Der Leidensweg der österreichischen Milchkälber

Der Leidensweg der österreichischen Milchkälber

21.02.2020

Das vor wenigen Tagen erschienene Videomaterial des Vereins Gegen Tierfabriken zeigt einen Schlachtbetrieb im Norden des Libanons. Unter den furchtbar qualvoll geschlachteten Rindern sind auch drei aus Österreich zu finden, eindeutig identifizierbar durch ihre Ohrenmarken. Ihr Leiden ist auf das engste verbunden mit unserem Durst nach Milch und zeigt abermals, dass nicht nur hinter Fleisch, sondern hinter jedem Tierprodukt ausgebeutete Lebewesen stehen.

(c) Jo-Anne McArthur/Animal Equality
(c) Jo-Anne McArthur/Animal Eqaulity

Der lange Weg in den Tod

Zunächst werden die besagten drei Kälber erstmals von Bergheim in Salzburg, eine bekannte Kälbersammelstelle, nach Spanien transportiert. Das bedeutet 21 Stunden Fahrt ohne Versorgung. Zu diesem Zeitpunkt sind die Kälber schätzungsweise 2-4 Wochen alt und noch nicht von der Muttermilch entwöhnt. Diese 21 Stunden heißen für die Jungtiere also ständiger Durst und Hunger. In Spanien werden die Tiere einige Wochen gemästet, bis sie schließlich per Schiff in den Nahen Osten transportiert werden. Der Tiertransport über das Mittelmeer dauert 14 Tage. Im Norden Libanons, nahe der Grenze bei Syrien, werden die drei Rinder bei vollem Bewusstsein geschlachtet. Der qualvolle Todeskampf der österreichischen Rinder dauert minutenlang, dies zeigen Aufnahmen der Organisation Animal International. Bei ihrer Tötung sind die Rinder noch nicht einmal ein ganzes Jahr alt und haben bereits 7.500 Kilometer hinter sich – alles nur um am Ende eines schmerzlichen und langen Todes zu sterben.

Drei Rinder aus Österreich sind kein Einzelfall

Im Jahr 2018 exportierte Österreich 67.500 Kälber nach Italien, Polen und Spanien, um sie dort zu mästen. Im selben Jahr exportierte Spanien 163.124 Rinder weiter in Drittstaaten, wo sie geschlachtet werden. Die Tiere werden so durch die ganze Welt gekarrt und landen etwa in Algerien, Marokko oder der Türkei. In diesen Ländern herrschen allerdings barbarische Schlachtverhältnisse. Damit die Rinder nicht weglaufen können, werden ihnen die Beinsehnen durchtrennt, um sie angeblich ruhig zu stellen die Augen ausgestochen und schließlich wird an der Kehle herum gesäbelt bis die Tiere endgültig sterben.

(c) Verein Gegen Tierfabriken, Animal Welfare Foundation
(c) Verein Gegen Tierfabriken, Animal Welfare Foundation

Grausames Sterben der Rinder als Konsequenz der Milchwirtschaft

Das brutale Abschlachten der Rinder ist eine bittere Folge der Milchwirtschaft in Österreich und andernorts in der EU. Denn um die Milchproduktion der Kühe und so den Profit zu maximieren, werden die Kühe mehrmals in ihrem Leben künstlich befruchtet und gebären einmal im Jahr ein Kalb. Kurz nach der Geburt werden Kalb und Mutter für immer getrennt, was für beide ein äußerst traumatisierendes Erlebnis ist. Durch das regelmäßige Gebären der Kälber entsteht zwangsläufig ein Überschuss an den Jungtieren. Die männlichen Kälber werden als Abfallprodukt der Milchwirtschaft betrachtet. Häufig werden sie aus Kostengründen in ausländische Mastbetriebe gebracht. Früher oder später landen sie auf unseren Tellern. Wenn es sich um weibliche Kälbchen handelt, werden diese oft selbst wieder in die Milchwirtschaft einbezogen. So wird ein schier nie endend wollender Teufelskreis geschaffen.

Was tun, um die Politik zum Handeln zu bringen?

Laut dem österreichischen Bundesgesetz für Tiertransporte dürfen so junge Kälbchen wie im aufgedeckten Fall nicht mehr als 18 Stunden transportiert werden, und dann auch nur mit einer einstündigen Pause und mit Auflagen für Tränke-Einrichtungen und Lüftungssysteme. Diese Auflagen werden selten bis gar nicht eingehalten – doch das war auch schon vor dem Bericht des Vereins Gegen Tierfabriken bekannt. Auch den österreichischen Behörden muss bewusst gewesen sein, dass bei Transporten von Tieren, Auflagen und Rechtlinien missachtet werden und das Wohl der Tiere wenig im Fokus steht. Doch solange der Handel mit Tieren und ihren Körperprodukten profitabel genug ist, scheint die Politik schon mal ein Auge zudrücken zu können.

Mit dem Bericht des Vereins Gegen Tierfabriken ist das aber nicht mehr so leicht. Denn die Bilder der leidenden Tieren sind jetzt an die Öffentlichkeit gelangt und werden nicht mehr so schnell vergessen werden. Jetzt heißt es: dranbleiben, Menschen mobilisieren und Bewusstsein schaffen. Auch du kannst einen aktiven Beitrag leisten: Unterschreib die Petition gegen Tiertransporte des Vereins Gegen Tierfabriken unter www.transportestoppen.at und komm zur Kundgebung gegen Kälbertransporte am 26.02.2020 am Stubenring, 1010 Wien.

(c) Verein Gegen Tierfabriken
(c) Verein Gegen Tierfabriken

Dokumentation: Tiertransport grenzenlos

Das ZDF-Format „37 Grad“ stellt in der Doku „Tiertransport grenzenlos“ anschaulich den Leidensweg der Kälber dar. Die Aufdeckung vom „Verein Gegen Tierfabriken“ und anderen Organisationen wird begleitet und so wird verdeutlicht, welches Leiden wir Menschen mit dem Konsum von Tierprodukten anrrichten.