Auch die Textilindustrie verursacht enormes Tierleid: Hinter Materialien wie Pelz, Wolle, Daunen oder Leder stecken grausame Existenzbedingungen, schmerzhafte Prozeduren und die Tötung der „verwendeten“ Tiere.
Leder ist kein harmloses, „natürliches“ Produkt und kein „Schlachtabfall“, sondern macht die meisten Tierfabriken erst rentabel: 40 % der weltweiten Schlachtungen dienen auch der Lederindustrie. Die Tierhäute werden mit stark gesundheits- und umweltschädlichen Chemikalien behandelt, um eine Verwesung zu verhindern. Achtung: Lederprodukte gibt es in allen Preissegmenten, so können auch günstige Schuhe und Accessoires aus Tierhaut bestehen.
Für Wolle müssen viele Schafe das sogenannte Mulesing ertragen. Dabei werden Hautfalten um den Schwanz der Tiere ohne Betäubung herausgeschnitten, da sich in den Falten sonst Urin und Feuchtigkeit sammeln können. Diese extrem schmerzhaften Wunden entzünden sich oftmals.
Die Hälfte der in Österreich verkauften Pelze entstammt dem Fallenfang aus Alaska, Kanada und Russland. Die Tiere liegen tagelang mit gebrochenen Extremitäten in den Eisenfallen, bis sie getötet werden. 90 % der so gefangenen Tiere sind „Pelzabfall“, da sie nicht zu der gewünschten Tierart gehören. Die restlichen Pelze stammen aus Pelzfarmen, die nichts anderes als grausame Tierfabriken für Nerz & Co. sind.
Federn von Gänsen und Enten sind als Daunen ein beliebtes Füllmaterial für Winterjacken und Bettdecken. Während ihres kurzen Lebens werden die Tiere vier bis fünf Mal gerupft, wobei ihnen unbetäubt jeweils ca. 140 g ihrer Federn entrissen werden.
Es geht auch vegan! Vegane Mode bedeutet längst keine Kompromisse mehr: Es gibt eine Vielzahl an veganen Textilien, die alle Ansprüche an qualitativ hochwertige Kleidung erfüllen. Neben Kunststoffen (beispielsweise für „klassisches“ Kunstleder) gibt es pflanzliche Materialien von traditionell bis innovativ: Hanf, Leinen, Bio-Baumwolle, Tencel, Ananasleder (Piñatex) und Korkleder sind nicht nur tierfreundlich, sondern auch nachhaltig.
Eine Vielzahl an Modelabels hat sich auf vegane Textilien, Mode und Schuhe spezialisiert und auch in herkömmlichen Online-Shops lässt sich die Suche oft auf vegan fokussieren.
Schau dich beispielsweise in unserem VEGAN.AT-Shop oder bei Gary Mash, Fulmarix oder Nae Vegan Shoes um. V-Label-zertifizierte Heimtextilien wie Handtücher und Bettdecken findest du beispielsweise bei Vossen und Grüne Erde.
Mit dem – auch von großen Modekonzernen genutzten – PeTa-Approved-Vegan-Siegel für Textilien gibt sogar ein eigenes Vegan-Siegel für Mode.
Achte auch beim Textilienkauf unbedingt auf die Etiketten. Diese verraten dir, aus welchen Materialien das Produkt besteht. Wer zusätzlich die Umwelt schonen möchte, setzt auf Secondhand-Kleidung oder Upcycling – so reduziert man nicht nur Tierleid, sondern auch den ökologischen Fußabdruck.
Jeder Kauf ist eine Stimme für die Welt, die wir uns wünschen: eine Welt ohne Ausbeutung, mit Respekt für alle Lebewesen!
Du hast noch mehr Tipps rund um vegane Kosmetik und Mode? Super – wir freuen uns über deine Nachricht an info@vegan.at. Danke!
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