Portugiesisches Ministerium veröffentlicht Empfehlungen für eine gesunde vegane Ernährung

Portugiesisches Ministerium veröffentlicht Empfehlungen für eine gesunde vegane Ernährung

01.01.2019

Wie viele andere europäische Länder kämpft Portugal gegen das rapid steigende Übergewicht der Bevölkerung und eine Zunahme an chronischen Erkrankungen. Hilfreich sein kann hierbei eine pflanzliche Kost mit einem hohen Anteil an Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten. Das hat auch das portugiesische Ministerium für Gesundheit erkannt und fördert daher die vegane Ernährung: In einer umfangreichen Broschüre informiert es über die Vorzüge einer gesunden vegetarischen und veganen Kost und gibt Empfehlungen für die praktische Umsetzung.

Ernährungssituation in Portugal

Viele Portugies_innen nehmen mehr Kalorien zu sich als sie verbrauchen. Auch die Zufuhr an Fleisch und Eiern sowie gesättigten Fettsäuren liegt über den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Gleichzeitig ist die Verfügbarkeit gesunder Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse nicht ausreichend. Dieses Ungleichgewicht hat dazu beigetragen, dass 53 % aller portugiesischen Männer und 27,8 % aller Frauen übergewichtig sind, sowie 11,2 % der Männer und 10,4 % der Frauen adipös, also stark übergewichtig. Hinzu kommen viele weitere chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes, die mit einer ungesunden, zu fetten und zu energiereichen Ernährung in Verbindung stehen. Chronische Krankheiten gelten wiederum als Haupttodesursache in Portugal.

Nationales Programm zur Förderung von gesundem Essen

Diesen gravierenden gesundheitlichen Problemen entgegenzuwirken, ist Aufgabe der zum portugiesischen Gesundheitsministerium gehörenden „Generaldirektion für Gesundheit“. 2012 entwickelte sie das „Nationale Programm zur Förderung von gesundem Essen“, ein Aktionsprogramm auf dem Gebiet von Lebensmitteln und Ernährung, mit dem Ziel, den Ernährungszustand der portugiesischen Bevölkerung zu verbessern. Um das zu erreichen, sollen einerseits gesunde Lebensmittel leichter verfügbar gemacht werden. Andererseits sollen die Menschen dazu animiert werden, mehr Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte zu essen und sie in ihren täglichen Speiseplan zu integrieren.

Richtlinien für eine gesunde vegane Ernährung

Dass sich eine gesunde pflanzliche Kost aufgrund ihres niedrigen Gehalts an Energie und gesättigten Fettsäuren sowie ihres hohen Anteils an Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Vollkorngetreide sehr gut dazu eignet, Übergewicht und damit in Verbindung stehende chronische Krankheiten zu reduzieren, hat das „Nationale Programm zur Förderung von gesundem Essen“ längst erkannt. Auf insgesamt 46 Seiten informiert es ausführlich über vegetarische Ernährung. Unter diesem Begriff werden in der Broschüre die verschiedenen Formen fleischloser Kost zusammengefasst: Neben lakto-vegetarischer (keine Eier), ovo-vegetarischer (keine Milch) und ovo-lakto-vegetarischer (Milch und Eier) zählt hierzu auch die „streng vegetarische“, also vegane Ernährung. Nach einer kurzen Einführung, die sich mit der Definition und Geschichte von Vegetarismus beschäftigt, thematisieren die Autor_innen Vorteile und potentielle Risiken einer vegetarischen Ernährung. Deutliche positive Auswirkungen pflanzlicher Kost konnten mit Hilfe epidemiologischer Studien belegt werden: Krebs, starkes Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ein erhöhter Cholesterinspiegel, Bluthochdruck und Diabetes treten weniger auf, während sich die Lebenserwartung erhöhe. Es folgt ein Überblick über essentielle Nährstoffe und wie diese rein pflanzlich gedeckt werden können. Potentiell kritische Vitamine und Mineralstoffe wie Vitamin B12, Vitamin D und Kalzium werden ausführlich behandelt. Eine gut geplante vegane Ernährung hält die "Generaldirektion für Gesundheit" in allen Lebensphasen einschließlich Kindheit, Schwangerschaft und Stillzeit für gesund und hinsichtlich der Energie- und Nährstoffversorgung für bedarfsdeckend. Die Broschüre richtet sich primär an Profis aus den Bereichen Bildung und Gesundheit, damit diese ihr Wissen an Schulen und in der Ernährungsberatung umsetzen können.

Und in Österreich?

Übergewicht und Adipositas sind in Österreich ähnlich stark verbreitet wie in Portugal. 41 % der österreichischen Bevölkerung sind übergewichtig und auch hier nehmen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus und andere chronische Krankheiten zu. Pflanzliche Lebensmittel gelten als gesund und die Österreichische Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, den Konsum von Fleisch, Wurstwaren und gesättigten Fettsäuren einzuschränken. „Neben dem Tabak- und Alkoholkonsum sowie einem erhöhten Blutdruck sind auch Adipositas, erhöhte Blutcholesterinspiegel, geringe körperliche Aktivität, hohe Blutzuckerwerte und ein niedriger Obst- und Gemüsekonsum Hauptrisikofaktoren für Erkrankungen und Tod in Europa.“, ist im „Nationalen Aktionsplan Ernährung“ zu lesen, der vom österreichischen Bundesministerium für Gesundheit veröffentlicht wurde. Was man bisher jedoch vergeblich sucht, sind konkrete Empfehlungen, wie eine gesunde vegane Ernährung praktisch umgesetzt werden kann. Veröffentlicht wurde lediglich eine sehr kurze Stellungnahme von der Nationalen Ernährungskommission, die von einer veganen Ernährung in Kindheit, Schwangerschaft und Stillzeit abrät und auf konkrete Praxis-Tipps gänzlich verzichtet. Die Anzahl vegan lebender Menschen in Österreich liegt derzeit bei 1,2 % und nimmt stetig zu. Mit offiziellen Empfehlungen, wie eine gesunde vegane Ernährung aussehen sollte, würde man dem großen Informationsbedarf nachkommen und könnten viele Unsicherheiten und somit potentielle Ernährungsfehler vermieden werden.

Fazit: Portugiesische Empfehlungen

Die Empfehlungen des portugiesischen Gesundheitsministeriums verdeutlichen, wie etabliert die vegane Ernährung in der Gesellschaft bereits ist. Mit konkreten Handlungsempfehlungen, wie eine gesunde vegane Ernährung umgesetzt werden kann und worauf speziell zu achten ist, lassen sich die Vorzüge einer pflanzlichen Kost ideal ausnutzen und gleichzeitig unnötige Fehler vermeiden. Die portugiesische Regierung hat erkannt, dass eine vegane Ernährung bei richtiger Planung gängigen Gesundheitsproblemen entgegenwirken kann und sich daher für eine adäquate Unterstützung vegan lebender Menschen entschieden. Neben der Publikation der Broschüre hat sie ein Gesetz verabschiedet, das Kantinen in allen Schulen, Universitäten und Krankenhäusern vorschreibt, mindestens ein veganes Gericht anzubieten. So wird gesundes, pflanzliches Essen in öffentlichen Einrichtungen gefördert und auch für einkommensschwächere Menschen leichter verfügbar gemacht. Gleichzeitig kann sichergestellt werden, dass Veganer_innen mit vollwertigem Essen und allen erforderlichen Nährstoffen versorgt werden. Ein Projekt mit Vorbildwirkung, das wir uns auch für Österreich wünschen!