Verbraucherverbände fordern deutliche Mehrwertsteuer-Senkung bei pflanzlichen Proteinquellen

Verbraucherverbände fordern deutliche Mehrwertsteuer-Senkung bei pflanzlichen Proteinquellen

24.02.2026

Ein reduzierter Steuersatz von 7 % auf pflanzliche Milch- und Fleischprodukte, 0 % Mehrwertsteuer auf Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst – so lautet die von der Verbraucherzentrale und 19 weiteren Verbraucherverbänden gestellte Forderung an die deutsche Bundesregierung. Die Verbände wünschen sich eine einheitliche Proteinstrategie und konkrete Ziele zur Erhöhung des pflanzlichen Anteils an der Proteinversorgung.

Bild eines Glases, in das Sojadrink eingegossen wird. Im Hintergrund liegen Sojabohnen auf einer Holzoberfläche

Österreicher:innen wie Deutsche essen zu viel Fleisch und andere tierische Lebensmittel. Sowohl aus gesundheitlicher als auch aus ökologischer Sicht wäre ein deutlich geringerer Verzehr wünschenswert. Keine Einigkeit besteht allerdings bei der Frage, wie dies gelingen kann. 20 Verbraucherverbände fordern nun klare Maßnahmen von der deutschen Regierung: Eine einheitliche Proteinstrategie, durch die pflanzliche Proteinquellen gezielt gefördert werden, ist dringend notwendig. Die Absenkung der Mehrwertsteuer auf pflanzliche Lebensmittel stellt dabei eines der zentralen Instrumente dar.

Umfrage bestätigt: Milch- und Fleischalternativen sind Grundnahrungsmittel

Die Verbraucherzentrale bezieht sich auf eine repräsentative Befragung des Forschungsinstituts forsa, die belegt, dass pflanzliche Milch- und Fleischprodukte mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind und stark nachgefragt werden:

  • 20 % der Verbraucher:innen (also jede:r Fünfte) nutzen häufig oder ausschließlich pflanzliche Milch und andere pflanzliche Milchprodukte.
  • Fast 12 % nutzen häufig oder ausschließlich Fleischalternativen.
  • 67 % befürworten die Absenkung der Mehrwertsteuer bei pflanzlichen Milch- und Fleischalternativen.

Das Verbändebündnis fordert die Bundesregierung auf, dem Wunsch der Verbraucher:innen nachzukommen und die Mehrwertsteuer bei pflanzlichen Fleisch- und Milchprodukten abzusenken. Zudem sollte die Mehrwertsteuer bei Hülsenfrüchten sowie unverarbeitetem Obst und Gemüse auf null gesetzt werden.

Gutes und bezahlbares Angebot sicherstellen

Pflanzliche Proteinquellen sollten außerdem durch zahlreiche weitere Maßnahmen gefördert werden. Dazu gehört ein einheitliches Vorgehen beim Thema Proteinsplit, also dem Verhältnis von pflanzlichen zu tierischen Eiweißquellen im Gesamtsortiment von Lebensmitteleinzelhändlern. Mit klar formulierten Zielvorgaben sollten alle Supermarktketten dazu angehalten werden, einen hohen pflanzlichen Anteil zu erreichen. Wichtig ist aber auch, den Verbraucher:innen hilfreiche Informationen zu liefern – aus diesem Grund dürfen Fleischbezeichnungen für Veggie-Produkte nicht verboten werden und stattdessen sollte der Nutri-Score verpflichtend eingeführt werden. Durch die Förderung von Start-ups und die Ausschreibung von Wettbewerben kann die Regierung zusätzliche Anreize setzen, um das Angebot im Bereich der Fleisch- und Käsealternativen zu verbessern. Auch in der Gemeinschaftsverpflegung muss der Anteil an pflanzlichen Proteinen deutlich erhöht werden. Wesentlich sind hierfür Nudging-Maßnahmen wie eine sinnvolle Preisgestaltung, die Einführung eines pflanzlichen Gerichts als Standardoption und eine attraktive Speisenbezeichnung. Nicht zuletzt sollten auch der Anbau von Hülsenfrüchten sowie die Forschung auf dem Gebiet der Fleisch- und Milchalternativen gefördert werden. Der Fokus sollte dabei auf gesunden sowie nachhaltigen Produkten liegen.

Eine Steuersenkung auf pflanzliche Proteinquellen ist auch in Österreich dringend notwendig

Aufgrund der hohen Inflation hat die österreichische Regierung Anfang 2026 beschlossen, dass die Mehrwertsteuer auf bestimmte Grundnahrungsmittel ab Juli auf 4,9 % abgesenkt werden soll. Neben Kuhmilch, Eiern, Brot, Nudeln und Reis fallen ausgewählte heimische Gemüse- und Obstsorten darunter. Hülsenfrüchte sind jedoch nur in frischer und tiefgekühlter Form betroffen, getrocknete sowie Konservenware wird weiterhin mit 10 % besteuert. Besonders dramatisch ist die Situation bei pflanzlicher Milch: Diese unterliegt einem erhöhten Steuersatz von 20 % und ist ab Juli mehr als 4-mal so hoch besteuert wie tierische Milch. Wir fordern im Rahmen die österreichische Regierung daher dazu auf, diese Ungleichbehandlung abzuschaffen und stattdessen alle pflanzlichen Proteinquellen steuerlich zu begünstigen. Zudem begrüßen wir alle weiteren Forderungen der 20 deutschen Verbraucherverbände und wünschen uns, dass diese auch in Österreich umgesetzt werden.

Unterschreibe jetzt unsere Petition: Mehrwertsteuersenkung auch für Tofu und pflanzliche Milch!

Bildquelle: jcomp